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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 159)

I Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
 
Wien 
Secession 
Kunst in Kärnten seit 1910 
Im Rahmen des Bundesländerprogramms des Kuituram- 
tes der Stadt Wien wurde eine Auswahl der Bestände der 
Kärntner Landesgalerie. die etwa 700 Gemalde. 2.800 
Graphiken und 50 Plastiken besitzt. gezeigt. in Wien wa- 
ren davon 133 Objekte zu sehen. Die Ausstellung war 
nicht sehr übersichtlich, trennte man doch oft die Werke 
eines Autors nach unersichtlichen Gründen. Auch die 
Reihung im Katalog ist weder alphabetisch noch chro- 
nologisch vorgenommen. Wie offenbar überhaupt eine 
sehr individuelle Auswahl getroffen wurde. Erfreulich wa- 
ren einige Begegnungen mit den wesentlichen alten 
Männern der Kärntner Malerei. So war Herbert Boeckl 
mit Bildern aus den verschiedenen Epochen seines 
Schaffens vertreten. Auch von Anton Kolig konnte man 
einen schönen Querschnitt sehen. Schon Anton Mahrin- 
ger kommt jedoch zu kurz. So sah man nur ein einziges 
Aquarell und keine Graphik von ihm. Eine Platzfrage? 
Immerhin gab es 7 gar nicht so gute Exponate von Sepp 
Schmölzer. Für Wiegele wären sicher Landschaften be- 
zeichnender gewesen. Arnold Clementschitsch war mit 
3 Olbildern vertreten. Sehr willkürlich schien auch die 
Generation. die nach 1945 hervortrat. aufgezeigt. So gab 
es etwa von Johann Fruhmann nur einen einzigen Sieb- 
druck, obwohl er in Weißenstein a.d. Drau geboren wur- 
de. Ähnlich ging es der Kiki Kcgelnik und nicht viel bes- 
ser Günther Kraus. Dafür sind drei Graphiken von Arnulf 
Rainer, der weder in Kärnten geboren ist noch dort lebt. 
zu sehen gewesen. Von Karl Stark gab es je ein Bild und 
eine Graphik. Sehr gut war die Maria Lassnig mit Arbei- 
ten aus verschiedenen Perioden ihres Schaffens vertre- 
ten. Die Ausstellung bot als Ganzes ein sehr abwechs- 
lungsreiches Bild. hinterließ aber durchaus den Eindruck 
des Zufälligen und in gewissem Sinne auch Willkürli- 
chen. Vielleicht ist es auch kein Zufall. daß für den Kata- 
log kein persönlich Verantwortlicher zeichnet. 
(17. 5:25. G. 1978) - (Abb. 1) 
Branko Suhy 
Der Maler ist Jugoslawe und wurde 1950 in Marbach ge- 
boren. in Wien stellte er in der Kellergaierie 27 Graphiken 
aus. die unbedingt zu beachten waren. Es handelte sich 
um Farbätzungen und Aquatintaarbeiten. wobei Suhys 
Vokabular jeweils eher beschränkt, gewollt zurückhal- 
tend ist. Er setzt einen geometrischen Aufbau. den er mit 
kleinteiligen unruhigen Elementen füllt. Hier sind es etwa 
die kleinen Kaffeebohnen. dort Zahlen und Schriftzei- 
chen. lmmer wieder spricht uns auch das Humorige die- 
ser Blätter an, wobei schwer zu sagen ist, woraus es re- 
sultiert. Bei den eher lockeren Graphiken wird man be- 
sonders von der Handschrift des Künstlers beeindruckt. 
die sich wie Randbemerkungen, gewächsartig nieder- 
schlagen. Wir haben es hier mit einem jungen Künstler 
zu tun, von dem noch viel zu erwarten ist (17. 5.-11. 6. 
1978) e (Abb. 2) 
Galerie auf der Stubenbastei 
Ferdinand Stransky 
Die in dieser Kollektion gezeigten Bilder dieses wichtigen 
österreichischen Meisters waren noch nie in Wien ausge- 
stellt. Neben einigen älteren. die der Maler in seinem Ate- 
lier vergraben hatte, konnte man sehr viele neue Werke 
sehen. Die Motive sind gleichgeblieben, es ist der 
Mensch. seine Gerätschaften und die Landschaft. Der 
Pinselstrich ist aber ruhiger geworden, der Farbauftrag 
weniger zäh. Wer mit früheren Arbeiten vergleicht. 
könnte diese Bilder ausgeglichener bezeichnen. Alles ist 
bestimmter. die Farbe, der Strich. Letzterer wird beson- 
ders in der Graphik mit Kraft und Direktheit aufgesetzt. 
Da gibt es keine schwingende Ungewißheiten. Es ist das 
ein Eintreten für das einmal Gesetzte, auch wenn es 
nicht immer stimmt. (11. 4.- S. 5. 1978) - (Abb. 3) 
Mathias Hietz 
Der 1923 in ReisenberglNÖ. geborene Bildhauer. Initiator 
und Leiter des Symposions Lindabrunn legte hier Metall- 
plastiken vor. die er im Vereinigten Metallwerk Ransho- 
fen-Berndorf in der letzten Zeit gemacht hatte. Alumi- 
niumkörper, meist mit zentralen Baiiungen. die dann eine 
starke Ausstrahlung besitzen. waren neben einfachen. 
diskusartigen Scheiben. an Maschinen erinnernde -Mo- 
torische Formen- neben stelenartigen sperrigen Monta- 
gen zu sehen. Ganz eindeutig liegt dem Künstler mehr 
das Hunde und Zentrische. Hier stellt er uns einige Pla- 
stiken vor. die mit Formverschiebungen, Durchdringun- 
gen und Spaltungen. mit ihren Einbauchungen. Vorwöl- 
bungen und Durchbrechungen magische Faszinationen 
ausüben können. Die durchschnittliche Höhe gerade die- 
ser Arbeiten hält sich um die 40 cm. Wir können uns vor- 
stellen. daß sie etwa dreimal so groß. in präzisester Aus- 
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führung, noch weit besser wirken müßten. was aber si- 
char eine Frage der Finanzierung und der Bearbeitungs- 
mbglichkeit wird. da so große Formen kaum mehr vom 
Künstler eigenhändig durchgeführt werden können. Die 
gezeigten Arbeiten sind jedoch gerade mit der großzügi- 
gen Hilfe des Berndorfer Betriebes von Hietz in den 
Werkhallen. in engstem Kontakt mit den Arbeitern, selbst 
geschaffen worden. 
Mit dieser Schau machte der Bildhauer eindeutig einen 
weiten Schritt nach vorne. (11. 5-6. 5. 1978) - (Abb. 4) 
Galerie Ariadne 
Josef Kern 
Man konnte 36 großformatige Ölbilder des 1953 in Schie- 
fern, Stmk., geborenen. bei Prof. Wolfgang Hollegha zur 
Schule gegangenen Malers sehen. Es ist das die erste 
Ausstellung Kerns. und man fragt sich. warum er mit so 
großen Formaten beginnt, die er doch noch nicht, weder 
farblich noch kompositorisch. beherrscht. Sicher. er hat 
Humor. das wird aus den Titeln ersichtlich und ist erfreu- 
lich. Die großen realistisch gemalten Bilder erinnern in 
den Farben an Gütersloh. sie sind hart und kalt. lhre Per- 
spektive ist verzerrt. Am besten scheinen uns die Zeich- 
nungen. (B. 8.-7. 7. 1978) 
Galerie am Graben 
Edda Seidl-Reiter 
Die eher dynamischen Formen, die die Arbeiten der 
Künstlerin noch bei ihrer Ausstellung in der Galerie Basi- 
Iisk 1976 gezeigt haben, sind nun zum Teil von feierliche- 
ren Tönen hieratischer Strenge abgslost worden. Geome- 
trische Schübe werden sichtbar. Wie schon vor zwei Jah- 
ren angeschlagen. wird aber auch mit geflochtenem Hanf 
die Dreidimensionalität weiterverfolgt und sicher werden 
auch symbolische Bezüge damit angestrebt. (22. 5-3. 6. 
1978) - (Abb. 5) 
Galerie Ambiente 
Josef Hoffmann 
Es ist sehr erfreulich. daß sich eine Galerie mit solch 
günstigen Möglichkeiten. ihre Exponate an ein unbe- 
schränkt großes Publikum heranzutragen, weil sie solch 
schönen Einblick in die Räumlichkeit gewährt. gerade 
eines für die jüngere österreichische Kunstgeschichte 
so wichtigen Mannes wie Josef Hoffmanns annimmt. In 
dem Lokal wurden Architekturentwürfe, Designs. Gegen- 
stände des Kunstgewerbes ausgestellt. während in der 
großen Glasvitrine hauptsächlich Möbel zu sehen waren. 
Finden wir bei vielen Gebrauchsgegenständen zeitlos 
gültige Formen. so waren die Möbel und noch mehr das 
Design. etwa Stoff- und Tapetenmusterentwürfe, Lampen 
u.ä., mehr von den Formen des Jugendstils beeinfluBt. 
die freilich jene Hoffmann eigenen strengen Züge auf- 
weisen. 
Der vornehm gestaltete Katalog, mit Josef Hoffmanns 
Programm der Wiener Werkstätte 1903. zahlreichen Ab- 
bildungen und einer Zusammenstellung von (nicht derl) 
Arbeiten des Künstlers sowie einer Liste seiner Schüler 
ergänzten sehr wertvoll die Schau. (1 .-17. S. 1978) - 
(Abb. 6) 
Galerie Modern Art 
Gottfried Fabian 
Große. von farbigen graphischen Zeichen beherrschte 
Flächen. Es ist in jedem Bild die Spannung der Linie mit 
der der Farbe gepaart. Und diese Spannung ist es auch. 
die bei sparsamsten Einsatz der materiellen Gestaltung 
das einzelne Werk von Rand zu Rand erfüllt. Sicher. es 
ist eine kühle Atmosphäre, der wir hier gegenüberstehen, 
die bei einer Aneinanderreihung ähnlicher Bilder fast bis 
zum Übermaß gesteigert wird. die aber im Einzelobjekt 
klärend wirkt. (3.-20. 5. 1978) - (Abb. 7) 
Angelika Kaufmann 
Die Künstlerin bietet "Mutmaßungen über Personeni- mit 
Objektbildern. die Bekleidungsstücke. montiert und oft 
auch durch Bearbeitung verfremdet. zeigen. Es wird be- 
wußt gemacht. wie sehr jeder auch im Alltagskleid, im 
Arbeitsanzug maskenhaft, steif und eintönig verborgen 
ist. Graphische Nähbogen mit den von Nadel und Faden 
gezogenen Lini und Stichen geben reizvolle Auskunft 
über die Sensib t der Künstlerin. (10. 5.-17. 8. 1978) 
- (Abb. 8) 
 
 
Künstlerhaus 
Otto Rudolf Schatz 
Die Ausstellung wurde von Dr. Otto Brelcha für das Gra- 
zer Kulturhaus zusammengestellt und nun von Wien 
übernommen und durch zahlreiche Bilder ergänzt. Es ist 
die größte Schau, die bis jetzt von 0.R. Schatz gezeigt 
wurde. 1900 in Wien geboren, starb er 1961 auch hier. 
Seine Werke sind bis jetzt viel zuwenig beachtet worden, 
einzig Viktcr Matejka bemuhte sich nach 1945 um ihn. 
Diese Schau macht so richtig bewußt. welche einzigarti- 
gen Kräfte auch in der Zwischenkriegszeit in unserem 
Lande am Werke waren. Seine Öibilder, sowohl jene. die 
der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen sind, als auch die 
expressionistischen Landschaften. sind von einer ganz 
starken Aussagekraft. Frühe Frauenakte reichen durch- 
aus an die Egon Schieles heran, Besondere Meister- 
schaft erwirbt sich der Künstler im Holzschnitt. Was er 
hier leistet. ist einzigartig. Die Themen, die er anpackt, 
sind seiner Zeit entsprechend und seinen zeitgenössi- 
schen Kollegen im Durchschnitt weit voraus. Die Ar- 
beitswelt, die einfachen Menschen, die großen beherr- 
schenden lndustrieaniagen erfaßte er auf seinen Blättern. 
Noch in den exzentrischen Eroticas ist ein überlegener 
Bildaufbau tragend. (4.-30. 7. 1978) - (Abb. 9) 
Alois Vogel 
Salzburg 
Galerie G. Armstorfer 
M. Emil Toman 
x-Vertikal - Horizontal" war der Titel dieser Ausstellung 
über Werke einer "Meditativen Malerei 1977178". in der 
die Vereinfachung der Form und der Farbe i-auf die Ver- 
tikale und die Horizontale keine Flucht vor der Komplizi- 
tat der Erscheinungsformen ist, sondern aus geistiger 
Haltung entsteht". wie der Künstler selbst meinte - i-lch 
versuche die dauernden Veränderungsprozesse des -Le- 
bens- zusammenzufassen auf ein übergeordnetes hin-. 
(14. 8.-2. 7. 1978) 
Bildungshaus St. Virgil 
Friedrich Koller 
Der gebürtige Salzburger (1939) lebt nun nach Studium 
und längerem Aufenthalt in München in Laufen an der 
Salzach. Seit rund fünfzehn Jahren hat er eine Fülle ein- 
drucksvoller Werke geschaffen. die sich. schon vom Auf- 
trag her, überwiegend mit sakralen Themen befassen. 
Kollers asketische Formgebung ist keineswegs eine Äu- 
ßerlichkeit. sondern macht nicht nur bewußt, daß sakrale 
Kunst stets eines Meditationsantriebes bedarf. Sie gibt 
vor allem - in unserer Zeit keineswegs selbstverständlich 
- zu verstehen, daß das stets vorhandene Meditationsbe- 
dürfnis sehr vieler Menschen nicht nur im Fernen Osten. 
sondern, wie seit nahezu 2000 Jahren. durch die katholi- 
sche Kirche ihre Erfüllung finden kann, (7. 7.-13. B. 1978) 
- (Abb. 10) 
Museumpavillon des Kuituramtes 
Gustav Klimt 
Die wichtige Ausstellung von Klimt-Zeichnungen war 
vorher in etwas verändertem Rahmen in Wien, Klagenfurt 
und Graz zu sehen und wurde dann noch in Linz gezeigt. 
(G. 7.-10. 9. 1978). 
Kunstverein 
Bruno Gironcoli 
"Skulpturen und Gouacheni- - auch diese Ausstellung 
ist Teii einer "Tournee". die von Wien über München und 
Innsbruck nach Graz gegangen ist. Aber in der Auswahl 
der einzelnen Objekte sind diese Expositionen nicht 
identisch. Trotzdem sind sie charakteristische Aussagen 
über die Kunst Girocolis. (13. 7.43. 8. 1978). 
Galerie Academia 
Giselbert Hoke 
Der 1927 geborene Bürgerschreck der österreichischen 
Avantgarde der fünfziger Jahre braucht hier nicht vorge- 
stellt zu werden. Seln bevorzugtes Bildthema. die sit- 
zende oder kauernde Frau. ausgewogen in Form und 
Sinngehalt, ist stets neuer Ansporn zu durchdachter 
Symbolik und künstlerisch vorzüglicher Aussage. 
(4. 7.-30. 8. 1978) - (Abb. 11) 
Galerie Welz 
Hubert Berchtold 
Gouachen und Zeichnunge des 56jährigen Vorarlber- 
gers. von starker Expressiv ät und großer malerischer 
Wirkung. bezeugen den unbeugsamen Weg eines bedeu- 
tenden Künstlers. (21. 6.-23. 7. 1978) - (Abb. 12) 
Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck 
Landesmuseum Ferdinandeum 
Die Plastik des 20. Jahrhunderts in Tirol 
Anhand von 78 Bildwerken von 52 Tiroler Künstlern 
wurde eine sehr schöne Übersicht des Schaffens der
	        

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