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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 159)

mee und "Präparatet- abgetan. G. Weiss hat sie 
uppen zu unterteilen versucht: erstens in eine 
a der enegativ-pessimistischenu Köpfe, in 
rakterporträtsu und in eine Serie der "Lachen- 
5. Ernst Kris ist einen ganz anderen Weg ge- 
en. Fürihn waren zumTeil seelisch-psychische 
"IGBTUHQSH des Künstlers maßgebend. daß 
erschmidts Kunst einen ganz spezifischen Ver- 
genommen hat. Kris' Analysen gehen so weit, 
Aesserschmidt schließlich zum Geisteskranken 
rt wird. Dieses Resultat läßt sich nicht nur auf 
einseitige Methode der Betrachtung zurück- 
en. sondern hat ihre Ursache auch in der teil- 
a falschen Beurteilung des Quellenmaterials. 
wird bei Messerschmidt zu einer formal ge- 
ren Analyse kommen müssen. Wittkowers Mei- 
1 wiederum war etwas differenzierter und gün- 
F. Messerschmidt wurde hier in eine stattliche 
e von Künstlern gestellt, deren Geist sich zwi- 
n Genie und Wahnsinn bewegt und deren Ge- 
im Zeichen des Saturn steht. Und Wittkower 
nwhich makes it almost impossible in a case 
llesserschmidfs to draw the line between -sanet 
tpsychotic- production." Soweit einige Sätze 
kunsthistorischen Auseinandersetzung mit 
lerschmidt. 
erste wichtige Frage, die sich zum gesamten 
ire des Künstlers stellt. ist folgende: Gibt es im 
ien Oeuvre formale Ansatzpunkte, die eine logi- 
Entwicklung und Chronologie der Grimassen- 
e aus den Porträtwerken heraus erkennen las- 
Befassen wir uns gleich mit der Porträtbüste 
iofarztes Gerard van Swieten (Abb. 1). die in ih- 
Jrmalen Gestaltung und Auffassung noch ein 
ckes Repräsentationsbildnis darstellt. Formal 
er eine Betonung des Gesichtsfeldes und des 
iognomischen Zustands erkennbar. Der Blick 
nporgerichtet, aberwirkt doch düsterdurch das 
mmenziehen der Augenbrauen. Aus diesem 
lruck kann man wenigerZuversichtliches, dafür 
Franz Xaver Messerschmidt, --Gerard Van Swietenk. 
1769. Bleibüste, vergoldet, H 82 cm. Wien. Österreichi- 
sche Galerie. 
Franz Xaver Messerschmidt. -Gerhardus L.B. Van Swie- 
ten--. 1772. Wien. Kunsthistorisches Museum. 
Franz Xaver Messerschmidt, "Des Künstlers ernste Bil- 
dungll, Marmor, H 39 cm. Wien, Österreichische Galerie. 
Franz Xaver Messerschmidt, "Ein Gelehrter. Dichter-t 
(en face). Abguß. Wien, Österreichische Galerie. 
 
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mehr Unheilvolles herauslesen. Messerschmidt hat 
versucht. die Physiognomie der Person in all ihren 
Details. häßlichen und schönen Zügen zu erfassen. 
Es ist Messerschmidt sicher um die Ästhetik der 
Ausdrucksgestaltung gegangen. Nichts sollte be- 
schönigt werden. sondern es sind im Gegenteil un- 
schöne Details bewußt hervorgehoben. Hiererkennt 
man schon die Abkehr vom idealisierenden Porträt 
der Barockzeit; Wahrheit und Wirklichkeit der Dar- 
stellung stehen im Vordergrund. Damit hat sich 
Messerschmidt bereits etwas von den offiziellen 
Bildnissen (der Kaiserin und Franz von Lothringens) 
distanziert. ln einer zweiten Büste van Swietens 
(1772 entstanden!) ist der Ausdrucksgestaltung 
noch mehr Bedeutung beigemessen (Abb. 2). Das 
Haßliche ersetzt das Schöne. Der Künstler versuch- 
te, mehr als jemals zuvor auf das Private und Intime 
einer dargestellten Person einzugehen. Diese ge- 
nannten Darstellungen vermögen nämlich sehr 
schöne Zustandsbilder der Seele zu geben. Ähnli- 
che physiognomische Bildnisse kennen wir bei dem 
1741 geborenen französischen Bildhauer Jean-An- 
toine HoudonT Seine Porträtstudien zu Voltaire 
bringen das neue Porträtbewußtsein und das neue 
Menschenbild zutage. Die Erfassung der menschli- 
chen Physiognomie, des Privat-lntimen, von Cha- 
raktereigenschaften, von Temperament und Ge- 
fühlsregungen trat in den Vordergrund künstleri- 
scher Betrachtung. Messerschmidt wie Houdon ist 
es nicht allein um die Fixierung einer menschlichen 
Person gegangen, sondern weit mehr um das Fest- 
halten komplexer seelisch-psychischer Vorgänge 
des Menschen. Die Parallelität äußerer und innerer 
Prozesse und der Dualismus von Körper und Seele 
sind interessante Erscheinungen der Kunst des spä- 
teren 18. Jahrhunderts. Es könnten zur Verdeutli- 
chung der neuen Situation in der Porträtgestaltung 
sowohl weitere Werke Messerschmidts als auch die 
anderer Kunstler herangezogen werden". 
Die beiden Porträtköpfe van Swietens wurden be-
	        

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