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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 159)

Thematik 
Thematische Affinitäten zum Werk Boschs finden 
sich bei Pieter Breughel in frequenter und vielfältig- 
ster Weise. 
Die Welt des Dämonischen. wie sie uns im Triumph 
des Todes oder etwa im Engelsfurz begegnet. weist 
eindeutig auf Bosch; ebenso spannt sich in seinen 
religiösen Darstellungens eine Brücke zu H. Bosch. 
Der eigentliche Unterschied beider Künstler zuein- 
ander besteht indessen in der Wahl der themati- 
schen Ausdrucksmittel: Boschs Darstellung des 
Dämonischen wurzelt noch tief in der mittelalterli- 
chen Symbolvorstellung. Neben ihrem betont mora- 
lisierenden Anspruch entbehrtsie nicht einer gewis- 
sen Mystifizierung. Bei Breughel hingegen ver- 
schiebt sich der Akzent auf die Darstellung des real 
Möglichen, in derGestalt seiner Umwelt. Kraft seiner 
Empfindung und Beobachtung entfaltet sich diese 
zu einerfast unerschöpflichen QuelledesGrotesken 
und Makabren". 
Auch in der Behandlung biblischerThemen lost sich 
Breughel ganz von der teilweise noch am Typus 
des Andachtsbildes orientierten Darstellungsweise 
Boschs5. Bei ihm dominiert das Genrehafte; bei- 
spielhaft präsentiert sich uns diesbezüglich die 
Volkszählung zu Bethlehem: das eigentliche Bild- 
thema ist hier in vielerlei Hinsichteingebunden. ,.in- 
6 
2 Pieter Breughel d. A., nDie niederländischen Sprichwor- 
ter-i,1559.Ausschnitt.OlauiHolz.117 x 163 cm: bez.u.r. 
-Bruegel 1559-. Berlin. Deutsches Museum. 
tegriert". S0 bildet die HI. Familie nur einen, wenn 
auch thematisch bedeutsamen Aspekt innerhalb der 
Gesamtszenerie: zudem unterscheiden sich Maria 
und Josef in nichts von den anderen sie umgeben- 
den Personen. Als Kontrast zum Vordergrund (Tra- 
ger des Bildthemas) zeigt Breughel im Mittel- und 
Hintergrund die ganze Palette desdörflichen Alltags 
- spielende Kinder, Bauern, die ihrer Arbeit nachge- 
hen. Beide Themenbereiche werden ihrerseits har- 
monisch eingebunden in die winterliche Land- 
schaft, die das gesamte Bild beherrscht. ln diesem 
Punkt zeigt sich ganz deutlich der Unterschied zwi- 
schen Bosch und Breughel: Im Gegensatz zu Bosch. 
in dessen biblischen Themen die Darstellung des 
Religiösen dominiert. treten bei Breughel Religiöses 
und Profanes, Bildthema und Alltag in vermischter 
Form auf, wobeiderSchwerpunkt in der Darstellung 
eindeutig bereits beim Profanen zu finden ist. 
Farbtechnik und Farbwahl 
Das Verhältnis des Künstlers zur Farbe ist bei 
Breughel durch Direktheit und außergewöhnliche 
SpontaneitäU gekennzeichnet. Form und Farbge- 
bung finden in seinen Bildern zu einer komplexen 
Einheit. wobei beim kritischen Betrachter der Ein- 
druck entstehen kann, daß dieser Maler im Grunde 
gar nicht malte, sondern mit dem Pinsel zeichnete. 
Anmerkungen 3-8 
' Denken wir etwa an die Anbetung der konige oderdie Flucrit nacri 
Agypteii 
' Zuweilen DIS zum Kalrikalurhaflerl, wie beispielsweise in der 
Klilulllagurlg 
5 sierie dazu v Schubert solaerri, Hieronymus Bosch und Pleter 
Breughel der Altele m} Beitrage zur kunstgesetiietite, Franz wieli- 
tidll gewidmet. Wien l905_ s 77l 
5 vergteietinar in diesem Zusammenhang aueri durchaus die Antie- 
lurlg der Kdriige iin Schnee (1567). 
Der vollige verzietii auf VOlZeiChrtIlrtgert unterstreicht diesen Elli- 
druck von Spontaneilal. 
' c van Mander, Het scriiider-Boeck. Harlem 1604. ld 21a e. 
Ganz anders bei Bosch: hier wird die Farbe nicht 
benutzt. um auf die Form hinzuarbeiten, sie unter- 
liegt vielmehr einem Abstraktionsprozeß, indem sie 
sich vom Gegenstand lost und dadurch ihren Ei- 
genwert erhält. 
Der Unterschied zu Breughel zeigt sich insbeson- 
dere in der Art der Ausführung, die bei Bosch ein 
hohes Maß an Subtilität erreicht. Dank der Auf- 
zeichnungen Van Marlders kennen wir wesentliche 
Züge seiner Malweise. Van Mandel schreibts: 
t-Wie schon ältere Meister hatte er die Angewohn- 
heit, seine Bilder auf die weiße Tafel zu entwerfen 
und zu zeichnen und eine durchsichtige Schicht In- 
karnats daruberzulegen. Oft ließ er auch den Grund 
wirken." 
Wenden wir uns nun dem Phänomen der Farbwahl 
und Farbkomposition zu: Die Farben Boschs zeich- 
nen sich insgesamt gesehen durch einen hohen 
Grad an Transluziditat und Leuchtkraft aus. Alles 
Stofflichewird durch sie mitder ganzen Vitalität und 
Feinfuhligkeit ihres Urhebers vermittelt. Vor allem 
aber sieht Bosch die Farbe aus dem Blickwinkel der 
Gesamtkomposition. Er tendiert daher, wie sich in 
vielen seiner Gemälde zeigt, zu einer synthetischen 
Farbgebung. Um die Wirkung seiner Farben noch zu 
erhöhen, setzt er das Mittel der Kontrastierung ein. 
Mit Vorliebe operiert Bosch mit Kontrastfarben. wie
	        

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