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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

(Abb. 2) nur geringe Vergleichsmöglichkeiten zu. 
Von dem Fresko unterscheidet sich die Zeichnung 
nicht nur durch ihre seitenverkehrte Komposition, 
sondern auch durch ein völlig anderes Verhältnis 
zwischen der Heiligen Familie und den anbeten- 
den Königen, die sich gleich Hirten aus einer An- 
betung niederbeugen. Erst durch ihre lnsignien- 
kronen und mitgebrachten Geschenke wie ihr die 
Pferde bändigendes Gefolge werden sie zu jenen 
Weisen, die nach langer Suche den König der Kö- 
Darunter mußte als eines der bedeutendsten 
Feste der christlichen Religion die Epiphanie 
Anbetung der Könige aufscheinen. Somit fallt der 
Entwurf für die Epiphanie in Sant'Eligio genau in 
jene Zeit, in der Fiomanelli an den Kartons der Ta- 
pisserieserie arbeitete. Die Serie und die dazuge 
hörigen Kartons sind heute noch erhalten". Die 
Tapisserien befinden sich seit mehreren Jahren in 
der Kirche St. John the Baptiste in New York, wo 
hin sie aus dem Besitz der Familie Barberini ge- 
iangten. In Ermangelung einer Abbildung mul 
die Anbetung der Könige auf den Karton im Mi 
Nazionale in Rom verwiesen werden (Abb. 7), 
bei die seitenverkehrte Wiedergabe der Szene 
der Tapisserie zu berücksichtigen istl? Die 
stellung beschränkt sich auf die wesentlich 
Personen, im Gefolge der Könige befinden 
nur zwei Knaben, und steht damit in deutlic 
Gegensatz zur Szenerie auf der Zeichnung in 
iischem Privatbesitz (Abb. 6). Die Figurenkomi 
nige gefunden haben. Das Ambiente hingegen ver- 
rät große Ähnlichkeit zum Fresko: Die Heilige Fa- 
milie befindet sich beide Male vor einer Architek- 
tur, bestehend aus Säule und Pfeilerresten, und 
auf einem aus Quadern gefügten Podest in einer 
Landschaft, wobei die Bäume und Gräser die Rui- 
nenhaftigkeit der Architektur unterstreichen. Zu- 
sätzlich sind auf beiden Darstellungen über der 
Szene Engel wiedergegeben, ein Motiv, das auch 
auf dem Stich J. Mathams zu beobachten ist. Hier 
allerdings wird die Architektur durch ausgedehn- 
tes verfallenes Gemauer beschrieben, von dem die 
Natur schon weitgehend Besitz ergriffen hat. Der 
Stich scheint aber nicht ohne Wirkung für die Ent- 
stehung der Zeichnung gewesen zu sein, laBt sich 
doch hier das dichtgedrängte Gefolge erkennen, 
von dem das Fresko keine Vorstellung mehr gibt. 
Wenn die Zeichnung mit der Anbetung der Könige 
in Sant'Eligio degli Orefici in Zusammenhang ge- 
bracht wird, so kann es sich dabei nur um einen er- 
sten Entwurf handeln, der nicht zur Ausführung 
gelangte. Obwohl die Zeichnung bereits einige 
entscheidende Merkmale enthält, folgt das Altar- 
fresko einem anderen Entwurf. 
1637 ging die erste von Romanelll entworfene Se 
rie für die Arazzeria des Kardinals Francesco Bar- 
berini in Webe. Unmittelbar darauf gab der Mäzen 
Fiomanelli den Auftrag, für eine zwöifteilige Serie 
aus dem Leben Christi die Kartons anzufertigen"). 
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5 Stich Jacob Mathams nach der zerstbrten Anbetung 
der Könige von Federico Zuccari in Sant'Eligio. 
 
tion ist so angelegt, daß drei Viertel der Blldfli 
davon beherrscht wird, eine Monumentallsier 
der die Erzählung zum Opfer fällt. Nicht der 
der Könige, der auf der Suche nach dem neug 
renen König der Königeiß sein Ziel erreicht 
wird geschildert, sondern einzig der Momen 
dem die drei Weisen Christus gegenübertrc 
Dazu muß bemerkt werden, daß es sich hier r 
um ein Einzelbild handelt, auf dem eine Bege 
heit aus dem Leben Christi abgeschlossen d: 
stellt werden soll, sondern um einen Teil e 
christologischen Zyklus in einzelnen. dram: 
gisch gesehen, auf Höhepunkte abgestimr 
Bildern. Um die Serie als einheitliches Kunsti 
erscheinen zu lassen, war es notwendig, 
künstlerische Gleichwertigkeit zwischen 
zwölf Einzelbildern herzustellen. Dieses Ziel 
de erreicht, indem jene Szenen mit der Möglicl 
zu großem Gefolge eine Beschränkung auf 
Kern der Darstellung erfuhren, um figurenärn 
beispielsweise die Taufe Christi, eine auf zwei 
sonen beschränkte Darstellung, in ihrer Bili 
wirkung nicht zu beeinträchtigen. Bei dieser B 
benheit im Leben Christi, wo nur noch Johai 
der Täufer in Erscheinung trat, eine Zweiperso 
handlung also, konnte eine Steigerung der Bili 
kung durch Einbeziehung außerirdischer Zeu 
der Engel, erreicht werden. Ihre Anwesenheit 
dert das Gleichgewicht zwischen den einze
	        

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