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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 159)

sich das Faschingstreiben auf seinem Höhepunkt 
befindet. Wir erblicken typische Fastnachtszenen - 
Figuren mit ausgefallenem Kopfschmuck". davor 
ein tanzendes Paar. Gegen das ausgelassene Trei- 
ben ziehen von der rechten Bildseite die Fasten in 
Gestalt einer Frau zu Felde. die auf einem großen 
runden Tisch einen tafelfertigen Fisch hereinträgt 
(Abb. 6). 
Boschs Einfluß in der Behandlung des Themas 
bleibt in der Version Breughels präsent - dies gilt 
insbesonderefür die Bildhandlung im Vordergrund: 
ein dickwanstiger Narr auf einem Faß als Inkarnation 
des Karnevals steht einer hageren, griesgrämigen 
alten Frau gegenüber. die offenbar als Allegorie der 
Fasten zu deuten ist. 
Was Bosch und Breughel in der Behandlung des 
Themas verbindet. ist in erster Linie die komposito- 
rische Komponente - der Dualismus des Themas 
wird in Form einer betont räumlichen Abgrenzung 
zum Ausdruck gebracht. 
Im Gegensatz aber zu Bosch, der sich relativ eng an 
den Wirkungsrahmen des Themas hält. polarisiert 
Breughel in einem weit umfassenderen Sinne. Die 
detaillierte Schilderung der Fastnachtsbräuche wird 
unter seinem Pinselstrich so zu einem Spiegelbild 
menschlicher Existenz. voller Anklänge an Eigen- 
heiten und Mißstände seinerZeit. wieArmut. Laster. 
Blindheit und Siechtum - hier wird unübersehbar 
Kritik deutlich. Selbst die Architektur wird von 
Breughel in diesen thematischen Dualismus mit 
einbezogen. so beispielsweise. indem er der Kirche 
auf der Seite der Fasten das Wirtshaus auf der Seite 
des Karnevals gegenübersteht. Hier zeigt sich. wie 
differenziert Breughel Bosch empfunden und vor al- 
lem. wie konsequent er sich an ihm selbst weiter- 
entwickelt hat. Diese Einsicht unterstreicht den ab- 
soluten Anspruch auf Originalität und Individualität 
schöpferischen Wirkens. den Musper in den Worten 
zum Ausdruck bringtü: 
nWir haben die Überzeugung und sie hat sich bisher 
immer bestätigt. daß geistige Äußerungen zweier 
Menschen nicht vertauscht werden können. Es ge- 
hört zu den wunderbarsten Tatsachen. daß die An- 
lage eines Kunstwerks im Großen wie jede kleinste 
Einzelheit dem Gesetz der Persönlichkeit unterliegt 
und also jede einzelne künstlerische Äußerung das 
Kennzeichen ihrers Urhebers trägt- 
7 Pieter Breughel d. Ä., -Die Kinderspiele-x. 1560. Aus- 
schnitLOl aulHolz,118 x 161 cm; bez.u.r. -BruegeI15601, 
Wien, Kunsthistorisches Museum. Gemäldegalerie, 
Anmerkungen 24, 25 
" unter lkonologlschen Aspekten nur schwer denkbar 
M T, Musper. Untersuchungen zu Regler van derWayden und Jan van 
Eyck, Stullgar! o.J. 
C1 Anschrift des Autors 
Dr. Claus Peter Egner 
Wirichsbongardsmaße 5 
0-5100 Aachen
	        

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