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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 160 und 161)

 
riirde. Es war ursprünglich von der italieni- 
Fiepublik in Auftrag gegeben worden, um Na- 
n mit der Aufstellung dieser Marmorgruppe in 
nd zu ehren. Durch schicksalhafte Einflüsse 
dann die Ausführung so starkin Verzogerung, 
anova erst 1819, lange nach Napoleons Sturz, 
fertig wurde. 1821 begeisterte sich Kaiser 
I. von Österreich gelegentlich eines Werk- 
esuches bei Canova in Rom für dieses Werk 
rwarb es für Wien, wo er es in einem eigens 
P. von Nobile dafür erbauten Tempelchen im 
garten aufstellen ließ. Bis zur 1890 erfolgten 
uhrung in das neuerbaute Kunsthistorische 
um, wo sie seitdem jeden Besucher vom Ab- 
ies großen Treppenhauses her begrüßt. wirkte 
usstrahlungskraft der Theseusgruppe so be- 
tend auf alle Zweige der Kunst, daß Görners 
ten - kurz nach der ersten offentlichen Aufstel- 
- symptomatisch die Stimmung der Zeit wider- 
elt. 
aren es meist sowohl an Bedeutung überra- 
a als auch dank einer spezifischen Schauseite 
iders geeignete Bildhauerleistungen dieser 
he.die Eingangin die Glasschnittkunst fanden, 
i die Umsetzung in das Medium des Glases 
oder weniger kongeniale Züge aufweisen 
te. 
 
Zu den am meisten gefeierten Denkmalen. die je ei- 
ner historischen Personlichkeit gewidmet wurden, 
zahlte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhun- 
derts das von Bertel Thorvaldsen entworfene 
Standbild von Johannes Gutenberg. das im Jahre 
1837 in Mainz errichtet wurde? Die weltweite Be- 
deutung der Erfindung des Buchdrucks mit beweg- 
lichen Lettern mag die besondere Resonanz dieses 
Monuments erklären, Da das nach dem 1832 verof- 
fentlichten Ausschreibungskonzept entwickelte 
Originalmodell Thorvaldsens bereits 1833 (Abb. 3) 
und der Bronzeguß danach von Crozatier 1836 voll- 
endet waren, könnte ein silbergelbgeätzter Pokal 
mit i-Gutenbergs Monument zu Mainz-i, der sich im 
Mannheimer Reiss-Museum erhalten hat. mögli- 
cherweise schon mit den Festlichkeiten zur Einwei- 
hung am 14.. 15. und 16. August 1837 oder zumin- 
dest mit den vielen nachfolgenden Gedachtnisfeiern 
zusammenhängen (Abb. 4). Jedenfalls kann er aus 
stilistischen Gründen kaum spater als 1840 entstan- 
den sein. Der Glasschneider, der dem Gornerschen 
Talent und Duktus sehr nahestehi und dem gleichen 
nordböhmischen Schulkreis entstammte, wahlte 
selbstverstandlich die Vorderansicht des Denkmals, 
das Gutenberg in historisierender Kleidung mit dem 
gewichtigen Druckwerk der Bibel in der erhobenen 
Linken zeigt. Es mag kein Zufall sein, daß die Form 
Anmerkungen 1-9 
Guslav E Pezaurek, Glaser der Enipire- und Bieaerineierzeii, Leip- 
21g 192a. s 70r, 372i. 
Mürlü Praz und eiuseppe Favanello, L bpere complela del Canova 
(Classici dell arte 3st. Mailand 197a. s 113. Nr. 174. 
' Pazaurek Op cit. 192a, Abb 327 
' ll1V Nr svva - Jarmiia iaibzeve, Ceske Sklo 180071850. Kunstge- 
werbernus-eunr Prag, Prag O.J (1977). Kat Nr 41 
Die Meinung, dafi es sich werirsbneiniien urri eine Arbeit Gomers 
handelt, riet bereits J. Brezove vertreten. 
ß Bertel Thorvaldsen, Ausstellungskatalog. Kunsthalle Koln, 1977, 
Kat Nr 62- H J. lmiela Das Gutenberg-Denkmal von Berlei Trier- 
valdsen in Mainz, in eeriei Thorvaldseri, Untersuchungen zu ei- 
riein Werk und zur Kunst seiner Zeit. Kolner Bericnie zur Kunstge- 
schichte, Band ll, Koln 1977. s. 367-397. 
Pazaurek, ep eii. 1923, s 71.Mai. sseiarigitte Klesse, Glassamm- 
iung Hellried Krug, er: ll, Bonn 1973. s a1. Abb. 79, Kai. Nr 740 
Suzanna Pesalova, Dominik Biemann, in Journal of Glass stuaies, 
Vll 1965 S 9B f. Nr. 13, Leider war es nicht moglith von Herrn 
Fliisrrius ein F010 zu erhalten 
" Praz und Pavanelio. op m1 1976, S 9B Nr 55. S 100 Nr B4, B5 
Abb s nach derMarmnrgruppe in derStaaliichen Ermitagß, Lenin- 
grad. 
 
4a 
dieses Pokals an ein in der Sammlung Krug, Ba- 
den-Baden, befindliches Glas erinnert, das unter ei- 
nem Ovalmedaillon mit der geschnittenen 
Madonnen-Darstellung der "Belle Jardinieret- von 
Raflael die Signatur rrGorner-i tragt'. Dieses bisher 
einzige signierte Werk Gorners ist freilich technisch 
und künstlerisch so ausgereift. daß es qualitativ mit 
dem fur lgnaz Palme 8x Comp. offenbar in einer Art 
Serie hergestellten Theseus-Motiv ebensowenig 
vergleichbar ist wie mit dem Gutenberg-Glas. Das 
Madonnen-Glas war zweifellos eine Einzelanferti- 
gung, die er eigenverantwortlich unterzeichnen 
durfte und bei der er sich zu einer Spitzenleistung 
aufgeschwungen hat, mit der er neben den besten 
Rivalen seiner Zeit bestehen konnte. 
Unter diesen Besten ist hier vor allem auch Dominik 
Biemann zu nennen, dem wir trotz seiner dominie- 
renden Vorliebe für das Porträt auch drei Glaser 
nach dreidimensionalen Bildwerken verdanken. Bei 
einem Becher der Sammlung Jurgen Rasmus in 
Hamburg" griff er auf eine der brillantesten Kompo- 
sitionen Antonio Canovas, namlich auf die Gruppe 
von Amor und Psyche zuruckg (Abb. 5 und S). Sie 
war vom Bildhauer zwischen 1787 und 1793 für den 
Colonel John Campbell. den späteren Lord Cawdor. 
ausgeführt worden, geriet jedoch dann in den Besitz 
des Generals Murat, auf dessen Schloli Villiers bei 
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