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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

Franz Wagner 
Simon Baldaufs Schränke in 
der Salzburger Domherren- 
sakristei und die vBoullerr- 
Uhr Erzbischof Firmians 
Den Abbildungen 1-6 liegen Neuaufnahmen durch Herrn 
Herbert Ullmann von der Landesbildstelle Salzburg zu- 
gründe. 
1 Salzburg. Dom. Domherrnsakristei. Einblick in den In- 
nenraum nach Südosten. 
Anmerkungen 1-19 
' Franz Windisch-Grestz. Barocke Möbelkunst in Österreich (Über- 
blick und Forschungslage - Die Mobel des Stiftes sl. Florian). in: 
sankt Florian. Erbe und Vermächtnis (e Band 10 der Mitteilungen 
des Oberdsterreichischen Landesarchivs). Llrll 1971. s. 346-396. 
1 Zum Problem der Inventarisation des Kunsthandwerks vgl.: Theo- 
der Müller. was erwartet die Wissenschaft von der Kunstdenkma- 
lermventarisationT in. Deutsche Kunst und Denkmalpflege. 1960. 
S. 66-69. 
1 Auch hier wird die Hegel durch Ausnahmen bestätigt. etwe durch 
einige der Arbeiten von Nora von Watteck: a) Gesohnitztes stein- 
hOCkhDrn - Ein vergessener Zweig des Salzburger Kunsthand- 
werks. in: Alte und rnederne Kunst. 7. 1962. Heft 59159. s. 27-91; e) 
Salzburger Maliwerktruhen. in: Alte und moderne Kunst. 14.1969. 
Heft 105. s. 25-30; und d) Eergkristallverarbeitung in Salzburg. in: 
Mitteilungen des Gestsalzb. Landeskunde. 1121113. 1972173. 
s. 541495. 
f etwa Band 43. Teil 1 und 2. Die Kunsldenkmalerdes siines Krems- 
munstsr. wren 1977179. 
i Franz Windlsch-Graetz. Möbelkunst aus vierJahrhundartan im strrt 
Kremsmünster. in- crerniranum 777-1977. Festschrift zur 1200- 
Jahr-Feier des Stiftes Kremsmurlster (e Band 12 der Mitteilungen 
des Oberösterreichischen Landesarchlvs). Linz 1977. s. 243-279. 
ferner: ders.. Drei Spieltische (aus Kremsmunster). in: Alte und rnd- 
derne Kunst. 9. 1974. Heft 133. s. 56-57; ders.. Barocke Mobel aus 
dern StlftKremsmiinster. ebenda. 13. 1974. Heft 134. s. 1s23; ders.. 
vier kleine Tische (aus Krerrlsmunster). ebenda. 19. 1974. Heft 
1391137. s. 96-97; ders.. Kunstkammermobel aus dem Stift Krems- 
mtinster. ebenda. 20. 1975. Heft 139. s. 14-19. 
Zu den Gemälden: l-lans Tietze in. Österreichische Kunsttopogra- 
phie (im folgenden: OKT). 9. 1912. s. 2x26. 
wie Anm. s. s. 2a. 
Dazu: Johann Riedl. Archivalische Notizen. in" Jahresbericht 1959 
des vaterlandiscnen Museums CarolinoAugusteum. Salzburg 1959. 
s. a 
Da von den irn Salzburger Landesarchiv verwahrten Jahrgangen 
1735 und 1736 der Holkammarpmtokolle jeweils nur Teilbande er- 
halten sind. kann auch das genaue Datum der Fertigstellung der 
Schränke noch nicht mitgeteilt werden. 
"' OKT. 13. 1914. s. 161. 
" OKT. 10. 191a. s. 225-226; bzw. OKT. 29. 1940. s. 223. 
1' DKT. 10. 1913. S. 205; bzw. ebenda. S. 397 und 405. 
u ÖKT. 9. 1912. S. 240 und 250. 
" ÜKT. 22. 1929. S. 103. 
ß ÜKT. 10. 1913. S. 129. 
w ÖKT.12.1913.S.CXLVlurld 27. 
w Franz Martin. Quellen zur GBSCNCNQ des Salzburger Kunsthand- 
werks. in: Altes Kunsthandwerk. I. 1927. S. 51-72 und 133-140. hier 
s. 133. 
" Dazu willibeld l-leuineler. Der nandsenrmliene Nacnlaii Dr. Leo- 
peld Spalzerieggers. in: Mitteilungen der Gesrsalze. Landeskun- 
de. 21. 1991. s. 143-146. 
" Nidnt -Klosleruu bei Eger". wie talscnlien im Katalog des Salzbur- 
ger ndmrnuseums (vgl. Anm. 21) vermerkt ist. 
r-Für die Geschichte der Möbelkunst eines Landes 
ist es unerläßlich. von datierten Werken auszuge- 
hen. Die Erfassung zeitlich fixierter Arbeiten ergibt 
das Grundgerüst für eine chronologische Ordnung. 
die den Ablauf und die Aufeinanderfolge dereinzel- 
nen Stile wiedergibt. Die Feststellung derartiger. als 
exemplarisch zu bezeichnender Stücke wird nicht 
dem Zufall überlassen bleiben dürfen. Man wird sich 
im Landedanach umsehen müssen. wo jeneZentren 
zu finden sind. in denen immer oder doch wenig- 
stens zu gewissen Zeiten in hervorragender Weise 
die Voraussetzungen dafür gegeben waren. um eine 
Möbelerzeugung von Rang und Bedeutung auf- 
kommen zu lassen und zu fördernd- 
Diese Sätze. mit denen Franz Windisch-G raetz 1971 
einen grundlegenden Aufsatz über die eBarocke 
Möbelkunst in Österreich-J begonnen hatte. haben 
ihre volle Gültigkeit für die Geschichte des Möbels 
im ehemaligen Reichsfürstentum und Erzbistum 
Salzburg. Zwar ist in Salzburg - als dem einzigen 
Bundesland des heutigen Österreich - der gesamte 
überlieferte Bestand an historischen Kunstwerken 
in den Bänden der Österreichischen Kunsttopogra- 
phie verzeichnet und beschrieben worden. Aberaus 
mancherlei Gründen. die hier nicht erörtert werden 
sollen. wurde dabei vielen Werken der i-artes mino- 
resi-z nicht die ihnen gebührende Beachtung und 
Sorgfalt gewidmet - eine der Folgen davon ist. daß 
die (Arbeiten internationalen Ranges aufweisende) 
Entwicklung des Kunsthandwerks in Salzburg zu 
den auf weite Strecken hin unerforschten Bereichen 
der europäischen Kunstgeschichte gehört". Da je- 
doch die neuen Bände des österreichischen Inven- 
tarwerkesf gerade durch die Mitarbeit von Franz 
Windisch-Graetz. unter Zuhilfenahme ergänzend 
edierter Aufsatzes auch alle Möbel sorgfältig be- 
schreiben und abbilden. darf-sozusagen als kleiner 
Nachtrag zu dem 1912 erschienenen Band "Die 
kirchlichen Denkmale der Stadt Salzburg-r - auf ein 
derart exemplarisch zu bezeichnendes Hauptwerk 
der Möbelkunst in Salzburg näher eingegangen 
werden; aufbauend auf dem zugehörigen Quellen- 
material kann dadurch auch aufandere Arbeiten des 
Meisters dieser Möbel hingewiesen werden. 
Im Zuge des vollständigen Neubaues des Salzburger 
Domes im frühen 17. Jahrhundert wurden zwischen 
der Ost- und der Süd-(beziehungsweise Nord-J 
Konche. die Außenfassaden der Seitenschiffe wei- 
terführend. zweigeschossige Sakristeibauten er- 
richtet: im Süden die Domherrnsakristei mit der 
darüberliegenden Paramentenkammer, im Norden 
Pfarrsakristei und Wachskammer. Allen Wänden der 
sich über fast quadratischem Grundriß erhebenden 
Domherrnsakristei sind zu zwei Dritteln ihrer Höhe 
durchgehend wandfeste Schränke mit geraden 
Fronten vorgebaut. Alle sichtbaren Teile weisen eine 
gute Marketerie auf (darüberwie überdie Beschläge 
wird noch zu sprechen sein). alle lnnenteile und La- 
den bestehen aus englischrot gestrichenem Weich- 
holz. Ein profiliertes Gesims teilt die oben durch ein 
kräftig ausladendes Gebälk abgeschlossenen 
Schrankwände horizontal in zwei Geschosse. ge- 
kuppelte Pilaster sorgen für vertikale Gliederung. 
Der untere Mittelteil der Nord-. Ost- und Südwand 
entspricht der in den Sakristeien dieser Zeit ge- 
bräuchlichen "Anrichten", in der Mittelachse dar- 
über befindet sich je ein zeitgenössisches Olgemäl- 
des. das an der Nord- und Südwand jeweils von ei- 
nem frei skulpierten. vergoldeten Wappen des Erz- 
bischofs Leopold Anton Freiherrn von Firmian 
(1727-1744) überragt wird. Die Westwand ist etwas 
abweichend ausgeführt; ihre Seitenflügel. ebenfalls 
in zwei Geschosse geteilt. enthalten flache Schrän- 
ke. außerhalbder Mittelachse. flankiert von je einem 
durchgezogenen Pilaster. war die durch das Bau- 
werk bedingte Rundbogennische mit der rechtecki- 
gen Haupttü re zu gestalten. Anläßlich der Restaurie- 
rungsarbelten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 
vor den Schränken der Nord-. Ost- und Südwand 
über dem Marmorpflaster hölzerne Podien einge- 
fügt und der in der Mitte stehende Tisch durch einen 
marmorverkleideten Speicherofen ersetzt. eDie 
Schränke wurden 1733-1736 vom Hoftischler Simon 
Thadde Baldauf gearbeitet (Hofbauamt, 1733)'.4 
In den im Salzburger Landesarchiv verwahrten 
eHofbauamtsakten-r des Jahres 1733 befindet sich 
ein Schreiben der Hofbaumeisterei vom 28. Oktober 
1733 an die Hofkammer; daraus geht hervor, daß 
schon unter der Regierung des Erzbischofs Franz 
Anton von Harrach (1709-1727) "wegen Machung 
neuer Thumb Sacristey Cästen der Hoftischlermai- 
ster Simon Baldauf einen Riß und Yberschlag per 
5450 fl. verfassete hatte. die Ausführung aber der 
hohen Kosten wegen "in suspenso gelassene wor- 
den war (vgl. D 13). Auf Grund der mehrmaligen Vor- 
sprachen und Gesuche der Domkustodie beschloß 
die Hofkammer am 1. Dezember 1733, Baldauf für 
dieses Vorhaben 4000 Gulden anzubieten (D 14); 
falls er dies aber ninnerhalb 14 Tagen nit acceptin 
und annimbt. man sich eines anderen bedienen wol- 
lee. Am 13. Dezembererklärte sich dann Baldauf be- 
reit, für die angebotenen 4000 Gulden "die Thumb 
Sacristey Cässten seinem gemachten Fliß gemeß in- 
nerhalb drithalb Jahren zuverferttigen-i (D 15); nach 
dem Hofkammerbeschluß vom 22. Dezember 1733 
sollte deshalb "mit ermelt demselben ein ordentli- 
cher Contract aufgerichtrr werden (D 16). Trotzdem 
dieser Kontrakt verschollen ist und die Zahlamts- 
journale der Hofkammer in den fünfzigerJahren des 
19. Jahrhunderts der Papiermühle Lerigfelden zum 
Einstampfen übergeben wuden". kann an der Aus- 
führung der bestehenden Sakrisfeiausstattung 
durch Baldauf kaum gezweifelt werden? 
Aus den in den Bänden der Österreichischen Kunst- 
topographie veröffentlichten kurzen archivalischen 
Notizen können außerdem folgendeArbeiten Simon 
Baldaufs nachgewiesen werden: 1723 fertigte er 
Zehn Türen "samt Verkleidung und Futtere für 
Schloß Mirabell anm. 1717 die im 19. Jahrhundert 
abgebrochenen Hochaltäre der Pfarrkirchen von 
Hof und von St. Johann im Pongau". 1720 bezie- 
hungsweise 1721 Seitenaltäre in Faistenau und Ma- 
ria Bühel". in den Jahren zwischen 1720 und 1727 
die vier "Fakultäten-Altäre in der Salzburger Kolle- 
gienkirche". ein den dreißiger Jahrene den 1897 
abgebrochenen Hochaltar in Mariapfarr". 1738139 
Hochaltar und Kanzel in der Stiftskirche Seekir- 
chen'5 und 1741 einen neuen Altar beim Fiupertus- 
grab in der Stiftskirche St. Peter in Salzburgm (wo- 
bei es sich selbstverständlich jeweils nur um die an- 
teiligen Tischlerarbeiten handelt). 
Bei den Archivalien für die Altarbauten in St. Johann 
im Pongau und in Mariapfarr ist ausdrücklich ver- 
merkt. daß diese nach nFliß und Visierungii des Si- 
mon Baldauf gearbeitet wurden. Denkt man dazu an 
den erwähnten Entwurf für die Domherrnsakristei 
und an die Vertragsstelle bei der Werkstattü bergabe 
von 1743 (D 18). seinem Nachfolger emit Rath und 
Zaichnunge weiterhin behilflich zu sein. so kann nur 
gehofft werden daß die in nächster Zeit unumgäng- 
lich notwendige Suche nach diesen verschollenen 
Blättern positive Ergebnisse und damit nähere Auf- 
schlüsse über Baldaufs Zeichenstil erbringen wird. 
Neben diesen Daten hatte Franz Martin 1927" in 
seiner Veröffentlichung der von Leopold Spatzen- 
egger erarbeiteten" Meisterlisten den Erwerb des 
Salzburger Bürgerrechts 1713 für Simon Baldauf 
mitgeteilt (vgl. auch D 5-D 7). Im gleichen Jahr gab 
Baldauf in seinem Ansuchen um Aufnahme in die 
Salzburger Tischlerzunft an, daß er jede Tischlerar- 
beit auf die ansehnlichste Art und Gestalt machen 
könne, nitem auch geschatieret Egerische Arbeith-r 
(D 9). Aus der Eintragung von Baldaufs Hochzeit im 
Trauungsbuch der Salzburger Dom- und Stadt- 
pfarre (D 4) geht eindeutig hervor. daß er- damals 
noch Bürger seiner Heimat Au am lnn"'-vor seinem 
Aufenthalt in Salzburg in Eger wohnhaft war. Viel- 
leicht läßt sich deshalb einmal - was derzeit durch 
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