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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 159)

Aktuelles Kunstgeschehenlösterreich 
 
namhaften Bildhauer dieser Zeit geboten. Der Schwer- 
punkt liegt auf der Wiedergabe der menschlichen Figur. 
Als Neuerer der Tiroler Plastik ist Ludwig Penz zu be- 
trachten. Rcdin und Meunier bestimmen sein Herkom- 
men. Hans Andre und Franz Santifaller. Professoren auf 
der Akademie in Wien. gaben den Jüngeren Impulse. 
Stark ist die Schule Wotrubas in vielen Arbeiten bemerk- 
bar. Einige sehr ansprechende Tierplastiken von Josef 
Kieltrunk. Claudius Molling und der llse Giacomuzzi sind 
in kleinen Bronzen erfaßt. Besonders hervorgehoben zu 
werden verdienen: Joanna Steinlechner-Bichler, Peter 
Schneider, Hanna Koller, Rudolf Wach und Anton Chri- 
stian. (s. 7-15. s. 197a) - (Abb. 13) 
Galerie im Taxispalais 
Serge Poliakoff 
Der Maler wurde 1900 in Moskau geboren und übersie- 
delte 1923 nach Paris. wo er sein ganzes Leben lang ar- 
beitete. Die Ausstellung zeigte Arbeiten. die in der Zeit- 
spanne von 1954 bis 1969 entstanden. Poliakoff. ein Mei- 
ster des abstrakten Expressionismus, gehörte der -Ecole 
de Paris- an. Die feinen farblichen Nuancierungen seiner 
mit einfachen Formen gestalteten Bildern haben einen 
starken Rhythmus und strahlen doch sehr viel Ruhe und 
Ordnung aus. (21. 3.-2a. 4. 197a) - (Abb. 14) 
Kitzbühel 
Galerie Ferdinand Maler 
Ernst Friedrich 
1951 in HalllTirol geboren, studierte der Maler bei Max 
Weiler in Wien. Wie bei seinem Lehrer ist auch bei ihm 
die Natur mit ihren Strukturen. mit Verfilzungen und 
Flechtmustern eine inspirierende Folie. Wohl sind seine 
Blätter von kräftigen Farbstrichen gekennzeichnet, die 
einen farbigen Grundakkord anschlagen. das graphische 
Element ist jedoch absolut das vorherrschende. So treten 
uns Muster gegenüber, die von einer inneren Spannung 
getragen werden. (20. 5.-22. 6. 1978) - (Abb. 15) 
Hannes Schwarz 
Der 1926 ln Angern (Stmk.) geborene Maler, der sich um 
die Gründung des Forum Stadtpark in Graz verdient ge- 
macht hat, zeigte Zeichnungen, die mit ihren kargen An- 
deutungen von Gegenständen. oft aus einem Ungewissen 
kommend, dann wieder gleichsam von einer Verschim- 
malung ergriffen. in ein Ungewisses gehend. an Wesent- 
liches in unserer Existenz erinnern. Dabei kann. bei aller 
Zurücknahme der Dimensionalität ein sehr räumliches 
Gestalten in dem feinen Strichlagen festgestellt werden. 
(24. s.-1s. 7. 197a) - (Abb. 16) 
Hans Staudacher 
Staudacher, einer der wesentlichen Wegbereiter und Ver- 
treter von abstraktem Expressionismus und Informel in 
Österreich. dessen Rolle In der Entwicklung dieser Male- 
rei in unserem Land viel zuwenig beachtet wurde. da er, 
keiner Gruppe angeschlossen. seinen eigenen Weg ging, 
stellte Bilder aus den Jahren 1955-1960 und aus den 
letzten beiden Jahren aus. Es wurde deutlich. mit wieviel 
persönlichem Engagement dieser Künstler arbeitet, wie 
sehr er seine Potenz in den Augenblick zu werfen im- 
stande ist und wie sehr er andererseits mit viel Charme 
lyrische Töne in sprühenden Farbkaskaden eufblühen 
lassen kann. (19. 7.-7. e. 197a) - (Abb. 17) 
Kärnten 
Klagenfurt I Große Galerie im Künstlerhaus 
Viktor Ftogy 
Der 1924 in Villach geborene Objektemacher gab den 
Klagenfurtern mit seinen -minimal-declerations- und 
dern Katalog manchen Anstoß. der zu Auseinanderset- 
zungen. wie weit etwas Kunst sei (noch. schon. in wel- 
cher Ebene, zu welchem Ende). führte. Spertanisch be- 
gnügte er sich mit Hinweisen. optischen Signalen. Letz- 
tere leiteten ihn offenbar auch in der Kateloggestaltung. 
(1s.-27. s. 197a) 
Paul Kulnig 
1931 in Klagenfurt geboren, studierte er bei S. Pauser 
und H. Boeckl in Wien. Hier zeigteer Frauenakte. Ein 
Thema, das er immer wieder aufgreift. Viele Blätter wa- 
ren sehr locker. Fast flüchtig hingeschlungene Linien 
verdichteten sich an entscheidenden Bündeln und lassen 
Wölbungen und Hohlungen ahnen. Bei anderen Arbeiten 
werden die Formen konkreter. zeigen kühne, ausgefal- 
lene Perspektiven. losen sich aber auch auf, wo der 
Zeichner nicht mehr mit dem Augen-Blick die Situation 
erfaßt. im Ganzen betrachtet. scheint uns Kulnig locke- 
rer. abstrahierender geworden zu sein. Ob er aber damit 
mehr sagen kann. sei dahingestellt. (2.-17. 6. 1978) - 
(Abb. 1B) 
44 
6 Kärntner Slowenen 
Ernst Arbeitstein. 1942 bei Bled geboren. arbeitet grob- 
flächig und mit gedeckten Farben. seine Motive sind ein- 
fache bäuerliche Situationen. Joze Boschitz. 1951 in Ei- 
senkappel geboren, ist da wesentlich realistischer. Gu- 
stav Janus. Jahrgang 1939. aus Rosenbach zeigte inter- 
essante Schablonfiguren. Valentin Oman. 1935. aus 
St. Stefan bei Villach ist wohl der Bekannteste der sechs. 
Er setzte hier graphische Elemente sehr spannungsreich 
in seine Bildgefüge ein. Die Zorka Weiß aus Klagenfurt 
bot Patterungen. und Johannes Zechner, ebenfalls Kla- 
genfurt, Jahrgang 1953. hatte sehr duftig lockere, fast 
an ostasiatische Aquarelle gemahnende Blätter, die sei- 
nen Lehrer Max Weiler nicht ganz verleugnen können, 
aber eine sichere Hand und gutes Empfinden Zechners 
bezeugen. (22. 6.-4. 7. 1978) - (Abb. 19) 
Villach I Galerie an der Stadtmauer 
Hans Staudacher 
Mit den Werken des 1923 in St, Urban am Ossiachersee 
geborenen Kärntner und international bestens bekannten 
Aktionsmalers wurden die neu adaptierten Räume der 
10 Jahre bestehenden Galerie in der Widmanngasse 30. 
eröffnet. Es war ein kleines Fest. zu dessen Eröffnung 
Direktor Peter Baum ein Referat hielt. das eine sehr um- 
fangreiche Sammlung von Staudachers Werken brachte 
und das, nicht zuletzt. bewußt machte. wieviel von der 
Initiative eines Mannes abhängt, der seinen Posten nicht 
nur als Beamter ausfüllt, sondern mit ganz großem inne- 
ren Engagement an der Entwicklung alles künstlerischen 
Geschehens Anteil nimmt: Adolf Scherer. Durch ihn 
wurde Villach ein Knotenpunkt im modernen österreichi- 
schen Kulturleben. die Galerie präsentierte Werke nam- 
hafter Künstler, wie sie sonst keine Galerie einer Stadt 
dieser Größe ausstellen konnte, Die Aktivitäten der Kel- 
lerbühne ergänzt sehr eindrucksvoll auf literarischem 
Gebiet diese Arbeit. (24. 4.-20. 5. 1978) - (Abb. 20) 
Johannes + Charlotte Seidl 
Das Künstlerehepaar. das auch durch seine organisatori- 
sche Tätigkeit um die Veranstaltungen wimpuls maria 
schutz- bekannt ist. erarbeitete sich einen eigenen For- 
menkanon in seinen keramischen Objekten: Brunnen. 
Schreine. Zeichen. Es sind meist umschließende Elemen- 
te. die etwas Bergendes, Weiches, Empfindsames haben 
und Ruhe ausstrahlen. (30. 5.-23. 6. 1979) - (Abb. 21) 
Florentina Pakosta 
Die Graphikerin. über die wir im letzten Heft ein ausführ- 
liches Künstlerprofil brachten. bot auch hier eine Auslese 
ihrer markanten -Gesichtsbiidungen-. Physiognomiken. 
die Ausdruck unserer Zeit geben, ein scharfes Auge und 
eine beherrschte Technik bezeugen. (15. 7.-4. B. 1978) 
Steiermark 
Graz I Neue Galerie am Landesmuseum 
Joanneum 
Loys Egg 
Objekte und Graphiken des geborenen Schweizers. Ver- 
fremdete Gegenstände aus Holz, Eisen, Aluminium. Pa- 
piermache. deren Bezugspunkte das Mythische, Archety- 
pische sein sollen. Sehr individuell. Will grundlegende 
Einfachheit. aber (nach Skreiner) keine private Mytholo- 
gie. (14. 4.-7. 5. 1978) - (Abb. 22) 
Stephan Fillitz 
4B Exponate, davon 23 Plastiken. Breitgelagerte Bronze- 
werke greifen in vielfältiger Weise Formbeziehungen zu- 
einander auf. wobei die einzelnen Teile sich miteinander 
verzahnen. sich organisch entfalten. Sehr dynamisch. 
aggressiv. Saubere Arbeit. die sich immer wieder auf den 
Menschen und sein Sein bezieht. (B. 6.-9. 7. 1978) - 
(Abb. 23) 
Oberösterreich 
Linz I Stadtmuseum Nordico 
Politische Graphik 
Die Themen sind aktuell, etwa gegen AKWs. Arzteprivile- 
gien. Neonazis. Minderheitenfeststellungen. Prügelpoli- 
Zai. Bundasneerdrill und den SP-forcierten Abbruch der 
St. Marxer -Arena-. Nach der großen Zeit der i-Foliti- 
schon Plakate- in der 1. Republik wird hier zum ersten- 
mal wieder ein Thema aufgegriffen. das auch von den 
großen und bekannten Graphikern aufgenommen zu 
werden verdiente. Freilich sind letztere heute oft so satu- 
riert. dal! sie Aufträge von Minderheiten kaum mehr er- 
reichen. (15. 5.-2. 7. 1978) 
Österreichische Architektur 1945-1975 
Eine Zeit- und Entwicklungstafel zeigte die Architel 
entwicklung in der genannten Zeitspanne thematisi 
chronologisch auf. Etwa 300 Projekte wurden in Qll 
Bildgroße gezeigt. Es war keine personenbezogene 
dern eine aufgabenbezogene Darstellung des Archi 
turgeschehens. in denen auch Utopien-Konzeptioni 
ren Raum hatten. (22. 6.40. 7. 1978) 
Arena Wien 
Fotos. Bildtexte und Collagen jener Bewegung, die 
so schwungvoll begann, zu einer hoffnungsvollen E 
entwicklung ansetzte und schließlich doch von den 
herrschenden merkantilan kapitalistischen Kräften 
rer Gesellschaftsordnung zur Strecke gebracht wur 
Noch aus den negativen Texten, wie jenen der Frat 
Angermayer. wird klar ersichtlich. wie anständig an 
dige Leute sein können. (29. 65.-27. 8. 1978) - (Abb. 
Niederösterreich 
KremslStein - Minoritenkirche 
Die China-Schau M000 Jahre ostasiatische Kunst- 
konnte im Vergleich zur vorjährigen Ausstellung in 
Krems. weit vor Schluß. einen schon weit größeren 
blikumskreis anziehen und wird sicher verlängert Vl 
den. 
Leider kann eine Besprechung der Ausstellung nicl 
folgen. da man es verabsäumt hat eine Einladung z 
zu übermitteln. 
Alois 
S 
Bundesministerium für Wissenschaf 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
Museen und Kunstsammlungen 
1978 
Das Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen In den Monaten 
Mai 186.5 
Juni 143.3 
Besucher gezählt wurden.
	        

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