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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

 
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wird als sogenannte Nürnberger Probe be 
zeichnet, wobei es insofern Auslegungsschwie- 
rigkeiten gab, als meist zehn Teile Zinn und ein 
Teil Blei (sogenannte Reichsprobe) gefordert wur- 
den. So war es in Wien, wo die um 1368 schon gel- 
tende, 1430 ins Ordnungsbuch eingetragene Wie- 
ner Zinngießerordnung die Probe zum Zehnten ver- 
langte: "Auch sol die mischung  sein  dass 
sie nemen sullen immer zu zehen phunten zin ain 
phuni plei und nicht mer." Dies wird in der Ord- 
nung der Wiener Handwerker vcn 1527 bestätigt. 
Ähnliche Angaben finden sich 1596l1600 in Linz, 
wiederholt in der revidierten Handwerksordnung 
1615, daß in Oberösterreich "von altersher gebräu- 
chigri eine Probe "als zehen lötngll, es wäre aber 
wuraltem herkhomben nach zwayerley prob ge- 
westu und sollte so bleiben (was wohl die Mi- 
schung vier zu eins ebenfalls gestattete). In Inns- 
bruck wird 1590 die Bestellung von Beschauern 
und Probierern eingeschärft, ohne daß Bestim- 
 
mungen über die Legierung vorliegen. In Meran 
war schon 1473 die Anbringung der Stadtmarke 
vorgeschrieben worden, in Kitzbühel wurde 1543 
ein eiserner Stempel angeschafft, um das Zeichen 
der Stadt auf die Kannen aus Zinn zu schlagen. 
1741 ist in Bregenz das Verhältnis vier zu eins (vier 
Pfund englisch Zinn zu einem Pfund Blei), in Feld- 
kirch zu zehn Pfund englischem Zinn nicht mehr 
als ein Pfund Blei, bezeichnet mit der Nummer 10. 
In Klagenfurt wird (1748 7) bestimmt, daB nicht 
schlechter als die wProb zum Viertenu (also Ver- 
hältnis vier zu eins) verfertigt werden dürfe, will je- 
mand ein anderes Verhältnis, so habe dies durch 
6, 8 und 10 bzw. bei reinem Zinn durch die einge- 
schlagene Rose mit dem Landschaftswappen zu 
geschehen. Salzburg drang schon 1487 und 1507 
auf die genaue Durchführung der Zinnprobe durch 
die Beschaumeister. 1796 heißt es, daB in Salz- 
burg zwei Gattungen Zinn verarbeitet werden, bei 
der einen zu acht Pfund reinem Zinn ein Pfund Blei 
oder reines Zinn ohne Zusatz. Nur das reine 
wurde mit Probezeichen, Stadtwappen und 
men versehen, das andere, z. B. für Deckel 
Krügeln, ohne Zeichen verwendet. 1770 en 
lautet in Linz die Bestimmung, reines Zinn 
Bleizusatz mit SCHLACKENWALDER FEINZ 
das übrige böhmische Zinn als FEIN ZlNN,s 
(wenn altes Zinn dazugenommen wird) mit 
MISCHTEM ZINN zu kennzeichnen. Danach 
bei neuen Arbeiten gar kein Bleizusatz möglic 
wesenl 
Als Fiatskannen dienten im 16.Jahrhundert 
gefußte Schenkkannen. im Stadtmuseum 1 
sind sechs davon erhalten geblieben, die der 
gieBer Abraham Böck (Meister um 1567, + 
1600) angefertigt hat. Vorn zeigen sie auf e 
Schild in HochreliefguB den steirischen Par 
im Boden ein Medaillon mit dem Bildnis des 
zcgs Ulrich von Württemberg (Höhe 51 crr 
Stadtmuseum Wels haben sich zwei Kannei 
  
9 Jakob Manßrieder (Linz), Weinkuhier der Maurs 
Zimmerleute in Ftottenmann, 1738 (7), Leihgat 
Stadt Roltenmann im Landesmuseum Joan 
Graz 
10 Flochus Kesselberger (Linz), Kanne der Bäcker i 
tenmann, um 1700, Leihgabe derStadt Rottenme 
Landesmuseum Joanneum, Graz 
11 Oslerreichischer Zinngießer, Gefäß einer Me 
zunft in Form eines springenden Sliers mit Me 
hörnern und Hufen, auf der blattiörmigeri FuB 
Metzgerwappen und Datierung 1633, ehemals 
Sammlung Figdor 
12 Oslerrelchischer Zinngießer, Gefäß einer Binde 
in Form eines Schlegels milden Namen der ZUl 
steher und der Datierung 1688, Linz, Stadtmuse
	        

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