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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 160 und 161)

I Aktuelles Kunstgeschehenlösterreich 
 
wLandschaften-l von Hermann Ober. Seit der ersten Aus- 
stellung vor zwanzig Jahren im Salzburger Kunstverein 
beweisen Obers Bilder seinen diffiziien Umgang mit Na- 
tur; keineswegs aber im naturalistischen Sinne, sondern 
als Anstoß zu bildnerischer Auseinandersetzung (vgl. 
auch den Bericht über die Rauriser Malertage in diesem 
Heft auf S. 76). (15. 9. -8. 10. 1978) 
Galerie Welz 
Hans Fronius 
ALTE UND MODERNE KUNST hat das Werk dieses 
Großmelsters zeitgenössischer bildender Kunst bereits 
zu mehreren Malen (so durch Otto Kamm in Heft 
7111953, durch Ernst Koller in Heft 10111968 oder durch 
Peter Baum ln Heft 12611973) ausführlich gewürdigt. An- 
läßllch seines 75. Geburtstages hatte nun die Galerie 
Welz eine bedeutende Auswahl von Gemälden und gra- 
phischen Arbeiten präsentiert. (6. 9. - 1. 10. 1978) - 
(Abb. 12) 
Yoshi Takahashi 
Neue Bilder und graphische Arbeiten des seit mehr als 
10 Jahren In Salzburg lebenden Japaners erweisen, be- 
sonders in der Farbkultur, seine stetige künstlerische 
Entwicklung.(4. - 29.10.1978) -(Abb.24) Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck 
Landesmuseum Ferdinandeum 
Erste Zinnfiguren-Ausstellung Tirols 
Mit der Ausstellung wZinnfiguren. Entwicklung der Zinn- 
figuren und Darstellung historischer Ereignissen präsen- 
tiert das Landesmuseum erstmals in Tirol Objekte, die 
früher als Spielzeug aus keiner Kinderstube wegzuden- 
ken waren, durch den Wandel der Zeit und der Produk- 
tionsverhältnisse aber zu Sammelfiguren von Enuachse- 
nen, musealen und Demonstrationsgegenständen ge- 
worden sind. Am Ende des 18. Jahrhunderts hat man 
begonnen. als Beiproduktion des Zinngießens (Kandei- 
gleßens) vor allem Soldaten als Spielzeug herzustellen. 
im Laufe der Zelten wurden auch andere Figuren er- 
zeugt, wie Jagd-, Zirkus-, Bauernhofdarstellungen und 
religiöse Motive. Die frühen Zinnfiguren sind meistens 
wnalvit. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts 
erfolgte mit der Umstellung auf den erwachsenen Käu- 
fer eine Erneuerung der Zinnfigur. Die umfangreiche 
Schau. zustande gekommen durch zahlreiche Leihgaben 
des ln- und Auslandes, zeigte Zinnfiguren von der Früh- 
zeit (neue Abgüsse) bis heute, brachte Ausschnitte aus 
der Produktion vieler Offizinen und schnitt viele The- 
menkreise an. Besonderes Interesse enueckten die Di- 
oramen mit den Themen aus der Geschichte. Das groß- 
te: wSchlacht am Weißen Berg 1620i- beinhaltel an die 
700 Zinnfiguren. (18. 8.- 15. 10 1978) (Abb. 13) 
Schloßmuseum Landeck 
Das Tiroler Oberland in alten Ansichten 
Die Ausstellung wurde von Landeck und dem Tiroler 
Landesmuseum Ferdinandeum veranstaltet und vermit- 
telt ein kulturgeschichtliches Bild der drei westlichen 
Bezirke Tirols: lmst, Landeck und Reutte. Es waren 150 
Werke der Malerei, Grafik und Druckgrafik zu sehen. Be- 
rühmte Maler wle Thomas Ender, Jakob Gauermann und 
Franz von Molitor bereisten das Land. Bis kurz nach der 
Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Maler und Litho 
graphen die besten Darsteller der Natur. Hier wurde 
nicht nur ein helles, romantisches und umweltbeschütz- 
tes Bild des Tiroler Oberlandes vermittelt, sondern in to- 
pographischer Sicht auch das Orts- und Hausbild im 
ländlichen Flaum skizziert und mit seinem historischen 
und kulturhistorischen Ambiente verbunden. Von Stams 
bis zum Arlberg und ins Paznauntal, von Nauders bis 
Schattwald sind regionaiweise die Landschaften aus 
der Vielzahl der Ansichten in exemplarischen Beispielen 
vorgestellt. Anhand von einigen Beispielen wird auch in 
didaktischer An die künstlerische Bildwirkung bei ver- 
schiedenen Techniken, wie Kupferstich, Radierung, 
Aquatinta, Lithographie, Federlithographie oder Stahl- 
stich, deutlich gemacht. Ein schöner, über 50 Seiten 
starker Katalog mit vielen Abbildungen und grundlegen- 
den Texten von Erich Egg und Gert Ammann ergänzte 
die Schau. (81-24. 9. 197a) - (Abb. 14) 
Kärnten 
Galerie an der Stadtmauer 
Alfred Wals 
Von dem bekannten deutschen Maler und Graphiker wa- 
ren die vielfarbigen Lithographien, die oft bis zu 9 Plat- 
72 
ten benötigten und fast ausnahmslos nur ganz kleine 
Auflagen haben (meist nur 10 Exemplare), eine außer- 
ordentlich erfreuliche Bereicherung in der reichen Abfol- 
ge der Ausstellungen dieses Hauses. Vom Expressionis- 
mus geprägt, gelingt es dem Künstler, sowohl in 
Schwarzweiß als auch durch die sehr frei und flächig 
aufgetragenen Farbakkorde eine Raum- und Lebens- 
atmosphäre zu geben, die oft eine bezaubernde Magie 
aussirahlt. Die meist großen Wertigkeitsspannungen 
zwischen Rot- und Blautönen, das kühne Akzentuieren 
durch große ungebrochene Flachen, etwa einem reinen 
Gelb, zeichnet diese Blätter aus und bezeugt die Mei- 
sterschaft ihres Schöpfers. Die Bilder, und das gilt be 
sonders von jenen der letzten Jahre, sind nicht durch 
das Geviert des Rahmens eingeengt, sondern kommen 
von außen und gehen nach außen. Zwischen den Senk- 
rechten und Waagrechlen der Blattbegrenzung aber 
wird durch Farbe eine Spannung, die den Betrachter 
fesselt. (4. - 27. 7. 1978) - (Abb. 15) 
Bugattl 
Die gezeigten Cartoons standen unter dem Motto "Gu- 
tes und Bbsesu. Der Zeichner Bugatti ist eigentlich auch 
dort gut, wo er böse Ist. Denn seine ubosenx satirischen 
Zeichnungen lassen immer wieder auch noch einen 
Raum für ein hintergründiges Schmunzeln, und selbst 
dort, wo es um todtraurige Dinge geht, wird noch durch 
den sehr präzisen Strich, der das Typische erfaßt, die 
Komik einer Situation herausgeholt und uns zur Tragik 
quasi die Frage wZahlt sich das ausih präsentiert. 
Bugattis Linienführung ist unkompliziert, läßt manches 
offen und fordert zum Mitdenken heraus. (18. 8.- 5. 9. 
1978) - (Abb. 16) 
Paracelsussaal im Rathaus 
13 Friauler Künstler 
im Rahmen der uWoche der Freundschaft Villach - 
Udlne-t stellten Maler, Objektemacher und Plastiker der 
südlichen Nachbarschaft aus. Man konnte die verschie- 
denen international immer wieder aufscheinenden 
Techniken registrieren. Die etwa 60 Exponate waren 
durchschnittlich von sehr beachtenswerter Qualität. Es 
zeichnete sie besonders eine sehr ordentliche und sau- 
bere Ausführung aus! Die Figur war nur bei Sergio 
Altieri mit expressiven und bei Franco Dugo mit surrea- 
ien Bezügen vertreten. Auch bei Gluseppe Zigaina, inter- 
national bekannt, findet man immer wieder Reste figura- 
tiver Elemente In den Arbeiten. Cesare Mocchiuttis 
Öibilder sind bereits in einem abstrakteren Surrealis- 
mus angesiedelt. Giorgio Valvassori schafft mit seinen 
Objektmontagen gedankliche Verbindungen. in gewis- 
sem Sinne verwandt ist ihm Mauro Mauri, während Carlo 
Clussl und Aldo Colo mit reinen Formen und Farben 
operieren. lgnazio Doiiach und Mario Tudor reduzieren 
auf wenige Elemente mit unterschiedlichem Erfolg. Der 
informative Katalog bringt Einleitungen italienischer H0 
noratioren, denen deutsche Übersetzungen beigegeben 
sind, die leider ein vollkommen sinnloses Kauderwelsch 
ergeben. (30. 7.-14. 8. 1978) k (Abb. 17) 
Steiermark 
Graz 
Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum 
Werke der Xlll. internationalen Maler- 
wochen in der Steiermark 
Wieder arbeiteten heuer dreizehn bildende Künstler vier 
Wochen lang in der Landwirtschaftlichen Fachschule in 
Gleisdorf. Sie waren aus England, Italien, Jugoslawien, 
Ungarn und Österreich gekommen. Die Richtungen, die 
sie vertraten, waren sehr unterschiedlich, und unter- 
schiedlich waren auch die Leistungen der einzelnen in 
der Galerie gezeigten Arbeiten. Der Zeit entsprechend, 
lag der Schwerpunkt bei der Konzeptkunst. Gleich drei 
der Aussteller konnte man dieser Arbeitsweise zuord- 
nen: Vittorio d'Augusta, Nesa Paripovic und Dietmar 
Tanterl, wobei letzterer wohl am weitesten ging und den 
Rezipienten die meiste wArbeit-r überließ. Der abstrakte 
Expressionismus war durch die Bojana Svertasek aus 
Zagreb sehr schon vertreten. Der Ungar lwan Simon 
setzt Empfindungen in der Natur in seinen Aquarellen 
sehr frei und ausschnitthalt um. Simon Semov baut kon- 
struktive Elemente vor gepatterte Hintergründe. Masim 
Sedej jun. aus Ljubljana, der großformatige Ölbilder 
schuf, bannt Florales in eigenwillige Formen. Walter 
Obholzer setzt sich mit dem Hyperrealismus auseinan- 
der. Die Engländerin Jeanne Masoero zeigte schöne m0 
nochrome Farbrellets in strengen Mustern. Othmar 
Krenn tastet in seinen Montagen nach neuen Materia- 
llen; signal- und zelchenhafte Gebilde! Der Italiener 
Glannl Gorl erreicht durch verschiedene Projektionen 
Raumverfremdungen. (7. 9.- 1. 10. 1978) - (Abb. 1B, 19) 
Oberösterreich 
Linz 
Neue Galerie Wolfgang-Gurlilt-Museum 
Gustav Klimt 
B0 Zeichnungen aus den verschiedensten Perioden des 
Meisters gaben einen schönen Querschnitt durch das 
graphische Werk des Klassikers der österreichischen 
Moderne. Es waren etliche Exponate erstmals öffentlich 
zu sehen. Als Ergänzung waren auch die im Besitz der 
Galerie befindlichen Gemälde ausgestellt. (21. 9.- 1. 11. 
1978) 
Schloß Parz 1 Künstlerzentrum 
in den schonen Räumen des Schlosses waren von 60 
sehr verschieden arbeitenden Künstlern Bilder, Graphi- 
ken, Plastiken, Objekte, Keramiken und Architekturbei- 
spiele ausgestellt. Die Spannweite ist etwa durch 
HolfmannlYbbs und Fruhmann, durch Schagerl und 
Hänggi, durch Tahedl und Stifter angedeutet. Erfreulich, 
daß ein solches Spektrum möglich ist. (24. 6.- 27.8. 
1978) - (Abb. 20) 
Niederösterreich 
Wiener Neustadt 
Galerie 9 
Jeannie Ebner zum 60. Geburtstag 
Die bekannte österreichische Schriftstellerin studierte 
ursprünglich Bildhauerei. Aus dieser Zeit existiert noch 
eine Terrakottapiastik, die, neben einigen Originalzeich- 
nungen, verschiedenen Fotos von Plastiken, die sie ge- 
schaffen hat, von Situationen bei der Arbeit im Atelier 
zu sehen war. Daneben war natürlich die schriftstelle- 
rische Arbeit der Künstlerin durch ihre Romane, Lyrik- 
bände, Erzählungen, durch Manuskriptproben und Auf- 
zeichnungen dokumentiert. (31. 8. - 30. 9. 1978) - 
(Abb. 21) 
Eichgraben Galerie 
Gisela Beinrücker-Fleck 
Die Künstlerin zeigte Graphiken und Aquarelle, wobei 
aufflel, daß diese Arbeiten, zum Unterschied von den 
Collagen mit Textilien, viel offener, duftiger sind. Die 
Handschrift ist unmittelbarer. Porträts, Figuren, Akte 
sind die Themen, die sie in den Zeichnungen bevorzug- 
te. Landschaften, vor der Natur aquarelliert, lassen viel 
Licht und Raum in die Blätter. (15. 7.-13. ß. 1978) - 
(Abb. 22) 
Franz Katzgraber und Erich Steininger 
Katzgraber stellte hier vor allem kleinere Objekte aus. 
Die Stahlplastiken des Bildhauers, der zur Zeit einem 
Arbeitsauftrag in Japan nachkommt, zeichnen sich 
durch Dichte und Bezügllchkeiten der Konturen aus. Die 
Elemente gewinnen, auch bei loser Gruppierung, immer 
mehr Innere Koharenz, die Melodie der Aus- und Ein- 
buchtungen, getragen von einem humanen Rhythmus, 
ist weicher, harmonischer geworden. Erich Steiningers 
Holzschnitte mit ihren vielen großen schwarzen Flä- 
chen, mit den bewegten Lineament seiner Figuren, mit 
dem Leben und seinen Spuren zwischen den dunklen 
Erscheinungen, seinen Zeichen, oft magisch, oft rätsel- 
haft, traten hier auf engem Raume mit großer Kraft an 
den Betrachter heran. (Näher und unmittelbarer als in 
Wiener Neustadt, wo dieser sich leichter räumlich di- 
stanzieren konnte.) Wir werden von diesem noch jungen 
Künstler, das versprachen die letzten beiden Ausstellun- 
gen, noch sehr wesentliche und wichtige Beiträge zur 
österreichischen Druckgraphik erwarten können. (20. B. 
bis 29. 9. 1978) -- (Abb. 23) 
Burgenland 
Unterrabnitz 
Turmhaus 
Arbeiten der Rabnltzlaler Malerwochen 
im Juli arbeitete wieder auf Einladung Harro Pirchs eine 
Anzahl von burgenländischen oder dem Land irgendwie 
verbundenen Künstler in Unterrabnitz. Heuer waren 
auch drei junge Keramiker dabei: Ursula Dyczek, Anica 
Kostyan und Flobert Schneider. Alle drei waren Schüler 
der Landesschuie In Stoob. Auf diese Art wird, in aner- 
kennenswerter Weise, ein landeseigener Schwerpunkt 
gesetzt, der, wie es uns scheint, wert ist, im allgemeinen 
Reigen der verschiedenen Sommerseminare, Sympo 
slen, Künstlerwochen etc., etc. ausgebaut bzw. intensi- 
viert zu werden. (27. 7.-6. 8. 1978) Aloisvogel
	        

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