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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 162)

3 Ferdinand Georg Waldmüller. "Niederdsterreichische 
Eauernhcchzeit-i, bez. r-Waldmüller 184314. Ol auf Holz. 
Osterreichische Galerie, Wien 
4 Maria, Assistenzfigur, Osterreich, Anfang 18. Jahrhun- 
dert. Holz, gefaßt. H 140 crn. Salzburger Barockmu- 
seum 
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Im letzten Jahrzehnt hat sich die Liebe stark dem 
heimischen Bauernmöbel zugewandt. Kein Wun- 
der, daß wohlerhaltene bemalte Stücke immer teu- 
rer werden. Auf dem Gebiet des unbemalten Ge 
brauchsmöbels aus Hochtälern und Almen, das 
oft so funktionell formschön ist, wird das Einzugs- 
gebiet immer größer. Vieles kommt von der Alpen- 
südseite her, ja aus den Apenninen. 
Der Großstädter, der sich zu einem gewissen Esta- 
blishment zählt, setzt jedoch auf fournierte und in- 
tarsierte Barockmöbel. Der Tabernakelschrank 
und der zweitürige Barockschrank sind in Öster- 
reich Statussymbole. Sie nehmen im Raum souve- 
rän die Mittelachse ein. Der Schrank in seinen ver- 
schiedenen Ausführungsarten entspricht differen- 
zierten Preisklassen. 
Ein schön intarslerter Schrank mit geraden Türen 
entspricht preislich etwa dem Mercedes 280 SE. 
- Sollte er jedoch gebogene Türen aufweisen, 
kommt seine Anschaffung bereits einem Merce- 
des 450 SEL gleich. - Damit auch noch höherran- 
gige Stufen des Establishments ihren Ausdruck 
finden, bietet die barocke Möbelkunst schließlich 
den Schrank mit gebogenen Seiten und geboge- 
nen Türen an, reich eingelegt, versteht sich. Der 
Meister hat dabei redlich geschwitzt - dies alles 
zum Preise eines Mercedes 600. 
So führt die Wahl des Barockschrankes in das 
Verständnis der kakanisch-österreichischen Hier- 
archie ein. _ 
Nebenbei bemerkt, der Autor findet die Schranke 
aller drei Klassen großartig; in ihrer monumenta- 
len Architektur und ihrer Ornamentik ähneln sie 
schön stukkierten Hausfassaden des Barock. 
Gottlob bleibt das Biedermeier. Es ist noch sehr 
preiswert. Trotz des großen Preisauftriebes der 
Möbelstile seit dem Neoklassizismus in anderen 
Ländern, wie in Italien, ist das Biedermeier in 
Österreich nur mäßig gestiegen. Mit diesen Mö- 
beln kann ein geistiges Establishment zu niedri- 
gen Preisen in seine Räume einen Hauch d 
stigkeit der Goethezeit bringen. 
Das einfache englische Möbel mit seinen vi 
gen variablen Kleinobjekten ist ebenfalls 
günstig und beliebt. Jene, die betont ihren I 
mantel tragen, kaufen gerne englische Lani 
möbel in Eiche und Mahagoni. Es läßt sich r 
ne Kunst und Graphik hervorragend damit i 
den. 
Auch das übrige Kunstgewerbe ist hinsii 
der Nachfrage und der Preise den Gesetzl 
ten eines recht fragwürdigen Geschmackes 
worfen. Nostalgischer Tand, in Geschäften 
fragt, ist jedoch von den jurierten Messen 
schlossen. 
Sehr beliebt ist altes Glas, das aus dem 1 
19. Jahrhundert in mannigfachen Dekorati 
ten angeboten wird. Auf diesem Gebiet wir 
zuchtvclle hohe Leistungsfähigkeit alten Ku 
werbes sichtbar, und es werden die natii 
Spezialitäten besonders gepflegt. Die hohe 
se sind der Qualität der Objekte entsprech- 
Das alte Silber wurde in Österreich in den N2 
nischen Kriegen durch gesetzlich vero 
Einschmelzung vernichtet. Es entstand 
nach dem Wiener Kongreß ein riesiger Nacr 
darf in der gesamten Biedermeierzeit und d: 
Es ist die Epoche der i-Radlpunzeu. Das 
folgte dem Geschmack einer neureichen f 
schaft. Es war größtenteils mit Zierat und 
menten bis zur Unerträglichkeit überladen 
heute sind gerade diese Arbeiten in weite 
sen sehr beliebt. 
Daneben gab es in der Biedermeierzeit gar 
tes, schmuckloses Silber in klarer, funkti- 
stimmter Formgebung, zeitlos, der "moi 
Sachlichkeit" nahestehend. Dieses glatte. 
ner Silber ist zwar seltener als das reich de 
te, jedoch wesentlich billiger. Es gilt als G 
tip einer Minorität von Genießern.
	        

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