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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 163)

A Künstlerprofile 
Otto Hurm 
 
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in der Stille seines gartenumhegten Heims In Wien- 
Sankt Veit beging der große Schrittkünstler Hochsc 
professor DipL-lng. Dr. techn. Otto Hurm vor wenige 
Monaten seinen 80. Geburtstag. Am 9. November 12 
als Sohn eines Beamten in Wien geboren, studierte 
im ersten Weltkrieg an der italienischen Front im G 
krieg gesundheitlich geschädigte runge Leutnant Ai 
tektur und habilitierte sich nach zweijähriger Tätigk 
im Atelier Karl Holey als Dozent für das Fach iiOmz 
mentik und Raumkunst mit besonderer Berückslcht 
gung der omamentalen Schrift" an der Wiener Tech 
schert Hochschule. 
Früh schon hatte Fludolt Larlsch die schriftkunstlerr 
sche Begabung seines Schülers erkannt und ihn zur 
arbelt am Pädagogischen lnstitut der Stadt Wien h: 
gezogen. Gemeinsam lehrten sie von 1927 bis 1932 
der Akademie der bildenden Künste, wo Hurm ansc 
Bend bis 1969 das von ihm begründete lnstitut für o 
mentale Schrift und Heraldik leitete. Seine wissen- 
schaftliche Tätigkeit fand ihren Niederschlag in zar 
chen Publikationen und Fachzeitschriften. Das grur 
gende Werk i-Schriftform und Schreibwerkzeugri, Os 
reichrsche Staatsdruckerei Wien, 1928, behandelt dr 
Schrelbtechnik alter Handschriften und untersucht 
formbildenden Einfluß der Schreibwerkzeuge auf dir 
tiqua bis zum Einsetzen der Gotik. Seit 1955 zählt l- 
zum Mitarbeiterkreis des Gutenberg-Jahrbuchs, ebe 
ist er in den Jahrbüchern der Österreichischen Gesr 
schalt für Exlibris und Gebrauchsgraphik mit Facht 
tragen immer wieder vertreten. 
Otto Hurm, in dessen Böhmerwalder Ahnenreihe eii 
Anzahl von Schulmeistern aufscheint - ein 1658 n: 
weisbarer Vorfahr wirkte in St. Leonhard bei Neurnz 
als Lehrer und Ludimagister -. ist der geborene Pä 
agoge schlechthin. Die Liebe zur Kunsttorm der Sct 
und die Hingabe an seine Aufgabe übertrug sich sp 
tan auf seine Schüler, und die heitere, ausgeglicher 
Art ihres verehrten Lehrers wird allen, die unter seir 
Anleitung in die Schönheit der ornamentalen Schrif 
geführt wurden, zeitlebens unvergessen bleiben. 
Der Umfang des schrittkünstlerischen Werkes, das 
Hurm neben seiner Lehrtätigkeit geschaffen hat, grr 
ans Wunderbare. Außer einer Vielzahl von Urkunder 
Diplomen, die über Auttrag entstanden, darunter Ac 
sen der Republik Osterreich an den Präsidenten der 
einigten Staaten, Hoover, Sir Frankenstein, Richard 
Strauss, Otto Kokoschka, Max Mell und Alfred Goss 
mann, schuf der Schriltkünstler lnschrifttafeln aut( 
bauden, Plakate und viele Exlibris. Als Höhepunkt s 
ner Auttragsarbeiten betrachtet Hurm den Entwurf r 
die Mithilfe an der Ausführung des acht Meter hohe 
Fensterschriftbildes der Eligiuskapelle im Wiener S 
phansdom, dessen Farbwlrkung den Betrachter las; 
niert. 
Als freischaffender Künstler gehört die besondere L 
Hurms der Herstellung bildmäßiger Schrittblätter ur 
handgesohriebener Bücher. Seine Idee. die Zeilen n 
linear anzuordnen, sondern sie schwingen zu lasser 
brachte starke Bewegungsimpulse in das Schriftbilr 
Durch die Verschränkung von Buchstaben, das lneir 
dergreifen von Zeilen sowie den kontrapunktischen 
satz von Farben erzielte Hurm besondere Wirkunger 
und erreichte damit den Höhepunkt seines schriftkl 
lerischen Schaffens. 
Aber nicht nur das kunstvoll geformte Schriftbild re 
Hurm zu immer wieder neuer Gestaltung. Er beschä 
sich mit Bühnenbildentwürten, malt in Aquarell und 
Tempera und schrieb viele Gedichte und Erzählung: 
von denen leider nur wenige in Druck erschienen sir 
Neben einer Geschichte seines Lebens zeichnete er 
ne Begegungen mit bedeutenden Persönlichkeiten s 
wie seine Gespräche und Erlebnisse mit Max Mell s 
dern er durch Jahrzehnte hindurch freundschaftlich 
bunden war. Seine große Liebe zu den guten und sc 
nen Dingen der Welt veranlaßte ihn zu eingehenden 
dien über das Kinder- und Jugendbuch und dazu, äl 
Jugendliteratur zu sammeln. 
Die einzigartigen Leistungen des weit über Osterrei 
hinaus bekannten und anerkannten Meisters der Sc 
kunst wurden wiederholt durch die Verleihung von [ 
plomen und Goldmedaillen internationaler Ausstellr 
gen {Grand Prix der Weltausstellung Paris, 1937) ge 
digt. Die Mainzer Gutenberggesellschaft verlieh Hui 
die Gutenbergplakette, das Wiener Künstlerhaus de 
Goldenen Lorbeer. Die Republik Österreich ehrte ihr 
1970 durch die Verleihung des Ehrenkreuzes für Kur 
und Wissenschaft l. Klasse, die Technische Univers 
Wien l975 durch die Ernennung zum Ehrenbürger. 
Ein erfülltes, reiches Leben voll Schatfensfreude urr 
Begeisterung für künstlerische Aussage und Gestal 
auf vielen Gebieten. Möge uns der verehrte Jubilar, 
sen Kreativität und Arbeitslust die hohe Zahl seiner 
re vergessen macht, gesund und tatenfroh noch lan 
erhalten bleiben! Richard Szere
	        

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