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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

l Aktuelles KunstgeschehenIÖsterreich 
 
Wien 
Museum des 20. Jahrhunderts 
Karl Schwanzer 
1975 wurde der große Österreichische Staatspreis dem 
Architekten Karl Schwanzer posthum verliehen. Die Aus- 
stellung. zum 60. Geburtstag des Toten veranstaltet, ging 
auf die Widmung dieses Preises zu diesem Zweck durch 
seine Familie zurück, Sie bietet einen informativen Quer- 
schnitt durch eine dreißigjährige Schaffensperiode. Mo- 
delle. Zeichnungen, Pläne und viele Fotos zeigen das 
Lebenswerk dieses Mannes. Zu nennen ist vor allem das 
Museum selbst. von dem ein Erweiterungsprojekt gezeigt 
wurde. das bei Beibehaltung des äußeren Bildes ein Ma- 
ximum an Raumgewinn bietet. zu nennen sind das Phi- 
Iips-Verwaltungsgebäude in Wien, sein bekanntestes 
Werk. das BMW-Verwaltungsgebäude in München. die 
österreichische Botschaft in Brasilia. der Österreich-Pa- 
villon in Montreal. Kindergärten und sakrale Bauten. Mö- 
bel und Beschläge sowie Fotos von Detailgestaltungen. 
etwa eines Stiegengeiänders, zeigten Schwanzers Einge- 
hen auf Einzelheiten und deren Durchformungen. Vcn 
den imposanten äußeren. die Umwelt beherrschenden 
Erscheinungen von Bauten in unserer nächsten Umge- 
bung waren Beispiele des WiFl Wien und St. Pölten und 
der Ferlmoser Zementfabrik Mannersdorf zu sehen. Der 
umfangreiche Katalog brachte neben guten Bildern ei- 
nige Texte des Architekten und Stimmen bekannter Per- 
sönlichkeiten zu Werk und Mensch. Was als Forderung. 
vielleicht Herausforderung bleibt. ist die Verpflichtung, 
in diesem Geiste weiterzuwirken. etwa ein Hauptwerk des 
Architekten. das Museum des 20. Jahrhunderts. in seiner 
idealen Verwendungsmöglichkeit erweitert zu erhalten. 
(20.4. - 28.5.197B)-(Abb.1) 
Secession 
Simplicissimus 
Die gemeinsame Veranstaltung mit dem Kulturamt der 
Stadt Wien brachte über 500 Exponate, die jene satiri- 
sche Zeitschrift dokumentierten. die im Wilhelminischen 
Deutschland scharfe Kritik am Kaiserhaus. am Militäris- 
mus. an der Polizei und Justiz übte. Das Blatt. das bis 
zum Jahre 1944 erschien, zeigte schon während des 
1. Weltkrieges Kompromissbereitsohaft mit dem soge- 
nannten waterländlschenw Denken, konnte in der Wei- 
marar Republik noch einmal wichtige soziale Fragen de- 
mokratisch zur Sprache bringen und den Gesinnungster- 
ror. der zu neuem Krieg hetzte, anklagen, nach Hitlers 
Machtergreifung wurde aber auch diese Zeitschrift 
ngleichgeschaltet-i, was auch mit einem künstlerischen 
Wertverfall Hand in Hand ging. Die ständigen Mitarbeiter, 
wie Olaf Gulbransson. Th. Th, Heine, Bruno Paul. Wil- 
helm Scholz, Eduard Thöny. Karl Arnold u.a prägten das 
Blatt des -Roten Buliie in der besten Zeit. Viele Graphi- 
ken aus der Hand dieser Graphiker waren in der gut ar- 
rangierten Ausstellung zu sehen. Der Katalog, ein dickes 
Buch. beinhaltet neben allen abgebildeten Exponaten 
wichtige Essays zum Thema. (282. -27.3.1978) - (Abb.2) 
Heinz Stangl 
Der große Raum konnte die Bilder kaum fassen. Stangl 
ist ein außerordentlich fleißiger Maler. und man hat 
durchaus nicht den Eindruck. daß die Quantität bei ihm 
auf Kosten der Qualität geht. Sein Thema ist immer wie- 
der der Mensch in seiner Leiblichkeit, meist sind es 
Frauen. die in einem Gewirr ihrer Bewegungen hier fest- 
gehalten werden. Futuristische. z.T. auch pointilis che 
Anklänge sind zu verzeichnen. Diese Arbeitsweise will 
aber sicher mehr als nur den äußeren Bewegungsablauf 
zeigen, ausdrucksstark werden Emotionen durch diese 
Technik zur Anschauung gebracht. Die verzerrte Per- 
spektive und die verfremdete Palette weisen auf innen 
geschaute Wirklichkeiten. (6. - 30.4.1978) a (Abbß) 
Akademie der bildenden Künste 
Max Weiler 
Unter dem Titel -Wie die Natura waren 35 große Tempe- 
rabilder dieses seinen eigenen Weg gehenden Malers zu 
sehen. Mit wenig in unserem Kulturkreis vergleichbar. 
könnten wir am ehesten noch in der chinesischen Male- 
rei venivandte Techniken finden. Die großen Flächen mit 
den wenigen Akzenten, die sehr zarten und oft schlie- 
renhaften, lockeren Formenbiindel. graphische Ergän- 
zungen, lassen den Betrachter viel Raum zum t-Erwan- 
dem-t dieser Bilder. Bei Verdichtungen der Farbflächan 
ist immer noch ein sehr bewegtes Gefüge festzustellen, 
ein behutsamer Prozeß der Entwicklung. der dann da 
und dort in langgezogenen Farbwischern eine stürmi- 
sche Expansion zeigt. (7.3. - 30.4.1975) - (AbbA) 
Galerie Basilisk 
Adi Holzer 
Der geborene Stcckerauer. heute in Dänemark lebend, 
40 
zeigte einmalig märchenhaft wirkende Bilder. Sicher er- 
innern diese mehr als seine früheren an Chagall, trotz- 
dem haben sie so viel eigene Substanz. so viel Holzer- 
sche Fabulierlust und eindeutig eigenständige Farbge- 
bung. deß es nur verständlich ist. daß die Bilder bald ihre 
Interessenten fanden. (2. - 31.3.1978) - (Abb.5) 
Künstlergruppe Burgenland 
9 Maler, die mit Burgenland mehr oder weniger verbun- 
den sind. Von Altmeister Klaudus ist das ruhige und in 
pastoser Malweise ausschnitthafte Stillaben besonders 
schön, J. Wankes Steinbock scheint uns für Burgenland 
etwas deplaziert. Sr.E. Ettls Aquarelle sind noch duftiger 
geworden. F. Emtl. mit Ol und Pastell vertreten. zeigt 
feine Farbnuancierungen. F. Vana stellt monochrome 
Objekte mit Gravuren aus, die an archaische Formungen 
erinnern. Feri Zotter ist, so will es uns scheinen, einen 
schönen Schritt weitergekommen. P. Pongratz hingegen 
hatte nur eine dürftige Auswahl beigesteuert. Von W. 
Baminger und ebenso von H. Schügeri waren jeweils die 
Graphiken am besten. Eine schöne Orientierung. wenn 
auch nicht gerade eine überwältigende Schau. 
(5,4,-12.5.1978) - (Abbji) 
Galerie am Graben 
Acht Keramiker zeigen Unikate 
Die Gruppeneusstellung vermittelte Eindrücke vom ke- 
ramischen Schaffen der Gegenwart in der Bundesrepu- 
blik Deutschland. Bekannte. vielfach ausgezeichnete Ke- 
ramiker reiferen Alters präsentierten ihre sehr interessan- 
ten unikalen Arbeiten: Beate Kuhn, Karl Scheid und Ur- 
sula Scheid. Gerald Weigel und Gotlind Weigel. Gorge 
Hohlt und Brigitte Schulter-Hohlt. Margarete Schott. 
W. Hofrat Prof. Dr. Wilhelm Mrazek, Direktor des Oster- 
reichischen Museums für angewandte Kunst. Wien. er- 
öffnete diese übersichtliche Schau, die einen Vergleich 
mit den Schöpfungen der österreichischen Keramik der 
Gegenwart ermöglichte. (3.-22.4.1978) 
Alte Schmiede 
Kurt Welther 
Ein neuer Name. Arbeiten, die viel versprechen. Von den 
rund 50 Blättern, Aquarellen. Federzeichnungen. Blei- 
stiftzeichnungen und Gouachen fielen besonders die 
Aquarelle und Zeichnu n auf. Die hingebreiteten 
Landschaften mit ihren Gespinsten von Strichelchen. die 
Farbtupfer. all das gab einen weiten Ausblick und tiefe 
Einblicke. all das gab viel Atmosphäre. Dabei ist, unauf- 
dringlich und doch das ganze Blatt ordnend. eine Kom- 
positionsgefüga spürbar. (22.2.-18.3.197B) - (AbbJ) 
 
Herbert Bednarik 
Fotografien eines Aufenthaltes in Schwarzafrika. Es ist 
heute wahrscheinlich keine Seltenheit mehr. daß jemand 
nach Afrika fährt und von dieser Reise Fotos mitbringt. 
Bednarik jedoch hat uns hier Bilder vorgelegt, die ganz 
was anderes als schöne Erinnerungsfotos sind. Er würde 
ähnliche sicher auch von einer Reise durch MitteI- oder 
Südamerika mitbringen. Es sind Fotos. die ein Engage- 
ment des Fotografen verraten. Es ist der Mensch. der 
Bednarik überall fasziniert. der Mensch in seiner Einma- 
ligkeit. jeder, von Leben und Umwelt geprägt, ein beach- 
tenswertes Original. ob versehrt. verunstaltet oder schön: 
Seht ihn euch an! Ein Mensch! (22.3.-9.5.1978)-(Abb.i3j 
Hans Muhr 
Vor allem waren Tisch- und Gartenbrunnen des Bildhau- 
ers zu sehen. 12 schöne. feinpolierte Steine. Aus ver- 
schiedenen Durchbchrungen quillt das Wasser und fließt 
über den in seiner Maserung durch die Feuchtigkeit be- 
sonders leuchtenden Stein in ein Becken. von wo es 
wieder durch die Öffnungen gepumpt wird. Muhr arbeitet 
schon lange an Brunnengestaltungen. nun will er dieses 
Medium auch in den kleinen Raum. den Menschen ganz 
nahe bringen. immer sind es einfache Formen, oft sehr 
der Natur nachempfunden. die mit ihren Rhythmen und 
dem Fließen des Wassers Ruhe ausstrahlen und so auch 
ein psychologisches Moment für den Raum darstellen. 
12 weitere Kleinplastiken desselben Bildhauers. die 
strenger in ihrem Formenkanon sind, ergänzten die 
Schau. (3.s.-1o.s.197a) - (Abb.9) 
Galerie Ariadne 
Heinz Stangl und Lucia Kellner 
In den oberen Räumen waren. quasi zur Ergänzung der 
Secessionsausstellung. noch 74 Exponate von Stangl zu 
sehen. hier mit wenigen Ausnahmen Kleinformate. Da 
aber auch hier alle vom Künstler ausgeübten Techniken 
vertreten waren. eine sehr informative Schau. Besonders 
kamen die Radierungen zur Geltung. Sie zeugten vorn 
gediegenen Können des Graphikers. Die Farben der Bil- 
der sind dicht gesetzt. kein weißes Fleckchen, die Gestal- 
ten drängen sich an Gestalten. Es sind die Probleme und 
Sehnsüchte junger Menschen, die hier angerissen wer- 
den, ehrlich. frisch und unbeschwert. 
im Keller gab es 35 Ölbilder der Kellner. ausschließlich 
Köpfe und Halbfiguren. Alle Bilder sehr hell gehalten, 
auch dort. wo eher ein trister Gesichtsausdruck vorherr- 
schend ist. wie in den meisten Bildern. Oft sind große 
Flächen weiß ausgespart wie bei Aquarellen. Alles er- 
weckt den Eindruck. die Künstlerin sei in dieser Technik 
noch nicht lange zu Hause. (11.4.-6.5.197B)-(Abb.3. 10) 
Galerie Modern Art 
Waltraut Cooper 
Die Linzerin studierte zuerst Mathematik und arbeitet seit 
1970 nur mehr als bildende Künstlerin. doch auch hier 
hat sie sich exakter Methoden verschrieben. Die Ausstel- 
lung in Wien beherrschten die großen perspektivischen 
Raumverspannungen. Mittels Schnüren wurde der Gale- 
riaraum selbst streng gestaltet. Verschiedene Graphiken 
zeigten den Weg zu den beeindruckenden großräumigen 
Gestaltungen. (22.2.718.S.197B) - (Abb.11) 
Galerie Kapfer in der "Wotruba-Kirche" 
Paul Meissner 
In dem großen, hellen Flaum der von Fritz Wotruba ent- 
worfenen Kirche in Mauer waren 8 große Acrylbilder Paul 
Meissners aufgehängt, die von den meisten Besuchern 
wohl als Kreuzwegbilder angesehen wurden. Das Heil- 
dunkel, in manchem an EI Greco erinnernd. paßte in den 
von den starken Betonstegen und den Lichtdurchbru- 
chen gekennzeichneten Raum des Bauwerks. Meissners 
expressive Gestalten sind aber auch in ihre theatrali- 
schen Übersteigerung ein gewisser Gegensatz zur 
Ruhe des Ouaderwerks der Baumasse. 
(i7.3.-9.4.i97B) - (Abb.12) 
Museum der Stadt Wien 
Karikatur und Satire in Biedermeier und 
Vormärz - 
Johann Christian Schoeller 
350 Exponate. meist köstliche kleinformatige Aquarelle. 
Viele Bühnenszenen bekannter Lokelstücke, zu denen 
auch sehr häufig Nestroy und Raimund gehörten. Aber 
auch karikierle Wiener Ereignisse jener Zeit waren wie- 
dergegeben, Schoeller arbeitete lange Jahre für Bäuerles 
i-Wiener Allgemeine Theaterleitung-i. für deren Stiche 
er die Vorlagen malte. Eine Ausstellung. die viele zeitge- 
schichtliche Aspekte aufzeigte und oft zum Schmunzeln 
Anlaß gab. (27.4.v4.8. 197B)- (s. Abb. 5.49) Alois Vogel 
Salzburg, 
MOKU-Galerie 
Anton Thiel 
Die erste Einzelaussteliung des jungen Malers hat ge- 
zeigt. daß er die Schulung durch Max Weiler nicht als 
Aufforderung zur Nachahmung. sondern als Anregung 
zur freien Entfaltung seiner künstlerischen Persönlichkeit 
nutzte. Thiel. der neben dem Aquarell auch die selten 
gewordene Technik der Buntstiftzeichnung vorzüglich 
handhabt, besitzt neben hohem Intellekt viel lronie und 
Witz. Seine Blätter veranschaulichen dies viel besser, als 
es der umständliche Text auf der Einladung zur Ausstel- 
lung vermochte. (5.-16.5.1978) A (Abb.13) 
Kunstverein 
David Hockney 
Die Wanderausstellung mit Zeichnungen und Druckgra- 
phik Hockneys aus den Jahren 1959-1977 hatte nun 
Salzburg erreicht und konnte im großen Saal des Künst- 
lerhauses eindrucksvoll realisiert werden. 
(19.5.- 15.6. 1978)- (S. Abbß S.45) 
Edmund Blechinger 
Der konsequente Weg des Salzburger Malers - wie er 
etwa 1972 anläßlich des 50. Geburtstages hier in einer 
umfangreichen Ausstellung sichtbar geworden ist - hat 
erneut reiche Früchte getragen. Die Arbeiten aus jüng- 
ster Zeit mit ihrer noch stärker als früher wverwittertenti 
Tonigkeit der Farbskala in den Olbildern und mit ihrer 
überlegten Strenge in den Federzeichnungen erwiesen 
Blechinger erneut als einen Künstler von hohen Graden 
abseits aller sich nach jeder Windrichtung drehenden 
Tagesmoden. (27.4.-17.5.197B). 
Galerie G. Armstorfer 
in der immer mehr aufstrebenden Galerie in der Fe- 
sturigsgasse, die sich besonders der Forderung des 
künstlerischen Nachwuchses annimmt. waren Werke von 
Wolfgang Böhm (19.4.-7.5.1978) und "Arbeiten für 1-2 
Augen-t von Heinz Günther Leitner sehen. 
(17.5. - 4.5.197B)-(Abb.14)
	        

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