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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 162)

B zog, die fehlenden Ziffern könnten nur Ei- 
tin. Weil der Vergleich mit dem Pienzenauer- 
und dem Polhaymstein in Passau aber eine 
re Stillage annehmen läßt, soll hier der Vor- 
g gemacht werden, in der fehlenden Ziffer 
zu sehen. Aus der Biographie Ebners erge- 
lch dafür Unterlagen? Er stammte aus dem 
iergeschlecht der Ebner in Nürnberg, wurde 
ierr zu St. Johann in Regensburg und zu- 
l Pfarrer im Markte Werd unterhalb Donau- 
Bischof Johann von Streltberg beförderte 
24 wegen seiner Verdienste um die Seelsor- 
m Dompfarrer bei St. Ulrich und 1427 zum 
apitular. Sein nachhaltiges Wirken für Re- 
iurg äußerte sich in der Planierung des Dom- 
ofes auf eigene Kosten. Er ließ in der Dom- 
irche 1440 neue Gewölbe einziehen. Als Bü- 
eund spürte er alte Handschriften auf, ver- 
e eigenhändig Abschriften und machte sei- 
aliothek öffentlich zugänglich. Die Grabin- 
t nennt ihn presbyter canonicus ecclesiae 
ionensis et huius loci plebanus, womit 
ich gemeint ist. Da er 1424 Dompfarrer bei 
ich wurde, ergibt sich daraus eine zeitliche 
nzung für die Herstellung des Grabsteines. 
annung seiner Tätigkeit um 1440 erlaubt die 
igung auf diesen Zeitraum. 
leschreibung des Grabsteines muB in erster 
ron der Konsole sprechen, auf der die Figur 
denn die Ausprägung des Geistlichen im Or- 
er einen Kelch hält und dessen Kopf schwer 
s Kissen einsinkt, ist häufig anzutreffen. 
die Konsole kommt ein Zwiespalt in die Auf- 
ig von einer Grabmalfigur, die, obwohl ihr 
1 deutlich angezeigt ist, unter dem Kopf ein 
i ausgebreitet hat, das mit seinem Nachge- 
n Liegen ausdrücken soll. 
steht eine Durchdringung von Standligur - 
: man diesen Ausdruck bei einem Grabmal- 
elief überhaupt anwenden kann - auf einer 
ile und Liegefigur mit dem Kissen als Abzei- 
les Totenlagers. Es gibt dies auch auf ande 
ttmarmorgrabsteinen. Es verzichten z. B. die 
teine des Abtes Leonhard, gest. 1416, Salz- 
St. Peter, Veitskapelleitß, und des Abtes Ul- 
est. 1420, ebenda34, die beide Konsolen ha- 
uf das Kissen, während der Grabstein des 
iakon Ulrich Erlinger, gest. 1423. in der 
Jurger Klosterkirche, Kissen und Konsole 
Iäll35. Diese vergleichbaren Ähnlichkeiten 
 
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werden aber von einer Erscheinung übertroffen, 
die sich sowohl im Motiv als auch in seiner Aus- 
fuhrung in solcher Gleichheit bis jetzt noch nicht 
auf zwei Grabsteinen gefunden haben. Pienzenau- 
er und Ebner tragen beide eine Kasel, deren Kreuz 
mit aufgestickten Ranken verziert ist. Ihre Über- 
einstimmung zeigt sich an folgenden Merkmalen. 
An einem Hauptast, dessen Mitte von einer Ader 
verstärkt wird, wechseln kleine spitze Blätter mit 
größeren ab. Es gehört zur besonderen Leistung 
des Bildhauers, einerseits die Ranken den Wellen- 
bewegungen des Ornates anzupassen, andrer- 
seits aber die Blattendigungen auf den Betrachter 
hin umkippen zu lassen, daB sie abwechselnd ein- 
mal herabhängen, einmal sich nach oben drehen. 
Auch die Hauptranke dreht sich um ihre eigene 
Achse. Auf die Zusammengehörigkeit dieses Ran- 
kenornaments hat Halm hingewiesen. Seine Be 
obachtung ist überzeugend. Die Gemeinsamkeit 
der Kaselverzierung bei Pienzenauer und Ebner 
geht aber noch weiter. Auch das wellige Auf und 
Ab auf dem Stoff haben die Ranken gemeinsam. 
Beim Polhaymwappen entwickeln sie sich nur auf 
planem Hintergrund. 
Der Gesamtaufwand ist bei dem Grabstein des Eb- 
ner geringer als bei dem des Pienzenauer. Das 
hängt nicht zuletzt mit seiner Stellung in der kleri- 
kalen Hierarchie zusammen. Engel, die ein Wap- 
pen halten, sowie Mitra und Pedum fallen weg. In- 
wieweit auch die Löwen in diesen Bereich hinein- 
spielen, ist schwer zu sagen. Es kommen auch 
höchste Geistliche auf Grabsteinen ohne das Lö- 
wenmotiv vor. Dagegen ist auf einige Besonder- 
heiten aufmerksam zu machen. Das Kaselkreuz 
ist mit drei Figuren bestickt: an den horizontalen 
Bändern eine hl. Katharina und ein hl. Petrus, am 
senkrechten Band ein Schmerzensmann, der von 
Leidenswerkzeugen umgeben ist. Ihre Ausführung 
muB einmal sehr gut gewesen sein. Die nicht zer- 
störte Quaste am Kissen läßt die Feinheit der Mei- 
Belführung noch erkennen. Man kann sie für alle 
Teile annehmen. Das Hündchen und die kleine Ge 
sellenfigur am Sockel sind ebenfalls fast bis zur 
Unkenntlichkeit zerstört. 
Die Gesamterscheinung mit dem geschlossenen 
Umriß, der sich an manchen Stellen verfließend 
mit dem Hintergrund verbindet (die von den Armen 
herabhängenden Kaselenden), ist bei Ebner und 
Pienzenauer sehr ähnlich. Somit rücken die Be- 
standteile und die bildhauerische Leistung den 
Ebnergrabstein in den Salzburger Kunstbereich. 
l Anschrift des Autors: 
Dr. Vincent Mayr 
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege 
Flisterstraße 1, D-BOOO München 2 
Anmerkungen 24416 
1' samiritung E. Buhrle, Festschrift und Katalog. Zürich tssa. Kat. 
Nr 48. S 52 
25 F. Wolter u w Burger, Die mittelalterliche Holzplastik. München 
1924. Abb. Nr. 38 
15 M. Hanig, Die oberbayeLStlfte Murlchen 1935. Bd.l. s. es 
1' Der Schatz vom hl Berg Andechs. Ausstellungskatalog München 
1967. s. t7 
" Ex. Paulhuber, Geschichte von Ebersberg und dessen Umgebung 
in Oberbayern. Biirghaiisen 1347. s. 372 
1' Halm, a.a.O.. s 2st 
i" A. Seyler. Die mittelalterliche Plastik Regensburgs Diss. Munchen 
1905 s tot 
"l KDB. Oberpfall XXll Stadt Regensburg I. s. 194. Tal. XXIV 
" J n. Schneegraf, Geschichte des Domes von Regensburg. in: Ver- 
harldluhgen des l-listbr. vereiris v otierplalz u. Regensburg. 
au l2 s 224 
1' M. Walz, Die Grabderlltmaier von st. Peter und Nonnberg in salz- 
burg. Salzburg 1867. s 51. Abb. 22 
1' ebd s et. Abb. 24 
ß Gratisteinbuch Muhchen. Bayer. Staatsbibliothek. cba. lat. 1339. 
s. 2a 
"E Pirider. Deutsche Plastik a.a.O., s. 275 
8 Fragmenl einer Grabplatte 
des Philipp Hohenberger. 
ehem. Klosterkirche Ebers- 
berg. um 1412 
10 Großansicht des Kopfes 
von Philipp Hohenberger 
(s. Anna) 
 
 
 
Grabplalle des hl. Vitalis 
(s. Abb. 1), Detail, Löwen, 
kopl 
Grabplatle des Herzogs 
Ernst des Eisernen (siehe 
Abb. 3), Detail, Lbwerikopf 
Grabplalle des Propsles 
Petrus Pienzenauer {siehe 
Abb. 6), Delailansicht linke 
untere Ecke mit Löwen 

	        
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