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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

vangelium. sondern orthodoxen liturgischen Tex- 
an. Zwischen den drei Engeln und dem Satan aber 
leht Michael, den Befehl Gottes auszuführen, wo- 
urch eine gedankliche Verbindung zur frühesten 
chöpfungsgeschichte des Engelssturzes und der 
olle des Erzengels in das Bild einbezogen wird. 
r dieses großangelegte System von Erlösungsakt 
nd befreiender wie besiegenderErlösungswirkung 
ind Phainomena- Erscheinungen Christi nach der 
uferstehung - wie auch Zeugnisse der Auferste- 
ung hineinkomponiert: 
echts unten im Bild: "Es erschien der Herr seinen 
üngern auf dem See Tiberias, während sie Fische 
ngen." Petrus sprang dabei ins Wasser. um Chri- 
tus zu erreichen. Diese Szene wurde nach Berich- 
en bereits im 6. Jh. in der Apostelkirche von Kon- 
tantinopel abgebildet. Auf der linken Seite sieht 
nan die Frauen am leeren Grab nach der mittelby- 
antinischen lkonographie des 11.Jh.s. nur von 
wei auf drei Frauen erweitert. darüber das Grab 
roch einmal: wPetrus ging herein und sah nur das 
"uchr- nach frühbyzantinischer lkonographie zu- 
nindest des B. Jh.s. Rechts von Christus die Em- 
naus-Mahl-Szene, die aus der frühmittelalterlichen 
Buchmalerei bereits bekannt ist, und links oben den 
'homaszweifel: hEs überzeugte der Herr den Heili- 
ien Apostel Thomas durch seine allerwerten Rip- 
uen." Die theologisch höchst bedeutsame Tomas- 
szene gehört zum ältesten Bestand der christlichen 
Bilder, lhre lkonographie ist seit einem Sarkophag 
ron S. Celso in Mailand aus der 2. Hälfte des 4. Jh.s 
)elegbar. 
Jbwohl Pseudo-Bonaventura (nach einem Manu- 
skript im Britischen Museum datiert 1422) sogar 
Iierzehn solche Phainomena angibt. sind diese in 
hrer Anordnung wohl überlegt. Denn die Erschei- 
wung am See Genesareth trifft die Jünger in ihrer 
bisher gewohnten Umgebung und Tätigkeit. Die 
zweite und die dritte Szene gelten der Feststellung 
und Erforschung der Tatsache der Auferstehung. 
Die Emmausszene stellt die Erkennung durch die 
Wiederholung des Vorganges beim Letzten Abend- 
mahl durch die Segnung des Brotesdarund schließ- 
lich derThomaszweifel die Überwindung des letzten 
Restes von Zweifel. So ist die Auswahl der Szenen 
durchaus überlegt und schließt sich mit dem Kern 
der Ikone: der Erlösungstheologie. zu einer großen 
Einheit zusammen. Vollendet wird der Kreis durch 
das Bild am oberen Rand: Christus neben dem Vater 
in den Wolken des Himmels. 
Das theologisch-spekulative Programm der Phai- 
nomena geht auf Pseudo-Bonaventura zurück. Die 
Abfolge von der Anastasis bis zur Hetoimasia aber 
3 Phainomena-Anastasis. Ausschnitt: sDer auferstanden: 
Christusw. 
4 Phainomena-Anstasis. Ausschnitt: -Erscheinung Christi 
am See Genesarethu. 
Für die Lesung der Begleittexte danke ich Herrn 
Pfarrer Dzerowycz-Ostheim. 
Literatur 
Wulff, 0. Semrnarium Kondakoff, a, 1929. s. 27. Tal. 7 
Likhacev. rr. Abb. 423-6 
Onasch, Ikonen 19er, s. 40a 
Lexikon der christlichen lkonographre. 1910, am Sp sesrr und au. 11. 
Sp. azsrr 
SchillenG lkonographrederchristlichenKunst,B43, r97r,s 21.21. 
san. 531., und 10a 
Katalog: Kunst der Ostkirche, Herzogenburg. 1917. s 321 und 205. 
kennt man von den großen Bildern desJüngsten Ge- 
richtes. wie etwa w in dem besten erhaltenen Bei- 
spiel - in dem Mosaik der Westinnenwand von Tor- 
cello. Alles das aber mit den beiden "Bögenß der Er- 
lösung der Gerechten und der Entmachtung des 
Bösen zu verbinden. ist das Werk der spätesten 
Stufe byzantinischer lkonographie. Erst die russi- 
schen Ikonen der Spätzeit bildeten diese voll aus. 
Somitsind derartige lkonen auch ein Zeichen für die 
Situation später ostchristlicher Theologie und 
Frömmigkeit. 
Stilistisch ist das Bild wohl der Malerschute von Pa- 
lech zuzuordnen. Die merkwürdige künstlerische 
Enklave dieses Dorfes wurde mit ihren sehr zart und 
elegant gemalten Werken in ihrer ersten Schaffens- 
zeit im 17. Jh. von der strengen Orthodoxie als allzu 
frei abgelehnt. Später aber wurden die Werke von 
Palech strenger und die Orthodoxie freier, und so 
nahmen die Werke von Palech trotz ihrer Freiheit ih- 
ren Platz doch als orthodoxe ein. Sie aber zeigen 
eine hohe malerische Qualität durch die Feinheit ih- 
rer Zeichnung, wofür besonders die Szene mit Chri- 
stus am See Genesareth ein gutes Zeugnis ist. Aus 
allen stilistischen Details folgt eine Datierung der 
Ikone auf die Zeit um 1700. Die spekulative lkono- 
graphie wie die qualitätvolle zarte malerische 
Durchführung sind Ergebnisse der stark meditati- 
ven Einstellung, die neben der Verehrung und dem 
Gotteslob eines der wesentlichen Elemente ortho- 
doxer Frömmigkeit ist. 
U Anschrift des Autors: 
W. Hofrat Univ.-Prof.DDr. Gerhan Egger 
Direktor der Bibliothek 
und Kunstblättersammlung 
des Österreichischen Museums 
für angewandte Kunst 
Stubenring 5 
A-101O Wien 
19
	        

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