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fullscreen: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

den Dank aus, welches in klassischer Form die hohen Verdienste dokumentierte, 
die sich der Erzherzog gerade durch diese umfassende Tätigkeit um die 
Hebung der geistigen und wirtschaftlichen Kultur Österreichs erworben hat. 
Der Erzherzog blieb dem Museum und seiner Schule treu. Seit einer Reihe 
von Jahren kam er wieder, wie einstmals, in die beiden Häuser am Stubenring, 
ließ sich-im Museum alle Neuerwerbungen und Neuordnungen zeigen, pflegte 
den persönlichen Verkehr mit den Beamten, interessierte sich für deren 
spezielle Aufgaben und wissenschaftliche Arbeiten, besuchte alle Ausstellungen 
wiederholt und war über jeden Fortschritt, über jedes Zeichen lebhafter Tätig- 
keit hoch erfreut, indem er mit stets gleicher jugendlicher Frische zur Fort- 
arbeit und zum Aufsuchen neuer Wege und Ziele ermunterte. Auch die Kunst- 
gewerbeschule besuchte er wieder, wie ehemals, ging von Atelier zu Atelier, 
von Werkstatt zu Werkstatt; die Reorganisation des Lehrplanes und des 
Unterrichtsbetriebes, welche den engsten Anschluß an die Erfordernisse und 
Aufgaben des Lebens anstrebt, verfolgte er mit nie ermüdendem lnteresse und 
jenem tiefen Verstehen, das ihn durch sein langes Leben immer aufnahmsfähig 
und jung erhalten hat. In den Aussprachen mit den Angehörigen beider 
Institute kam er oft auf das Einst und Jetzt zu reden, mit außerordentlicher 
Frische überblickte er das Ganze der heimischen Entwicklung des Kunst- 
lebens als das Produkt fortschreitender Erkenntnis und Kultur und äußerte 
einmal, daß er sich oft die Frage vorlege, wie Eitelberger sich zur neuen Kunst 
im Handwerk stellen würde, wenn er noch lebte. Gewiß wäre Eitelberger, 
äußerte der Erzherzog, auch heute ein Führer, denn er hatte die Gabe, das 
Notwendige zu erfassen und es durchzusetzen. Immer wieder lenkte der hohe 
Herr das Gespräch auf die praktisch-wirtschaftliche Seite der modernen kunst- 
handwerklichen Erziehung, auf die Forderung, die in Österreich heran- 
gebildeten Kräfte durch die Gewinnung einer Weltstellung der heimischen 
Kunstindustrie dem Vaterlande zu erhalten, und beklagte, daß in früheren 
Jahren so viele der besten Kunstjünger durch die mangelhafte Expansions- 
und Exportfähigkeit der österreichischen Produktion ins Ausland hinaus- 
gedrängt wurden, wo sie der Konkurrenz die wertvollsten Dienste leisten. 
Anläßlich der vorjährigen Frühjahrsausstellung des Museums, die er eröffnete 
wie ehemals, und der anschließenden Tagung des Deutschen Werkbundes in 
Wien äußerte er seine volle Übereinstimmung mit der auf die Durchgeistigung 
des Handwerks, auf Hebung und Organisation der Qualitätsarbeit gerichteten 
Bewegung, in welcher er für Österreich eine tonangebende Stellung in An- 
spruch nahm. Hierbei kam er immer wieder auf die oft ausgesprochene 
Mahnung zurück, daß an dem durch das kaiserliche Statut, durch die Natur 
der Dinge und durch die Geschichte vorgeschriebenen engen Zusammen- 
schluß und Zusammenwirken von Museum, Schule und Kunstindustrie nie 
gerüttelt werden dürfe. N 
So blieb er mit dem Osterreichischen Museum, mit seinen Lebens- 
bedingungen, Aufgaben und Zielen in unvergleichlicher Frische und Freiheit 
der Anschauung durch all die 5o Jahre in steter Fühlung und Überein- 
stimmung als geistiger Mitarbeiter, Freund und Berater. 
Am xo. Jänner, vierzehn Tage vor seinem unerwarteten Hinscheiden, 
betrat er das Österreichische Museum zum letzten Male. Er war so angeregt 
und anregend, so gütig und mitteilsam wie je. Erschien er im Herbste, nach 
"F!
	        

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