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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

Buchbesprechungen Varia 
 
Wilhelm Mrazek. Künstlerpostkarten aus der 
Wiener Werkstätte (l908e1915). Verlag Galerie 
Welz Salzburg, 1977. 
Dem Untertitel "Ein Beitrag zur Geschichte der Ge- 
brauchsgraphik in Wien-t wird der Text Mrazeks gerecht, 
in dem uber die "Erfindungi- der Postkarte durch den 
Lehrer an der Theresianischen Militärakademie in Wiener 
Neustadt Dr. E. Herrmann berichtet-wird. Die Postkarte. 
die uns heute eine Selbstverständlichkeit ist, so erfahren 
wir, wurde erst 1869 als "Correspondenzkarteii im 
öffentlichen Verkehr eingeführt. Wir erfahren weiters, 
daB schon 1870, also ein Jahr darauf, bereits die ersten 
Bildkarten erschienen, Um 1900 arbeiteten denn auch 
schon viele Angehörige der Secession für diesen Bildträ- 
ger. Kolo Moser wird vor allem genannt. Mrazek weist 
darauf hin. daß auf diese Art eine sehr breite Werbung 
für die Kunst jener Zeit und in allen Schichten des 
Volkes zustande kam. Die "Wiener Werkstatte- setzte 
die Bemühungen um die Gestaltung der Postkarte 
sehr erfolgreich fort. Es gelang, bis 1916 eine Fülle 
(über 1 000 Nummern!) von Karten zu schalten, die 
zum Teil von heute sehr angesehenen Künstlern stam- 
men. 45 Farbtafeln zeigen in dem Bandchen eine sehr 
repräsentative und beispielhafte Auswahl jener Postkar- 
ten. Wir finden so berühmte Namen wie L,H. Jungnickel. 
O. Kokoschka, B. Löffler, Dagobert Peche. Egon Schiele 
und Fritzi Löw unter den Beispielen. Die Auswahl ist 
sehr überlegt getroffen, so daß die verschiedensten 
Entwicklungen und Richtungen innerhalb der anschei- 
nend geschlossenen Kunstbewegung aufgezeigt werden. 
Der vom Osterreichischen Museum für angewandte 
Kunst, Wien. herausgegebene Band ist sicher erst ein 
Anfang der Aufarbeitung einer Zeit, die voll Schwung 
und voller Hingabe an die Zukunft. an einen neuen 
Frühling im kulturellen Leben glaubte. Alois Vogel 
"Der Teppich als Kunstwerks 
Wann kann man von einem Teppich als Kunstwerk 
sprechen? 
Grundsätzlich nur dann, wenn es sich um einen schopfa- 
risch-genuinen Teppich von großer Ausstrahlung han- 
delt. Dies bedeutet, daß eine schöpferische Arbeit aus 
der ganzen existentiellen Situation entsteht. wo Freude 
an der Selbstdarstellung Wünsche. Hoffnungen und 
Bandigung der Angste und des Bösen. weltliche, mysti- 
sche und religiöse Motivation den Antrieb zur Schaltung 
eines Werkes geben. Für die nomadisierenden Völker 
ist wegen der ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmittel 
das textile Kunsthandwerk das Ergebnis - ein Teppich. 
Solange diese Voraussetzungen gegeben waren. können 
die Erzeugnisse zum überwiegenden Teil als künstlerisch 
hochwertig eingestuft werden. Mit dem fortschreitenden 
Verfall dieser Tradition. hervorgerufen durch einschnei- 
dende gesellschaftliche Veränderungen (Industrialisie- 
rung etc.), ging die Fähigkeit. sich mit den alten Symbo- 
len mitzuteilen, immer mehr verloren. Alte Teppiche 
nachzuempfinden ist zwar technisch möglich - man 
hat es auch schon des öfteren versucht - doch fehlt 
ihnen die innere Kraft. Es sind Gebilde ohne Ausstrah- 
lung. Dies ist ein wesentliches Merkmal jeder Kopie. 
Lediglich äußere Merkmale blieben übrig, wie "handge- 
knüpftu. -Musterform-- usw., und die Bezeichnung 
"echtk, die in einer Kurzformel die Faszination von 
bedeutenden Arbeiten zum Ausdruck bringt, wird be- 
nützt, um dem künstlerisch bedeutungslcsen Teppich 
der jüngeren Zeit etwas von dem Glanz der wirklichen 
Kunstwerke abzugeben. Die ursprüngliche Bedeutung 
des Prädikatas "echt" ist verlorengegangen und heute 
zu einer Bezeichnung geworden. deren Auslegung 
dahin gehend lautet. daß ein Teppich als echt angesehen 
wird. wenn er aus Wolle oder Seide, von Hand und 
in einem orientalischen Land hergestellt wurde. Anstatt 
einen Sachverhalt zu erhellen, dient dies eher zur Ver- 
schleierung. Daß damit keinerlei Aussage über die 
künstlerische Qualität gemacht wird. ist offensichtlich. 
Um sich einer Faustregel zu bedienen, kann man davon 
ausgehen, daß Teppiche aus den orientalischen Zentren 
bis zum 18. Jahrhundert künstlerisch bedeutend sind 
und Arbeiten aus den ländlichen Gebieten, besiedelt 
von Bauern und Nomaden. bis zum Teil um 1900 noch 
genuine. schöpferische Volkskunst darstellen. 
Es wird heute sehr viel vom "Teppich als Wertanlage 
gesprochen. Dazu muß folgendes festgestellt werden: 
Sogenannte "echte Teppichen. die zwar aus Wolle 
oder Seide und handgearbeitet sind. jedoch in Indien. 
Pakistan. Rumänien und Bulgarien alten Mustern nach- 
empfunden werden. denen jegliche Ursprünglichkeit 
fehlt, kann man nicht als Wertanlage bezeichnen. 
Nur ein antiker Teppich von hohem künstlerischem 
Rang wird zur Rarität und dadurch als dauerhaftes 
Wertobjekt Geltung haben. Franz Sailer 
G9 
 
m: IRNATIONALE KUNSTMESSE. 
Schweizer Mustermesse BasellSchweiz. 10-20 Uhr. 
Eintritt Fr. '7.-, nach 17 Uhr Fr. 5.- 
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Fritz Novotny 75 Jahre 
Eine der verdienstvollsten Persönlichkeiten des Wiener 
Kunstlebens, ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Novotny. der lang- 
jährige Direktor der Österreichischen Galerie. als Kunst- 
historiker und Wissenschaftler international weithin 
bekannt und geschatzt, feierte am 10. Februar 1978 
die Vollendung seines 75. Lebensjahres. Wer Professor 
Dr. F. Novotny gekannt hat, mit ihm zusammen arbeiten 
durfte, lernte in ihm einen Menschen kennen. den 
sowohl profunde Sachkenntnis wie auch eine vornehme 
menschliche Haltung auszeichnete. In reichstem Maße 
publizistisch tätig, war er in der Hauptphase seines 
Lebens als Direktor der Österreichischen Galerie über 
die Maßen verdienstvoll in seinem Wirken und in der 
Zeit der großen Bahnbrecher-Expositionen des Kulturarn- 
tes der Stadt Wien maßgeblich an deren Zustandekom- 
men, ihren Konzeptionen, ihrer Organisation in hoher 
Verantwortlichkeit beteiligt. 
Eine besondere verdiente Ehrung bereitete man zum 
75. Geburtstag des Jubilars von selten des Professoren- 
kollegiums der geisteswissenschaftlichen Fakultat 
Wien vor. In Würdigung der wissenschaftlichen Verdien- 
ste des Geehrten sollte ihm in einer akademischen 
Feier am 9. Februar 1978 die Erneuerung seines Doktor- 
diploms auszeichnen. Mit dieser Ehrung. die auch 
die 50. Wiederkehr des Promotionstages von ac. Univ.- 
Prof. Dr. Fritz Novotny bedeutete, war die Überreichung 
einer Festschrift. bestritten von einer Anzahl honorabler 
Autoren, verbunden. Wir schließen uns allen Glückwün- 
schen und Gratulationen mit ad multos annos herzlichst 
an. l.n. 
Salzburg, neue Abteilung im Museum Caro- 
lino Augusteum 
Nach der Freimachung geeigneter Raume im histori- 
schen Bürgerspital in der Salzburger Altstadt hatte 
das Salzburger Museum Carolino Augusteum dort 
eine eigene Spielzeugsammlung eingerichtet. die am 
25. April 1978 feierlich ercffnet worden ist. Grundlage 
dafür war die Stiftung der Sammlung Folk an das Mu- 
seum (vgl. Heft 1541155, S. 84435); "Alte und moderne 
Kunst- wird über die neue Abteilung ausführlich berich- 
ten. 
Schallplatte "1200 Jahre Mattsee-i 
Am 9. Dezember 1977 wurden aus der Reihe "Sal 
Salzburg- des Unternehmens "Dokumentation un 
Zeita (4020 Linz. Untere Donaulande 20) die erste 
Exemplare der Schallplattenkassette "1200 Jahre 
see-r überreicht. In Zusammenarbeit mit dem ORF 
Salzburg gelang dem Salzburger Diozesanarchive 
Dr. Hans Spatzenegger eine eindrucksvolle und k 
risch wie historisch bedeutsame Repräsentation t 
12DOjahrigen Geschichte des ehrwürdigen Kollegl 
und seiner Kunstschätze. (Vgl. auch Heft 153, S, 1 
dieser Zeitschrift). 
19. Schweizer Kunst- und Antiquitäten 
Basel 
Knapp vor Eroffnung der 3 Salzburger Kunst- uni 
Antiquitatenmesse hielt man vom 9. - f9, März 19 
die 19. Schweizerische Kunst- und Antiduitatenmi 
in der Halle B der Schweizer Mustermesse ab. im 
einer ausgleichenden Gerechtigkeit versucht man 
in Basel. zahlreichen wartenden Mitgliedern der k 
handlergilde neue Platze frei zu machen. So konr 
man erweiternd von 51 Ausstellern im Vorjahr die 
im Jahre 1978, bereits 55 Aussteller etablieren. Di 
wirkte sich im speziellen durch ein erstklassiges l 
antiker Kunst, rustikalen Kunstgewerbes und Helv 
verstärkt aus. Das Weltunternehmen H.P. Kraus-T 
son (New York) nahm auf dieser 19. Basler Messe 
ersten Mal teil. Bei Abfassung dieser Zeilen erfuh 
man. daß die Wintersaison 1977178 den schweize 
Auktionaren gute Ergebnisse brachte, was Verans 
und Teilnehmenden der heurigen Messe Grund z 
Freude und Optimismus gab. Wie immer zum Sct 
der Käufer von Antiquitateri, befand auch hier ein 
qualifizierte Jury die angebotenen Objekte auf Qi 
und Echtheit. Alle Garantien fur ein gesamt gutes 
gen waren somit gegeben. Der Stand für den juni 
Sammler, das ist erfreulich, ist hier bereits feste l 
tung geworden. Jungeren Leuten sollte fur wenig 
die Moglichkeit zum Erwerb qualitatvoller Werke 
ben werden.
	        

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