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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

8 Salzburg, Residenz (Leihgabe des Kunsthistorischen 
Museums Wien); Prunkuhr mit Wappen des Erzbischofs 
Firmian, das Gehause m Boulle-Technik; gesamte Hohe 
117 cm, gesamte Breite B1 cm. (Foto: Archrv der Schloß- 
verwaltung der Resrdenz Salzburg.) 
die nVerleihung der Hofarbeit-i. gab Baldauf, wie 
schon erwähnt. an, daß er r-von Kloster Au aus Bay- 
ern gebürtige ist und sein Handwerk wso woll bey 
meinem Vater, so daselbst bey dem Cioster Hof- 
dischler ist, als sonsten in der Wanderschaft:- erlernt 
hatte (D 3). In den Taufbüchern der Pfarre Au am 
lnn" scheint der Name Simons wie der seiner Eltern 
nicht auf. Nachforschungen in den rrBriefprotokol- 
ienu (: Noteibüchern) des 1803 aufgehobenen Au- 
gustinerchorherrenstiftes Au am lnn ergaben, daii 
es in Bachham bei Loibersdorti" im damaligen Ge- 
biet der Pfarre Schnaitseess ein r-Paidaufgutu gab. 
das im 17. Jahrhundert "zum Herrn-Sütz Loiber- 
storft, respective aber alhero zum Closter Au aigen- 
thümlich gehörig" war (D 1 und D 2). Da die Matri- 
kelbücher des 17. Jahrhunderts der Pfarre Schnait- 
see aber seit dem letzten Weltkrieg verschollen 
sind", kann einstweilen nur vermutet werden, daß 
die Familie Simon Baldauls von diesem wnamenge- 
bendena Hof bei Schnaitsee abstam mte. Simons er- 
ster Lehrherr war also sicher sein Vater Heinrich 
Kaspar Baldaui, der wahrscheinlich die 1691 da- 
tierten Sakristeischränke des ehemaligen Chorher- 
renstiftes Au geschaffen hat". 
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Als Simon Baldauf, von Eger kommend. 1706 beim 
Salzburger Hoftischler Balthasar Kölbl als Geselle 
eintrat (D 3), war er schon fast dreißig Jahre alt - bei 
seinem Tod am 7. August 1753 stand er ja in seinem 
76. Lebensjahr (D 19). Wenn man für den Aufenthalt 
in Eger selbst mehrere Jahre annimmt, verbleibt für 
die restliche Geseiienzeit nahezu ein Jahrzehnt. Daß 
Simons Vater die Begabung seines Sohnes erkannt 
hat. darf ebenso angenommen werden wie die nach 
der Lehriingsfreisprechung naheliegendste Wahl 
der weiteren Ausbildungsstätte für den jungen Ge- 
seilen. eben München". Wie aus Beschwerden der 
Zünfte im bayerisch-österreichischen Gebiet öfters 
zu ersehen ist, bildeten (sehr zum Ärger dieserZü nf- 
te) die whofbefreiten Künstler" sogar Lehrjungen 
aus"; als selbstverständlich kann gelten, daß bei 
den r-Hofbefreiten-r Gesellen arbeiteten (vgl. D 11). 
Sollte einmal ein archivalischer Zutailstund den 
Nachweis erbringen. daß Baldautwährend derJahre 
knapp um 1700 in einer Werkstatt aus dem rrKreis 
der Münchner Boulle-Meisterl- gearbeitet hat, dann 
wäre damit der Beweis für die künstlerische Her- 
kunft des Saizburger Hortischiers Simon Baldauf 
lückenlos erbracht. 
Anmerkungen 53-59 
s: PLH. P1arrvlkar P. Lothar Abend dar! ich iur seine wertvolle Mithilla 
herllich danken. 
M Loibersdorl. Dori in der 501. Gemeinde Kling. Landkreis Wasser- 
burg am Irin (Amtliches Ortsverzeichnis von Bayern, München 
1964. Sp. 237), 
u Die pdl, Gemeinde Schnaltsee gehört heute Zum Landkreis Traun- 
Stein (Amtliches Ortsvarzeichnis von Bayern. München 1954. Sp, 
222). 
5' Freundlicher Hinweis durch Diozasanarchlvar Dr. Peter von Bom- 
hard. München. 
57 Darüber wie liber GIB Verwandtschaft Simons mit anderen Tisch- 
iern aus der Familie Baldauf- etwa einem Johann Kaspar Baidauf, 
dar 1575 als Kllnsttleßhler in Relchenhall eine Farlnenkreuz fiirdie 
Ptarrklrche von Großgrnaln (ÜKT, 11, 1916. S. 121) aniertigte und 
am 29. September 1724 (Plarre Au. Sterbebuch II, 1.19) in Au am lnn 
verstarb - werde ich ausluhrlich Zu einem späteren Zeitpunkt be- 
richten. 
" Daß eine Münchner Verwandte von Baldauls Frau - die aus Neu- 
burg an der Donau gebünig war- 1713 bei Baldaut wohnte (D 1 1), 
kann ebensowenig als Nachweis lür die Schulung Baldauis in 
München herangezogen werden wie der Umstand, dai) 111a (o 1 1) 
zwei der vier Gesellen Ealdauts aus Bayern stammten. 
59 Wie das im Stadiarchiv Sällburg unter Nr. ZA 215 verwahrte Auf- 
dingbuch der Salxburger Goldschmiedezunft mitteilt. ist ein am 
13.Juni 1593 bei Benedikt Oharnauer auigedurlgeher Lehrling 
-den 21 Jullius ISQS wackh loNen und zu dem Osterdag khurnen, 
der rlit pey Urins: lrn Hanndtwercht lstu - Jones Ostertag war zu 
dieser zeil der -h0chlurstlichs Holgoldschmied- Erzbischol Woli 
Dietrichs von Hailonau (Franz Wagner. Die Lehriungenbücher der 
Salzburger Goldschmiedelunit; wird erscheinen in: Jahrssschritt 
des Salzburgar Museums Carolinc Augusteum, hier Flegest Nr. 
194). Zum Problem der Lßhrllng! bei tloibeireiten Künstiem und 
Kunsthandwarkarn vgl. auch D s.
	        

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