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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

Das 1640 in der Cappelladei Rei in SanfEligio degii 
Orefici von G.F. Ftomaneili ausgeführte Freskc der 
Anbetung der Könige bedeutet den eigentlichen 
Abschluß in der bewegten Baugeschichte der Kir- 
che der römischen Goidschmiedezunftt. Gleich- 
zeitig verdankt das Wandgemälde gerade dem 
wechselvollen Schicksal des Kirchenbaues seine 
Entstehung, folgte es doch einer gleichartigen zu- 
grunde gegangenen älteren Darstellung an selber 
steile rlaeri (Abb. 1, 2). 
imJahr1507 gelang es denrömlschen Goldschmie- 
den, sich mit päpstlicher Bewilligung aus dem 
Verband der allgemeinen Zunft der Metallarbeiter 
zu lösen. Diese Verseibstandigung war eine Folge 
des erstarkten Bewußtseins um das eigene über 
das Handwerkliche hlnausgreifende Schaffen, 
dessen künstlerisches Wesen den vom iiartigianolt 
bestimmten Rahmen der Metaiiarbeiterzunft 
sprengtez. Am deutlichsten wird dieses neue Be- 
wußtsein um die eigene künstlerische Stellung 
durch Benvenuto Cellinl veranschaulicht. Es spie 
geit sich in seinem Leben und seinem Werk, das 
der Ktlnstiergoldschmied gegen Ende seines Le- 
bens mit einer Selbstblographle krörltß. 
Um die neu erlangte Stellung auch nach außen 
und gegenüber den anderen Zünften demcnstrie 
ren zu können, drängten die römischen Gold- 
schmiede auf die Errichtung einer eigenen Kirche, 
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die sie ihrem Schutzpatron, dem heiligen Eiigius, 
zu weihen gedachten. Diesem natürlichen Bedürf- 
niS trug der Förderer der Eiigiusjünger, Papst Ju- 
iius ll., in seinem Stadterneuerungspian Rech- 
nung, indem der jungen Gilde 1509 in der von Bra- 
mante geplanten Via Giuiia die Möglichkeit für die 
Ausführung eines eigenen Kirchenbaues zugesi- 
chert wurde4. Die Verhandlungen um den Bauplatz 
zogen sich über den Tod Julius' ll. hinaus, ein Jahr 
später, 1514, waren aber die Grundstücksregeiun- 
gen so weit gediehen, daß die Durchführung des 
Bauvorhabens in greifbare Nähe rückte. Während 
dieser zähen Verhandlungen mußfen die Gold- 
schmiede wiederholt auf die ihnen zuerkannten 
Fiechte, ihre Kirche in dem nach Papst Juiius ii. 
benannten Straßenzug errichten zu dürfen, po 
chen. in dieser Zeit konnte entgegen dem ur- 
sprüngiichen Versprechen der Bau nicht mehr in 
der Via Giuiia in Angriff genommen werden, son- 
dern in dem seitlich zum Tiber führenden Vicoio 
SanfEiigio, einer Nebengasse also, die heute den 
Namen Via SanfEiigio tragt. Die Wahl des Bau- 
platzes in unmittelbarer Nähe des Tibers blieb für 
den 1516 begonnenen Kircherlbau nicht ohne Fol- 
gen, obwohl sich an dieser Steile die Reste einer 
älteren, wenn auch kleineren Kirche befanden und 
so der Platz für ein ähnliches Vorhaben erprobt ge- 
wesen sein sollte. Ständige Überschwemmungen 
Detlev Kreidl 
Zur Entstehungsgeschichte 
Giovan Francesco 
Ftomaneiiis Epiphanie 
in SanVEiigio degii 
Orefici in Rom 
1 
V n" 
f r- 
 
1 Außenansicht der Kirche SanVEligio degii Orelici in 
Horn. 
Anbetung der Könige von G.F, Romaneili in Sant'Eiigto. 
Hauptallaransicht von Mathec Perez de Alesio in Sartf 
Eiigio. 
Anbetung der Hirten von Gicvanni de Vecchi in Sant' 
EligiO 
eure 
Anmerkungen 1-9 
' c. Flornarlciit, geboren tslo in vitertie. gestorben 1662 dasclbst 
senuler ven odrneiilenine und Pietrb da cdrtena vdn grener Be- 
deuturlg ist sein Elnlluß aul die Entwicklung der französischen Ma- 
lerei, hervorgerulen dureti ZWEI Parlsaulurlthaite Halt) Füldi. Plttura 
vlterbesl di einque seedti, 1970, s 60-73 Frzirlcls Haskel, Patiens 
and Painters. A Study in ttie Relatlbrls betweerl ttie ltaiian Art arld 
sbelety in the Age et Bardque, London tesa 
2 Christoph Luitpdld Frdrnniel s EiiglD und die Kuppel der Cappeila 
Medlei stlt und ubertieleiung lli der Kunst des Abendlandes. Akten 
des 21 Internationalen Kongresses lur Kunstgeschichte irl BOrtn 
1964.51: ll,Berllrl 12:67,5 41-54 Mantredo Taluriund LUiglSalEY- 
HOC sanrEtigle degii oreliei, via cliilia, Ulla utdplen urbanistlea dei 
500, Rein 1973, s. 431439 
l Das Leben des eenverltite Cililiitl VDVI irirrl selbst geschrieben, uber- 
setzt vdn J.W. cdelne, hrsg von E Schaeller, Frarlklur11924. 
t vgl crir 1. Freininiet, aao. WO saiiitllehe Urkunden abgedruckt 
sind 
5 vgl. M. Taluri urid u. saieind, a a 0. mitausluhrlicher Llteraturarl- 
gabe und die Anrn e des Aulsatms (a Kcrbcr]. 
ß llaio Faldl, 38.0, s es, Abh 265 und 21:9. 
' Francls Haskell. a a Ci, S 53 
" vgl E Kerben Kupierstlche nach Glarilrztrlcesco Holnarlelli. lrt Gle- 
nener Beitrage zur Kunstgeschichte ll. tun. s 251i 
vgl s kereer. Beitrage zu cidvanni Francesco nerriaiielll. in cle- 
Bener Beitrage zur Kunstgeschichte III, 1915, s 191 urid Anrrl 12 
Katalog der Ausstellung ttatlan 17th centuiy orawings lrbrn Britlsh 
Private Collectterls, August 19th Seplember9lh, 1972. Edinburgh 
Festival 1972, s 37, Nr es, Abb. 90 (Die Zeichnung rrillit 399 x 
272 iriiil)
	        

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