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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 162)

D{ Für den Kunstsammler 
 
Adolf Hahnl 
Der Salzburger Maler Georg Pezolt 
als Landschafter 
Bemerkungen zu einem Spatromaniiker anfäßlich 
seines 100. Todestages 
Durch zwei Ausstellungen wurden Ende 1978 Leben und 
Werk dieses Salzburger Malers geehrt, die einige Beach- 
tung gefunden hallen, Dabei kristallisierten sich ver- 
schiedene Schwerpunkte in seinem umfangreichen 
Werk heraus: Pezolt als Lehrer für Kunsttheorie und 
geschichte im Priesterseminar und am Lyzeum, Pezolt 
als Konservator und erster ehrenamtlicher Denkmalpfle- 
ger, Pezolt als Designer und Lehrer an der Zeichen-, der 
späteren Staats-Gewerbeschule, Pezolt als ehrenamtli- 
cher Beirat am Vaterländischen Museum, als tätiges 
Mitglied der Salzburger Landeskunde und Präsident des 
Kunstvereines - und Pezolt als Künstler. Pezolts viel- 
seitige Aktivitäten - denen zu seinen Lebzeiten ein 
ebenso vielfältiges Meinungsspeklrum über ihn ent- 
sprach 7, aber auch der Umstand, daß nur wenige re 
prasentative Arbeiten seiner Hand in der Vaterstadt ge 
blieben sind, tragen Schuld daran, daß es noch zu kel- 
ner umfassenden Monographie gekommen ist. So wird 
es notwendig sein, einen Lebenslauf vorauszuschicken. 
Georg Pezolt wurde am 8. Mai 1810 in Salzburg geboren. 
ln iugendlichem Alter wurde er Schüler des Blumenma- 
lers Johann M. Wurzer (17607 1838) und trat 1827 als 
Zeichner ins Gefolge des englischen Archäologen John 
Molitor aus Oxford ein, für den er italienische Ansichten 
zeichnete. 1827 lernte er den französischen Klassizi- 
stenschuler und Begründer des italienischen Genre 
stuckes Leopold Robert (1794- 1835) in Italien kennen 
und schloB sich diesem als Schüler an. Nach dessen 
Freitod in Venedig (er soll unglücklich verliebt gewesen 
seinl kehrte Pezolt über die Lombardei und Tirol nach 
Salzburg zurück, wo er die zahlreichen Veduten dieser 
Reise der Lithographieranstalt Oberer in Salzburg anbot. 
Dieses Lithowerk erschien 1837-1839 in 36 Heften zu 4 
Ansichten unter dem Titel i-Die interessantesten Punkte 
von Salzburg, Tyrol und Salzkammergut... 1874, als Pe- 
zolt durch viele Enttäuschungen seine Jugend im ver- 
klärten Lichte sah, urteilte er über diese Serie in seinem 
Tagebuchl: "Am 20ten März war wieder der Jahrtag des 
Todes des Cavalierfs) Leopold Robert, dem ich wie sei- 
nem Bruder Aurel die erste ernste Einführung in die 
Kunst verdanke. Oh wäre ich 1836 bey Aurel in Venedig 
geblieben, anstatt die Serie von Ansichten aus Tirol. 
Salzburg und Salzkammergut für die noch in tiefster 
Kindheit sich bewegende Obefsche Lithographiefan- 
stalt) in Salzburg, welche Stiessberger, ein talentloser 
Autodidakt, reproducierte, zu liefern. Welch erbärmli- 
cher Erfolg. Die Sepia Zeichnungen hat Oberers Nach- 
folger  dem hiesigen Museum geschenkt, während 
mir genehm gewesen wäre, sie wären vernichtet wor- 
den. Hie und da sehe ich Reste auf dem Tandel- 
markt. Es geht zwar den FischbacNschen  Stahlsti- 
chen nicht viel besser. Jetzt lebt und leibt ja alles in 
den Photographien und Chromolithographienmw 
Georg Pezolt hielt sich 1839 in Italien auf, auch in Rom, 
wo seine erste Gattin, Luise Spiegel, starb und er 1842 
dem jungen kunstbegeisterten Salzburger Erzbischof 
Friedrich Fürst Schwarzenberg begegnete, dem das Kar- 
dinalat verliehen wurde. Schwarzenberg beauftragte Pe- 
zolt, für die von Fischer erbaute Dreifaltigkeitskirche ein 
Hochaltarblatl zu malen, dem Pezolt eine künstlerische 
Auseinandersetzung mit Overbeck, dem in Rom residie 
renden Haupt der deutschen Nazarener, verdankte: t-lch 
hatte soviel Ehrfurcht vor dieser Aufgabe, die Dreifaltig- 
keit, daß ich vorschlug, das Mittekstuck) der Glorie in 
Ftafaels Dispula hiezu zu komponieren. Als ich die 
Zeichnung davon einschickte, wollte dieser strenge 
Rhythmus nicht recht behagen. Ich sollte eine eigene 
Komposition machen. Mit Hilfe Overbekschen Rathe 
und (nach) seinen Motiven brachte ich selbe zustande 
 das Altarbild wurde darnach bestellt und mein 
lucksstern ging unter. War ich auch durch viele mus- 
äologische Zeichnungen an (den) Kirchen Styl gewöhnt, 
so war mir die lebensgroße Vortragsweise ganz fremd 
und unbehaglich, umso mehr als die lange Krankheit 
und Tod meiner Gattin dazwischen kam und ich deshalb 
erst die letzten Ausbildungen 1842 nach meiner Rück- 
kehr in Salzburg ausführen konntewi-Z 
Pezolt entwickelte in den folgenden Jahren eine er- 
staunliche Aktivitat, die in der Herausgabe eines großen 
Lithowerkes in drei Abteilungen "Salzburg und seine An- 
gränzungen aus dem Bereiche der Natur, Kunst und 
Volksgebräuche..." beim Verlag Schon in Salzburg kul- 
minierte. Durch die Erfahrung bei Oberer klüger gewor- 
den, wurde das großformatige Werk als Tonlithographle 
bei J.B. Kuhn in München gedruckt und dem i-Deut- 
schen Fleichsverweser Erzherzog Johannu gewidmet. 
 
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