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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

 
tung in Zirbenholzsärge 1827 Steine hinzu- 
gegeben, um ein größeres Gewicht volzutäu- 
schert, die neun Zinnsarge aber zerschlagen und 
in der wConventkuchlu heimlich eingeschmolzen! 
im Nachiaß des Stlftsanwalts - der damals zur 
Betreuung des aufgehobenen Klosters eingesetzt 
war - wurden 1851 noch etwa neun Zentner her- 
renloses Zinn gefunden! 
Auch in der Pharmazie hatte Zinn seinen Platz. 
Aus dem Arzneibuch der Frau Taentzlin zu Schwaz 
ist zu entnehmen, daß man zur Bereitung eines 
Arzneiwassers oder weinigen Auszuges Kannen 
aus Zinn mit Deckel benutzte, ein Destillationsap 
parat aus Glas oder Zinn wird für die Destillation 
von Arzneiwassern empfohlen, gebrauchsfertige 
Arzneien wurden in Büchsen verwahrt, wobei z. B. 
für Theriak seit dem Mittelalter Zinnbüchsen ver- 
wendet wurden. Von alten Apothekeneinrichtun- 
gen sind Zinngefaße als Einzelstücke in verschie 
dene Sammlungen gekommen, das Deutsche Apo 
thekenmuseum in Heidelberg verwahrt die ur- 
sprüngliche Einrichtung der Ursulinenapotheke 
von Klagenfurt, an Ort und Stelle haben sich bei- 
spielsweise in Zwetti Teile der Ausstattung der 
Stiftsapotheke aus der Zeit Abt Johann Bernard 
Lincks, 1652, sowie aus dem 18.Jahrhundert, an- 
gefertigt vom Kremser Zinngießer Johann Stolz 
(+ 1821), erhalten. Auch manche Serpentinstein- 
gefaße, mit zinnernen Henkeln, Standringen und 
Schraubverschlüssen versehen, dürften ehedem 
zur Verwahrung von Arzneien gedient haben. Eine 
einmalige Leistung der österreichischen Zinngie 
ßer stellen wohl die von Franz Joseph Winckler 
1768 hergestellten Prunkgefaße für die Stiftsapo 
theke St. Florian dar: den Fuß jedes der zwei bau- 
chlgen Gefäße bilden zwei Schlangen, auf dem 
Deckel zeigen zwei vergoldete Messingadler, die 
33 
32 Meister P.O. (Leoben), FlacherTelier mit Anbetung der 
Hi. Drei Könige und graviertem Wappen der Gosser 
Ablissin Florentine Puterin, 1588, Wien, Osterreichi- 
sches Museum für angewandte Kunst 
33 Siegel des Handwerks der Zinngießer in Österreich ob 
der Enns, 1600101, Graz, Sleiermärkisches Landesar- 
chiv 
Ei Anschrift des Autors: 
Dr. Georg Wacha 
Direktor des Stadtmuseums Linz 
Betlehemstraße 7 
4010 Linz 
jeweils eine Schlange im Fang festhalten, den 
Sieg der Pharmazie über die Krankheit. Wie diese 
Adler sind auch die Wappen des Stiftes und des 
Prälaten von einem Günter angefertigt worden, 
der ebenso wie der Zinngießer den beachtlichen 
Preis von 184 fl dafür erhalten hat. 
Schon im Mittelalter wurde für die Orgelpfeifen 
Zinn, sicher in einer stark verbleiten Legierung, 
verwendet. Als 1475 im Stift Nonnberg eine neue 
Orgel errichtet wurde, da verrechneten die Bene 
diktinerinnen "mit unnserm zingiesser dem Wolf- 
gange  "was er uns von zyn mit nomenn, es wa- 
ren 4 V2 Pfund, dann 38 Vz lb Blei, wobei man dann 
noch Blei von Passau (wo der Orgelmeister Wolf- 
gang Ruerdorff Material einkautte) brachte. Auch 
in Wels erhielt der Zinngießer Bartime beim Uni- 
setzen der Orgel 1551 Beschäftigung. Die großen 
barocken Orgelprospekte mit den riesigen Zinn- 
pfeifen sind vielleicht die größten Werke aus die- 
sem Material, die einem heutzutage vor Augen 
kommen. Die kleinen Orgelpositive oder Portative 
hatten oft auf den mittleren Pfeifen eine Verzie- 
rung mit Initialen (des Bestellers) und Jahreszahl. 
Noch die Kostenvoranschläge z. B. der Passauer 
Orgelbauer des 19.Jahrhunderts geben genau die 
Zahl der Pfeifen aus Zinn und der aus Holz an. 
Das Verfertigen von Großplastiken war nicht Sa- 
che der Zinngießer, hier mußten andere Helfer her- 
angezogen werden, etwa beim Prunksarkophag 
Kaiser Josephs l. Johann Lucas von Hildebrandt 
als Entwerfer und Bildhauer Tobias Kracker als 
Hersteller des Modells, nach dem dann der Guß er- 
folgte. Nur Kruzifixe, Figuren des hl. Johannes von 
Nepomuk, Weihwasserkessel, in anderen Gegen- 
den auch Taufsteine zeugen von der plastischen 
Kunst der Zinngießer. Bei Leuchtern und Wandar- 
men (für kirchlichen und profanen Gebrauch) 
Literaturangaben 
Allgemeine: 
Erwin Hintze, Süddeutsche Zinngießer lll mit Anhang: Elsaß, Oster- 
reich, Schweiz, Ungarn, Die deutschen zinngieeer und Ihre Marken 
Vll, Leipzig 19:11, s. 1291i. (abgekürzt: Hintze Vil) 
Ludwig Mory - Eleonore Fichelkastner - eernd i-ioiier, Elruck- 
manrrs Zinn-Lexikon, München 1911, s. 211i. 
Zinn Irl Inventaren: 
Essen und Trinken, Ausstellung Innsbruck 1967; Eugen Frischauf, 
Bürgerlicher Waidviertier Hausrat im 16.Jahrhunder1, in: Das Wald- 
viertel 3 (Volkskunde), 1926, S. 149 
Darstellungen: 
Harry kuhnei, Die materielle Kultur des spatrnitteiaiters im Spiegel 
der zeitgenössischen lkonographle, (durerrßotiiidungen erweiter- 
ler) Sonderdruck aus dern Katalog Gotik in Osterreicn, Krems 1961. 
s. 2a und Abb. a, 17, a2, 3:1, es 
Walllahrerzeichen: 
Leopoldsplennig (Silber): Die Gotik in Niederösterreich, Katalog 
Krems 1959, Nr. 420. Friedrich lll. - Kaiserresiderlz Wiener Neu- 
siadi, Katalog Wiener Neustadl 1966, S. 365, Nr. 165. 
Lilienleld: Gerhard Winner, Die Urkunden des Zisterziensersiiltes 
Llllenfeld 1111-1892, Fontes rerum Austriacarum lllür, 1974, Nr. 
1271. Dazu: Historisch-topographische Darstellung der Prarren, 
Stille, Klöster  von Österreich, 182-411., 6. Bd., S. 41911. und Gu- 
stav Gugitz, Das kleine Andachtsbild in den österreichischen Gna- 
denstatten, 1950, S. 86. 
St. Wolfgang: Georg Wachs, Wallrartrerzeictlen von Sankt Wolf- 
gang, in: alte und moderne Kunst 21, 1976, Heft 146, S. 1611., dazu: 
Zinn, Kataloge des Kunstgewerbemuseums Koln a, rasa, s. 11, Nr. 
62 und Der hl. Wolfgang in Geschichte, Kunst und Kult, Ausstel- 
lung St. Wollgang 1976, S. 144, Nr. 163, Abb. 34 
Zinn-Epileph Eisensladl 1575: 
Dagobert Frey, Das Burgenland, 1929, S. IX, Abb. 4; OKT 24, 1932 
(Eisenstadt und Rust), S. 32 und Abb. 29; Rudolf Zlmmerl, Die in- 
schriften des Burgenlandes (Die Deutschen lnschrlften 3), 1955, 
S. 201., Nr. 3D. 
Rarskannen: 
Renaissance in Osterreich, Katalog Schallaburg 1974, S. 100, Nr. 
233a; Georg Wacha, Kunst in LinZ um 1600, in: Kunstjehrbuch der 
Stadt Linz 1967, S. 38, Abb. 49; Graz als Residenz, Katalog Graz 
1964, S. 26811.; OKT 35 (Wolsetschiäger-Mayer, Murau), 1964, S. 467; 
Leopold Schmid, Volkskunde Von Niederösterreich 1, 1966, S. 9B 
Zunlrkarrrren: __ 
Otto Domonkos, Das Backhaus von odenburg isopron) und die 
Zunttdenkmaler der Bäcker aus den16.-19.Jahrhunderterl, in; Arra- 
bona 17. 1975. S. 159fl. 
zir-rngießersiegei- 
Alired Gretser, Zunft-Wappen und Handwerker-lnsigrllen, 1999 
11911), s. 1 und 11a, raiei 29 
Puysdorier und Schwanenstadler Fund: 
Alfred Walcher Ritter von Moitheln, Der Reneissancelurid von 
Poysdorf, in: Werke der Volkskunst, Vierteliahresschritt des Osterr. 
Museums für Volkskunde 1, Heft 4, Wien 1914; Otlried Kasther, Der 
Schwanenstadter Fund, in: Das Museum im Llnzer Schloß, Festka- 
talog1963,S.14911.;O11rled Kastner 7 Eenno Ulm, Der Schwanen- 
stadter Fund, .Schloßmuseum Linz, Filhrer durch die Sammlun- 
gen, o.J., S. 189 
Scrlützenwesen: 
Georg Gruil, Linzer Schützenfeste im 16..Jahrhundert, in: Histori- 
soiies Jahrbuch der Stadt Linz 1955, s. 292, 294, 302, 305 
zirrrrsalrge; 
Karl Ginhart, Die Kaisergruft bei den PP. Kapuzinerrl in Wien 
(Österr. Kunstdenkmaler 2), 1925, s. 2s ; Eberhard Kusln. ole Kai- 
sergruft bei den FP. Kapuzinern in Wien, 1949; Pi. strebinger, Die 
 
konnten sie Ihre gestaltenden Fähigkeiten zeigen. 
DaB sie den anderen Künsten dienten und bei- 
spielsweise die großen Zinnplatten für barocke Al- 
tarbilder schufen - der Zinngießer H.G. Diepolt 
für das Hochaltarbiid Tobias Pocks im Stephans- 
dom 1640 -, sei wenigstens erwahnt. Nur in einer 
kurzen manieristischen Phase entstanden in 
Nürnberg und an anderen Orten nach französi- 
schem Vorbild überladene Edelzinnarbeiten, sonst 
stellten die Zlnngießer nicht Luxusprodukte her 
wie die Goldschmiede, sondern gutes Gebrauchs- 
gerat, soiid in der Ausführung, klar in der Form, 
einfach in der Verzierung. Vielleicht sind es diese 
Eigenschaften, die den verwöhnten Menschen un- 
serer Zeit diese Relikte weit höher schatzen laßt 
als es bei den Vorfahren der Fall war. 
Zinnsammlungen in Österreich 
International bedeutende Stücke sind im Österrei- 
chischen Museum für angewandte Kunst in Wien 
und im Joanneum in Graz zu finden, heimische 
Beispiele verwahren die verschiedenen Landes- 
museen in den Landeshauptstadten, dazu kom- 
men die Stadtmuseen und (mit Einzelstücken) fast 
alle Heimathauser. Umfangreichere Sammlungen 
verwahren das Benediktinerinnenstift Nonnberg, 
die Stifte Kremsmünster, St. Florian und Wilten 
(Sammlung Fl. Hinterwipflinger), ferner Mattsee. 
Bedeutende Stücke verwahrte die 1930 versteiger- 
te Sammlung Dr. Albert Figdor, immer mehr konn- 
te Dr. Karl Ruhmann (+ 15.4.1972) seine Samm- 
lung erweitern, größere Privatsammlungen bestan- 
den in Tirol (Sammlung Dr. Karl Möser im Ferdi- 
nandeum, Sammlung Karl Traut, Schloß Branzolll 
Klausen, jetzt MünsterlWestfalen), in Oberöster- 
reich ist die Sammlung Löw (Auhof bei Perg) zu 
nennen. 
Schaden an den Sarkophagen der Kapuzlnergrult, in; Dslerr. Zeil- 
schritt 11lr Denkmalpflege 5, 1951, S. 6711.; Österreichische Kunst, 
Katalog Bregenz 1966, S. 731., Nr. 80; Rettung von Kunstwerken, Ka- 
taiog Wien-Schönbrunn 1973, S. 47 und Abb. 12, 13; Adolf Mais, Die 
Gruftbestattungen Zu St. Michael In Wien, in: Kultur und Volk, Fest- 
schrill Gugilz (Veröffentlichungen des osterr. Museums f1.lr Volks- 
kunde 5), 1954, S. 255; Benno Roth, Was weiß die Seckauer Pfarr- 
cnrnnlk über die Habsburgergrult daselbst zu erzählen?, in: Aus Ar- 
chiv und Chronik 1949, s. 301.; Gertrud Smola, Oberresiaurator 
Anton Hammer  n: Landesmuseum Joanneum Graz, Jahresbe 
richt1975,N.F.6, 1977, S. 19511. (Zinrlsarkophag Furst J.Chr. v. Eg- 
genberg) 
Orgeln: 
Nonnberg: ÖKT 7 (Martin. Ndnnberg), 1911, S. LXXX. 
Wels: Gllbert Trathnigg, Archivallsche Vorarbeiten zur Kunsttopo- 
graphie des Gerichtsbezirks Wels, 3. Teil, Wien 1968, S. 69 
Steiermark: Heiimut Federhoier, Beitrage zur Geschichte des or- 
geibaues in der Steiermark, in: Aus Archiv und Chronik 4, 1951, 
S. 2211. 
19.Jh.: Georg Brenniriger, Die Passauer Orgelbauer des 19. Jahr- 
hunderts, in: Osibairische Grenzmalken 17, 1975, s. 16711. 
Gemälde au! Zinn: 
OKT Z3 (Tielze, St. Stephan). 1931, S. 271; Cölestin Roman Rapl, 
Das Scrtotiertstllt (Wiener Geschichtsbücher 13), 1974, s. 47, es; 
Martin Kupl, Die Franziskanerklrche In Wien, Methoden und E1- 
kenntnisse der Restaurierung 1974, lnI Osterr. Zeitschrift lür Kunst 
und Denkmalpflege 29, 1975, S. 1441. und 151, Abb. 143 
Taufbecken: 
Otto Nedbel, Das Zlrtnteulbecken in der Slediplarrkircrle zu Sieyr, 
in! Unica Austriaca 3. Notring-Jartrbuch 1960, S. 13111. 
ZINNSAMMLUNGEN IN ÖSTERREICH: 
Beschreibung der Zinnobiekte in den Führern durch das osierr. 
Museum lur Kunst und Industrie (Wegweiser 1924, s. 301., Führer 
1929. s. 3511. u ,ietzt Osterr. Museum iur angewandte Kunst 
Lendesmuseen. 
Graz: Altes Zinn. Aus der Sammlung für Kunstgewerbe am Steier- 
marklscheri Landesmuseum Jnanneum (mit Lelhgaben der Stadt 
Roiienmann), Graz 1975 (mehr Abbildungen in der ungarischen 
Ausgabe Onmüvesseg a grazi Landesmuseum Joanneum gyulte 
menyebol, Iparmüveszeti Muzeum Budapest 1974) 
Klagenfurt: zurrllgelaee und ehem. Slg. Ernst Hitler von eurger, 
Das Landesmuseum für Kärnten und seine Sammlungen, Klagen- 
1ur11976, S. 121 
Linz: Brigitte Heinzl, Die Zinn- und Goldschmiedesammlung der 
kurisihistorlschen Abteilung des O0. Landesmuseums, in: Jahr- 
buch des Oberosterr. Musealverelnes 1211i, Linz 1975, S. 23311. 
Salzburg: K. v. Hadinger, Inventar der Zlnnsammlung des sladli- 
sohen Museums in Salzburg, in: Jahresbericht des städtischen Mu- 
seums Caroiino-Augusteum in Salzburg 1909, Salzburg 1910, 
S. 1711. 
Andere Sammlungen: Stllts Kremsmünsler (ÖKT 43lll, 1977,  381.), 
Mattsee (ÖKT 10, 1913, S. 31811., Abb. 318-320). Nonnberg (OKT 7, 
1911, S. 14911.), Museen Hellelri (ÖKT 20,1927,S.155l.),Schr1rdlng 
(OKT 21, 1927, S. XXlll) u. a. Zum Kremser Museum: Fritz Dwor- 
schak, Krems, Stein und Mauterrt mit dem Katalog des städtischen 
Museums in Krems a. d. Donau, 1928, S. 87 
Privetsemrnlurlgerl: 
Die Sammlung Dr. Albert Figdor, Wien, l. Teil, 1. Band, verzeichnet 
von Otto von Falke, Wien-Berlin 1930, Nr. 21011. (Mittelalter) und Nr. 
23111. (16.-1S.Jh.): Edelzinn aus der Sammlung Dr. Karl Ruhmann, 
Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck 1960; 
G. Kierdorl-Traut, Schraublleschen und Schraubkennan aus Tirol. 
in: Schlern 4a, 1969, s. 1911i. (ehern. sig. Karl Traut). 
uber die ehem. Sammlung v. Werner, wisn-wahringaOKT 2, 1908. 
s. 346, uber die ehem. sammiung Woil, Elsenstadt: OKT 24, 1932, 
S. 148 
 
  
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