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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 162)

glücklich verkürzt, ist ebenso typisch für Rott- 
mayrs Stil vor seiner Wiener Zeit - dieselben Ei- 
genheiten kann man an der Gestalt der Diana in 
der "Opferung der lphigeniea der Österreichi- 
schen Galerie beobachten. ln den Bildern des Art 
Institute sieht man also tatsächlich, nur leicht ab- 
gewandelt, die gleichen Figuren, dieselben Posen 
und die gleichen Körpertypen, wie sie Rottmayr 
anderwärts darstellte. Darin folgte er dem Beispiel 
seines Lehrers. Die Venus von Chicago ist deut- 
lich der Wiener Lucretia, die Figur des Endymion 
der des Christus in einer Pieta in München ver- 
wandt, und so weiter und so fort. 
Alle diese Elemente stützen die Überlegung, die 
Reihe der iünf Bilder in Chicago dem jungen Flott- 
mayr vor seiner Begegnung mit der intellektuelle 
ren Wiener Atmosphäre zuzuschreiben. Durch ihre 
Art, wie naiv genau Geschichten erzählt werden, 
und durch ihre leu htende Farbe könnte man fast 
verleitet werden, in ihnen sozusagen i-kiassischeu 
Seicentovarianten der farbenfrohen Altarwerke 
der österreichischen Spätgotik zu sehen. Später 
wurde Rottmayrs Malerei bedeutend großzügiger 
und von diskreterer Farbgebung, wohl um mit der 
großartigeren Welt der kaiserlichen Sphäre, in der 
er arbeitete und für die er bedeutende Arbeiten 
ausftlhrte, in Einklang zu stehen. Jedoch verlor er 
in dieser Entwicklung etwas von jener Fröhlichkeit 
und jenem Charme seiner Salzburger Tage, die in 
den fünf Götterbildern des Art Institute of Chica- 
go so deutlich sichtbar sind. 
Anmerkung 7 
7 Huhala wie Anm. 2 d. hier S 179-180. 
' Anschrift des Autors: 
Univ.-Prof. Dr. Edward A. Maser 
The University of Chicago 
s Johann Michael Flottrnayr. Jupiter besiegt mit seinen 
Blitzen die rebellierenden GÜOEHIGFL1SQÜ - 1695. Ol auf
	        

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