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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 160 und 161)

Österreicher Avramidis, Pichler, Prantl. Rainer 
zl Wotruba wurden angekauft, 
'7 schließlich fand in Werner Hofmanns Museum 
:h die witzige, materiaI- und geistreiche Ausstel- 
g "Kunst-was istdas?" statt. diefur unseren Zu- 
nmenhang besonders interessant ist und zu der 
:h ein vom DuMont Buchverlag, Koln, produzier- 
gleichnamiges Buch Werner Hofmanns mit zahl- 
:hen Illustrationen erschien. 
e Annahme eines grundsätzlichen Unterschieds 
ischen E-Kunst und U-Kunst (ernster und Unter- 
tungskunst) lehnt Hofmann radikal ab. Kunst ist 
nst. Leben ist Leben. "Die Kunst ist eine Künst- 
ikeit unter vielen", versichert ein in der Ausstel- 
lg (den Assemblagen unseres Curt Stenvert nicht 
ähnlich) errichteter "Garten der Künste". Auf ei- 
T1 Podest sitzt eine Schaufensterpuppe. Allerlei in 
geln, Schalen und Kanistern untergebrachte 
wstliche Produkte, auch ein großer Blumenstrauß 
s Plastik oder Papiermache neben dem Original- 
imenstilleben eines alten Meisters gehoren dazu. 
unst gibt es nicht, es gibt nur Kunste, Künstler, 
nstwerke", lautet eine Sentenz, die in der gesam- 
l Ausstellung mit Hilfe zahlreicher Objekte aus ei- 
wen Beständen. solcher des Völkerkundemu- 
ims und privater Sammlungen immer wieder 
rchexerziert und versinnbildlicht wurde. Ernst H, 
mbrich: "Es gibt die Kunst gar nicht, es gibt nur 
nstler" (in: "Die Geschichte der Kunst", 1956), 
d der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle. 
red Lichtwark: "Kunst gibt es in Wirklichkeit gar 
zhi, es gibt nur Kunstwerke" (in: "Vom Arbeitsfeld 
s Dilettantismus", 1897) waren Hofmann mit ver- 
ndten Apercusvorausgegangen, deren sicherlich 
'allem pädagogische Absicht, nämlich um Ver- 
ndnis für die Vielfalt der Kunst und um Duldsam- 
t gegenüber fürs erste fremdartig anmutenden 
nstphänomenen zu werben, auch heute noch 
rchscheint, deren logisches Kaliber aber mit Sat- 
1 wie "Es gibt keinen Wald, es gibt nur Bäume" 
er "Es gibt kein Pferd, nur Hengste, Stuten, Foh- 
l, Wallache" eine verzweifelte Ähnlichkeit besitzt. 
unstwerke treten für ldeale und Normen ein - 
zifen ldeale und Normen an; dienen Macht und 
sitz- klagen Macht und Besitz an." Sie "bestati- 
n den Augenschein" oder "verrätseln" ihn; "ma- 
lag 
msibutter 
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Caspar David Friedrich, "Das Eismeer" - ("Die geschei- 
terteHolfnung"), 1823124. Hamburg, Kunsthalle(lnv.Nr. 
1051) 
Caspar David Friedrich, "Wanderer über dem Nebel- 
meer", um 1818. Hamburg, Kunsthalle (lnv. Nr. 5161) 
Philipp Otto Runge. Das Bildnis der Eltern des Kunst- 
lers, 1806. Hamburg, Kunsthalle 
Wilhelm Leibl, Die Frauen in der Kirche, 1878-1882. 
Hamburg, Kunsthalle 
Edouard Manet. "Nana". 1877, Hamburg, Kunsthalle 
Pablo Picasso. Clovis Sagot, 1909. Hamburg, Kunsthalle 
(lnv. m. 2906) 
Max Beckmann, Odysseus und Kalypse, 1943, Hamburg, 
Kunsthalle 
Walter Pichler, Zwei Tiegel, 1971. Bronze (Gelbguß), 
Sand, H 50 cm. 350 x 245 cm (uber alles). Hamburg. 
Kunsthalle (lnv. Nr 1972l5) 
Arrangement "Der Garten der Künste" zur Ausstellung 
"Kunst - was ist das7" in der Hamburger Kunsthalle, 
1977 
Objektegruppe in der Ausstellung "Kunst - was ist 
das?" m der Hamburger Kunsthalle, 1977 
chen Wunschträume gegenwärtig  bezeu 
mahnen und werben, nehmen die Welt spie 
ernst, entwerfen Ordnungen - sprengen Ordi 
gen". erklärte und demonstrierte die Ausstell 
Darin darf man ihre bei weitem sachhaltigere un 
teressantere Seite erblicken. 
Für entworfene Ordnungen wurden unter ande 
Seelensteine der Zentralaustralier angeführt: 
Wunschträume Matisse, Thoma, Spitzweg unc 
Sexpuppen von Allan Jones; für das Bezeu 
Mahnen und Werben jener Polizist von dem an 
kanischen Superrealisten Duane Hansons, de 
nen Neger niederschlägt, und C.D. Friedrichs  
meer" (auch "Die gescheiterte Hoffnung" genai 
das, als religiöse Mahnung aufgefaßt, die Gerin 
gigkeit des Menschen angesichts der Überm 
der Natur bedeute. Als umfassende Todesmeta( 
könne es aber auch die bei Friedrich stark au 
prägte Ablehnung von Metternichs antiliberaler 
litik mit einschließen; das gescheiterte Schiff i 
dann der begrabene Freiheitsgedanke. 
So erfuhr der Ausstellungsbesucher also 
Menge darüber, was Kunstwerke alles können. 
ner wissensdurstigen Frage aber. was Kunst 
wurde. der Konzeption des Ganzen entsprech 
kein Bescheid gegeben. 
4. James Joyce definiert 
Auf eine erfrischend drastische Weise hat sicr 
mes Joyce, der Verfasser des "Ulysses", unse 
Problem genähert. 
"Warum sind Exkremente, Kinder und Läuse k 
Kunstwerke?" fragte er. Und antwortete: "Sie h: 
keinen ästhetischen Zweck. daher sind sie k 
Kunstwerke". Und setzte fort: "Sind Häuser, Kle 
Möbel etc. Kunstwerke?" Die Antwort lau 
"Häuser, Kleider, Möbel etc. sind nicht notwe 
gerweise Kunstwerke. Wenn (und man darf t 
auch sagen: soweit; d. Verf.) sie auf einen astl 
schen Zweck ausgerichtet sind. sind sie Kunst 
ke" (James Joyce, Kleine Schriften, Frankfurt 1 
Seite 52). 
Diesen nicht ohne Humor hingeschriebenen Sä 
schickte er eine andere, gelehrter klingende For 
lierung voraus: "Kunst ist das dem Menschen 
gene Arrangement sensibler oderintelligiblerN 

	        

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