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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 160 und 161)

Zeichnungen und Kupferstiche vorhanden sind. 
Zwei der allegorischen Miniaturen (Abb. 3 und 
Abb. 5) sind gering verkleinerte, aber sonst sehr 
genaue Kopien von Kupferstichen des Jakobvan der 
Heyden, die dieser für das heute selten gewordene 
emblematische Buch des Jacob von Bruck geschaf- 
fen hat, das unter dem Titel: Emblemata moralia et 
bellica, 1615 in Straßburg bei dem Stecher Jacob 
van der Heyden selbst erschienen ist" und für das 
Matthäus Merian das Titelblatt gestochen hat. 
Die eine der beiden kreisförmigen Miniaturen 
(BI. 233 v), die auteingeklebte Pergamentblätter mit 
feinem Pinsel in nuancenreicher Farbgebung offen- 
sichtlich von der gleichen geübten Hand gemalt 
sind, zeigt einen Fuchs, der inmitten einer bergigen 
Winterlandschaft über einen breiten Fluß läuft, wo- 
bei er ein Ohr auf die Eisfläche legt. Auf diese Weise 
prüft das Tier die Dicke der Eisdecke. womit er das 
Bild für das Emblem der Vorsicht, besonders des 
Feldherrn, abgibt, der nie einen Weg beschreitet. 
den er vorher nicht gründlich geprüft hat". Die an- 
dere Miniatur (BI. 236 v) zeigt einen Bärenführer mit 
Bären voreiner weiten durohsonnten Landschaft. in 
deutlichen lassen und sie in sehr kurzer Form viel 
Gedankengut vermitteln, eigneten sie sich ganz be- 
sonders für Stammbucheintragungen. Daher lag es 
für einen Drucker und Verleger nahe. ein Buch mit 
Sinnbildern und Emblemen mit Leerseiten versehen 
zu edieren, um gleichsam ein vorgedrucktes 
Stammbuch auf den Markt zu bringen. Eines der be- 
sten Beispiele hierfür ist das 1579 in Wien gedruckte 
"Ein new und künstlich schönes Stamm oderGesel- 
len Büchlein, mit dreyzehen Historien. darinnen 
hundert guter wolgestelterfiguren. sampt ihren dar- 
zugehörigen guten Fteymen erklert, allen kunstlie- 
benden dienstlich und nützlich, wie in der Vorred 
und Register zu vernehmen ist". Der Formschneider 
Hercules de Neckerw stattete es reichlich mit ganz- 
seitigen Holzschnitten aus sowie mit Rahmenleisten 
und leeren Wappenschilden für die Leerseiten. Wer 
dieses vorgedruckte Stammbuch zu einer Eintra- 
gung erhielt, konnte sich in dem Register aussu- 
chen. für welchen Sinnspruch oder welche Anspie- 
lung er sich entscheiden wollte; denn es enthält fol- 
gende Gebiete: dievier Elemente. die fünf Sinne, die 
sieben Planeten. die vier Temperamente, die sieben 
Tugenden. die sieben freien Künste, die neui 
sen, die vierJahreszeiten, die sieben Gaben de 
ligen Geistes. die sieben Laster, die zehn Lebt 
ter von Mann und Frau und schließlich die 
Apostel sowie Christus und Tod. Mit diesem 
menkreis waren alle Lebensbereiche ange 
chen. 
Haids Stammbuch ist somit eine individuelle N 
form aus vorgegebener lllustrierung und Gabe 
Freunde, Professoren und Verwandten. Aus 
Bilderschmuck läßt sich zusätzlich ableser 
fruchtbringend das Kupferstichoeuvre des t 
van der Heyden für die Straßburger Zeit ausgc 
wurde: So dienten nicht nur die von J. Brucl 
ausgegebenen Embleme als Vorlage für die b 
Miniaturen, es finden sich auch Heydens K: 
porträts der Straßburger Theologieprofes 
Isaac Fröreisen und Johannes Schmidt mit 
Eintragungen lür Hieronymus Haid aus dem 
1632 darinnen, von denen das Porträt Fröreisi 
der Platte voll signiert und 1631 datiert ist's. Vt 
hin diente fürdie MiniaturderAnsicht von Strai 
(Abb.1 ) ein von Jacob van der Heyden voll sig 
 
deren Hintergrund wie bei dem Emblem mit dem 
lauschenden Fuchs ein Heerzu sehen ist. an dessen 
Spitze sich der Heerführer deutlich abhebt. Die hier 
dargestellte Beziehung zwischen Mensch und Tier 
ist das Emblem fur die Macht derObrigkeit: Die stär- 
kere Gewalt bezwingt auch den Starken. Die Eintra- 
gungen zu den beiden qualitätvollen Miniaturen 
stammen vorn 25. März und 3. April 1633 aus Straß- 
burg. so daß es auch von daherals sicher anzusehen 
ist, daß beide Fiundbildchen vom gleichen Meister in 
Straßburg gefertigt wurden. 
Weiterhin finden sich in dem Stammbuch fest ein- 
gebunden emblematische Kupfersliche mit Darstel- 
lungen im Queroval, die zu zwei verschiedenen Fol- 
gen gehören. Zu derjenigen von 1592 mit Darstel- 
lungen der griechischen Götter gehören sechs Blät- 
ter", zu der von 1601 sind es acht Blätter mit sehr 
dekorativen Rollwerkrahmungen". Diese Stiche 
muß Hieronymus Haid von vornherein für sein 
Stammbuch ausgewählt haben, da sie nicht nur fest 
im Buchblock eingebunden sind, sondern weil es 
nurzu 4 Kuplern Eintragungen gibt, Die Themen der 
übrigen zehn Stiche hielt offensichtlich niemand 
aus Haids Freundeskreis für sehr geeignet für ein 
freundschaftliches Gedenkblatt. Geiz, die büßende 
Magdalena oder auch Venus und Amor sind keine 
wohlwollenden Sinnbilder für Freundschaft und 
Ehrerbietung innerhalb einer männlichen Gesell- 
schaft. 
Haids Idee. sein Stammbuch bereits mit einem Bil- 
derschmuck versehen herumzureichen. stammte 
nicht von ihm selbst. sondern ist ein verlegerischer 
Gedanke. Da sich Sinnbilder in Wort und Bild ver- 
14 
8 Aus einer emblematischen Kupferfolge von 1592 
9 Aus einer emblematlschen Kupferlolge von 1601 eSuper- 
biar- 
ter Kupferstich, der als Titelkupfer für eine l 
weiterer Ansichten aus der Umgebung Straßt 
verwendet wurde". Es liegt daher nahe. den I 
der sehr qualitätvollen Miniaturen im Kreise de 
Mecheln stammenden Kunstlerfamilie der val 
Heyden selbst zu suchen. 
Das Gedankengut der Emblematik, das in Woi 
Bild zum Ausdruck kommt, war besonders fü 
17. Jahrhundert eine völkerverbindende Spr. 
Das Stammbuch des Hieronymus Haid mit si 
Eintragungen in Deutsch, Französisch, Lateir 
Griechisch. Hebräisch und Ungarisch aus we 
streuten Orten in der Mitte Europas von Bür- 
chen und Adeligen" ist hierfür ein sehr zei 
sches Beispiel. 
Anmerkungen 11-18 
" Marlo Praz. stiidies in sevehleerlth-Ceniuly tmagery 2i 
Roma1964 s. zaz-Embleniata Handbuch zur siriribildkur 
xvl und xvll Jahrhunderts siuttganlem s xuxspalieai 
457. 
" Die Devise als urnschritt im Rahmen des Emblems lautet- w 
DOCTFIICE. 
'" Im Stammbuch BI i, 19. a9. 49, a7 und a5 
" im Stammbuch Bl.102,1lt?.13B,15S,174, 191.207 und 2 
seliri des Jost Negker. der als Fbrrrisehneldar im Dienste 
Maxirrllllansi stand, Thlervie-Becker xxv s 377 
" Bl. ssv und 90 r: 126V iirid 127 r 
" Arisiehieri veri Straßburg außerhalb des Fiscberlbies. quer 
Thleme-Becker. Bd. xvll s 1B keine genaue Blaitlahl an 
kann, ist die Folge offenbar sehr selten Straßbuig-Arlsii 
Germanischen Natrorlalrnuseum Nürnberg, Kupierstlchke 
(K 15691. Kapsel 138) 
" darunter linden sieh Ptalzgrai Georg ottb. von Plebersieiri 
par de clabeteeh gen, Turca. Rudolf Hilubold von ElflSi 
FrlEdlCh von Hutlen. Qllsseri. veri Hothenlols, von velnbrn. C 
Wlzal 
m Dr, Elisabeth Rucker 
Direktor der Bibliothek des 
Germanischen Natlonalmuseums 
Karthausergasse 1 0-8500 Nürnberg
	        

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