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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 163)

Notizen 
Berlin - Propyläen-Graphik 
Georg Eisler und Alfred Hrdiicka, zwei profilierte Oster- 
reichische Künstler, die nach 1945 an der Entwicklung 
der Malerei maßgeblichen Anteil hatten, haben für die 
nPropyläen-Graphikn einige Kassetten geschaffen. Elster 
i-Landschaftena - 6 Originairadierungen, einfarbig (5 
Aquatinta, 1 Kaitnadel). Dazu Hilde Spiel: w... dieser flei- 
ßige Künstler liefert reichliche Beweise seiner zwingen- 
den Vision  und in den Graphiken erweist sich die 
Weite dieses Talents- 
Hrdllcka i-Ein Totentanz - Radierungen zum 20. Juli- 
- 53 Originairadierungen. Wieland Schmid zum Opus: 
vAifred Hrdiicka zeigt uns den einzelnen in seiner ge- 
sellschaftlichen Verstrickung, geformt von seiner Um- 
weit, ein Opfer unserer Zeiiiaufte. Aber er entschuldigt 
das Opfer nicht...- 
Hrdiickas zweite Kassette nwiener Blut-t - 16 Original- 
farbradierungen in einem nPornographieu-Zyklus. Eine 
Reihe von "bezeichnenden: Darstellungen, Positionen 
und Vereinigungen geschiechtlicher Art, die zwar hart 
erscheinen, als Persiflage fast schockierend, aber im 
Grunde sehr ernst zu nehmen sind. Hrdiicka entschiel- 
ert Extremes an Erotika, trifft In einzelnen Fallen, mora- 
lisierend, den Nagel auf den Kopf. - (Abb. 1, 2) 
Cleveiand - Museum of Art 
Des Architekten Noguchis stilistische Evolution durch 
40 Jahre dokumentierte man hier mit der Schau nNOQU- 
chi's lmaginary Landscapes: Exhibition and Reiated 
Activities- (24. 1.- 4. 3. 1979). Herausragende Beispiele 
unter den zahlreichen Archiiektur- und Landschaftspro 
jekten: Chase BankINew York. UNESCO Hauptquartier! 
Paris und lsrael MuseumfJerusalem. Wetters unreaiisier- 
te Visionäre Propositionen Noguchis, so u. a. die 1947 
entstandene gigantische Erdskuiptur eines menschli- 
chen Antlitzes mit einer Nase, die allein eine Meile 
maß. 
Die Pioniere der Piakatkunst wie Juies Cheret, Toulouse 
Lautrec sowie Aiphonse Mucha, weiche die farbilthogra- 
phierten Farbdrucke als Kunstform begründeten, waren 
die herausragenden Künstler einer Schau, die sich 
i-Seiactlons from the History of the Postern betitelte. 
Europäische und amerikanische Plakate von 1880 bis 
1900. 
Die Neuerwerbungen des Jahres 1978 in nThe 
Year in Review-r. Darunter 6 Objekte der berühmten Coi- 
iection des älteren Robert von Hirsch aus der letzten 
großen Sotheby-Auktion. Bedeutendstes Stück: Pablo 
Picasso nStili Life wlth Blscuitsn, ein spätes Beispiel 
des synthetischen Kubismus. - (Abb. 3) 
Düsseldorf - Galerie Vömei 
Galerie an der Düssel 
Gerhard Marcks' 90. Geburtstag feierte man In der Vo- 
mei mit der Ausstellung von i-Biidnissefn): aus der Hand 
des greisen Künstlers (15. 2.-31. 3. 1979). Porträts in 
Bronze, Zeichnung und Graphik von selten starker, ein- 
filhiender Wesenseinschau. Herausragend einige Promi- 
nente wie Adenauer, Brandt, Breschnjew, Heuss. Man 
erwies damit dem Künstler gebührende Reverenz, der 
grundsätzlich die Frage stellte: wist das Porträt eine 
echte Kunst?" Um sofort festzustellen: n. .. alle bildende 
Kunst ist Nachahmung-r Somit entkleidet Marcks den 
Zauber der Porträtierung durch den Künstler von aller 
Besonderheit und stellt diesen zeichnerischen Vorgang 
als etwas einfach Natürliches hin. Jedoch am Ende ge- 
steht er, daß der mit den geringst möglichen Mitteln er- 
rungene Sieg rBefreiung und Begiückungv ist. 
Wetters in der Vömei: i-Muslkalische Darstellungen-t; be- 
kannte Namen wie (wieder) Gerhard Marcks, Renee Sirv 
tenis, Alfred Kubin, Theophiie Alexandra Steinien u. a. 
Galerie an der Düssel: Gerhard Wind; österreichischer 
Künstler im Umkreis der Wiener Schule des phantasti- 
schen Realismus, zeigte Ölbilder (12. 3.- 30. 4. 1979). 
Wind verzeichnete bereits internationale Erfolge, und 
Altmeister Franz Luby sagt zum Werk: wDiese merkwür- 
dige Ruhe, die seinen Bildern innewohnt, iäßt auch die 
Luft zum gegenständlich Greifbaren verfestigem- - 
(Abb. 4) 
Gent - Benedictuscentenarium 1980 
Benedikt von Nursia, um 480 im heutigen Norclal 
Perugia geboren, 547 in Montecasslno gestorben, ist 
Gegenstand und AniaB für die sogenannte Benedlktjahr- 
hundertieier 1980. Zu dieser sind zwei künstlerische Be 
tunrhn zllannerhrinhnrv nlnfnrnztilhnnin Drnilxnufnnhn m: 
100.000.-, ein 2. Preis 50.000.- und ein 3. Preis 
25.000.- bF. Einsendung von Werken im Dezember 
1979. Nähere Bedingungen und Auskünfte i-Benedictus- 
centenarium 1980- v, z. w. Scheppende Handen Hoog- 
poort 40, B-9000 GentlBelgien. 
Wettbewerb der vExperimentalgraphik-r: Zweck ist eine 
Darstellung des hi. Benedikt in graphischer Technik für 
einen Anschlagzettei. in gleicher Art wie die Plastik. 
Künstler, die sich beteiligen wollen, müssen ihre Arbei- 
ten vom 15. 9. - 13. 10. 1979 einsenden. Hiefür ein 
Hauptpreis von 30.000.- bF. 
Hamburg - Museum für Kunst und 
Gewerbe 
Hier lief bis 25. März1979 die Ausstellung i-Literatrubel 
1900er. Sie war dem Plakat und Buch der Jugendstiizeit 
gewidmet. Gleichzeitig zeigte man im Museum Lack- 
kunst aus Ostasien und Europa, nEx oriente luxu. 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
Seit langem vorbereitet, findet nun die Ausstellung 
"Karlsruher Majolika 1901 - 19781 statt. Zwei Abschnitte, 
i-Die Großherzogliche Majoiika-Manufaktur 1901 - 1927u 
und "Die staatliche MaJoilka-Manufaktur 1927- 1978", 
vermitteln erstmals einen Überblick über die gesamte 
künstlerische Produktion der 1901 auf Anregung von 
Hans Thoma unter Großherzog Friedrich I. begründeten 
Manufaktur. Jahrzehntelang gehörte diese zu den künst- 
lerisch führenden Keramikwerkstätten Europas und ge 
noß weltweit Fluhm. Hervorragende Künstler wie die Ar- 
chitekten Biiilng, Paul, Riemerschmid, die Bildhauer 
Amberg, Behn, Binz, Lorcher, Scheurich, Speck und 
Würtenberger sowie die Keramiker Laeuger, König, Spu- 
ier haben stets mitgearbeitet. Seit 1909 nahm auch die 
Baukeramik innerhalb der Manufaktur durch internatio 
nai bedeutende Auftrage einen festen Platz im Produk- 
tionsprogramm ein. 
Die Ausstellung gibt somit Zeugnis über die künstleri- 
sche Produktion der Karlsruher Manufaktur von der 
Hochbitlte des Jugendstlls über Expressionismus und 
Neue Sachlichkeit der 20er Jahre, die Stlitendenzen des 
Bauhauses bis zu den Strömungen der Gegenwart. Alle 
modernen Ausstellungsmittei bis zum Praktikum auf der 
Töpferscheibe sowie spezielle Aktivitäten für Kinder be- 
reichern das Programm. 
London - Eiectrum Gallery 
Eigenartige, halbierte Figurationen, moderne Torsl als 
Porträts des i-Uitrafemininen- zeigte Martin Page 
Februarl März 1979. Background für diese Schmuck- 
skuipturen, etwa Swimming-pooi oder Tenniscourt. Un- 
terstrichen damit, das Glamouröse und Eigenartige die- 
ser Schöpfungen, eines Demi-Life ureigenster Prägung. 
Ein moderner Meister der (unteren) Halbfiguren. - 
(Abi). 5) 
München - Bayerisches Nationalmuseum 
Staatliches Museum für angewandte Kunst 
Kunstzentrum - Neuperiach und 
Exempia '79 
Zusammen mit dem Museum für Kunsthandwerk Frank- 
iurt zeigt das Bayerische noch bis 16. Juni 1979 wKleine 
Möbeln. 190 Objekte geben einen Überblick über Modell- 
möbei, Spiel- und Andachtsmdbel sowie Kassettenmö- 
bei. Der Begriff i-Kleine Möbel- steht für die Absicht, 
hier Objekte ohne Funktion, aber in Formen großer Mö- 
bel - quasi ohne lede praktische Anwendungsmöglich- 
keit - in verkleinertem Maßstab zu präsentieren. Ein 
bisher unbekanntes Thema, zeitlich von der Gotlk bis 
zum 20. Jahrhundert reichend. Man will hier Denkan- 
stöße über Wert und Bedeutung des Kleinen setzen, 
man denke an die zahlreichen nMini-Mundus-Kompiexec 
in aller Welt. 
im Riemenschneidersaai des Bayerischen war vom 
30. 1.- 25. 2. 1979 der i-Eislnger Kruzlfixus: von Tliman 
Riemenschnelder - Leihgabe der Katholischen Pfarrkir- 
chenstittung Eisingen bei Würzburg - ausgestellt. 
Hans Kober als Restaurator legte in einem minuziösen 
Prozeß dieses bisher nahezu unbekannte eigenhändige 
Meisterwerk Riemenschneiders in seiner ursprünglichen 
Schönheit frei. Somit konnte dieses um 1500 geschaffe- 
ne, künstlerisch hoch bedeutsame Kruzifix als wertvol- 
ler Bestandteil des Gesamtwerkes von Riemenschneider 
wiedergewonnen und sichergestellt werden. 
in der Neuen Sammlung das Staatlichen Museums für 
znnnurandtn Kllnet 7nintn man vnrn 9D 1 bis 11 f! 19711 
tag dreifach Ausdruck finden läßt, berichtet über: 
Bildhauers Leben mit seinen arabischen Voiibiutp 
den. Denn er züchtet solche auch, lebte von Kind 
Pferden, mußte sie sich vorstellen, sich herbeiziet 
sich herbeibetteln, sie sich wvormachenn, d. h. sicl 
bilden (aufbuidln), wie man dort sagt. Koenig also 
echter Pferdenarr in einem gesunden Sinn. Daher 
es auch Vergnügen, alles, was er aus dieser wunc 
ren Welt der Pferde offenbart, auf sich einwirken z 
sen. Wir kehren damit an Ursprünge zurück, die st 
Menschengedenken Fixpunkte menschlichen Dasi 
und Fortkommens waren, als man noch auf dem 
Rücken der Pferde lebte. Ob Plastik, Grafik oder lt 
diges Foto aus Stall und von der Weide, Koenig is 
künstlerischer Voiiblüter, und gerade seine gestüt 
Abgeschiedenheit. diese Verquickung von Leben t 
Kunst, bedingt sein Werk. Er geht auf Biennaien, 4 
Kasseler documenta, ist Lehrer an Universitäten L 
schuf hervorragende zeitgemäße Skulpturen, so d 
gelkaryatideu für die Brunnenaniage im World Tra 
Center New York sowie u.a. wRutzeichen-t für Han 
und die Technische Hochschule Darmstadt. 
nExempla 79a lauteten der Titel und das Thema ir 
blick auf Arbeit und Lebensform im Kunsthandwe 
im Rahmen der 31. Internationalen Handwerksme: 
München stattgefundenen Veranstaltung. 34 nami 
Kunsthandwerker aus 11 Ländern, 14 kunsthandw 
che Bereiche vertretend, gaben, ergänzt durch Fol 
portagen, Einblicke in ihre Arbeitswelt und ihr per 
ches Leben. - (Abb. 5) 
Nürnberg - Germanisches National- 
museum 
Opernhaus Nürnberg 
Die AIbrecht-Dürer-Gesellschaft mit der Galerie Lt 
Zürich, präsentierte den i-Raumgrafikern Günter H 
nach der Linzer Neuen Galerie im i-Germanischen 
Drahtpiastiker übt mit seinen fragilen Objekten, d 
sächlich wie dreidimensionale Grafiken dastehen, 
los eine bezwingende Wirkung aus. Hasses künst 
sche Welt, die eines Synthetikers zwischen Gold- 
schmied und Mathematiker, ist von einer Eindring 
keii und Besonderheit, daß man Ihr einen eigenen 
innerhalb der Kunstszene geben muß. Entstanden 
einer Fülle von Ideen, Einfällen, die zu den manni- 
sten Assoziationen führen können, stützt sich die 
Werk auf sein asthetlsch-technoides kiangneues I 
nosum. 
Das Foyer des Opernhauses Nürnberg beherbergt 
B. 1.- 18. 2. 1979 das Werk des Ehrenpreistragers 
ninternationaien Giaswettbewerbes Coburg 1977- 
Kristian Kiepsch. Giasgeschnittene Bilder mit Grt 
themen der menschlichen Existenz, wie uNächste 
liebe-r, nKreisiauf des Lebens-t, wVersuchung-r, i-Se 
sucht-t, Objekte von schlichter Klarheit und starke 
sage. 
Regensburg - Ostdeutsche Galerie 
Museum der Stadt Regensburg 
in der ansehnlichen Ausstellungsreihe der Ostdet 
schen präsentierte man zur wWoche der Brüderllci 
mit der Künstiergilde Essiingen a.N. Roger-Loewii 
Bilder, Zeichnungen, Graphik und issai Kuivianski 
Gemälde, Aquarelle, konstruktive Plastik. Loewig, 
seitig, zeichnet und malt, ist Grafiker, aber auch [ 
ter. Dennoch ist er in allem autonom, und es kanr 
daB ihm aus Zeichnungen Gedichte erwachsen, w 
weist, wie das Schöpferische ineinander wechsele 
zu wirken imstande ist. Einer seiner Biidtitei, WMei 
schönes, mein tiefes, mein blaues Land biühtu, is 
sich schon Poesie. Bisweilen zeugen surreaie Fig 
nen und Bereiche neben gegenständlichen Darste 
gen von der Unerschoptiichkelt seines künstierisc 
Sehens und dessen Artikuiierung. 
issai Kulvianski, Litauer, verzeichnet als nachhait 
Erlebnis seine Freundschaft mit Chaim Soutine. ß 
Max Liebsrmann, Marc Chagall und Lovis Corinth 
hen maßgeblich in seiner Lebensbahn, für sein Sc 
fen. Als Bildhauer begonnen, zum Maler, Grafiker 
Bühnenbiidner, aber auch konstruktiven Piastiker 
den, nützte er seine pädagogische Begabung in ls 
an einer Schule fürjunge Kunstiehrer. Mit der Doi 
tation des Werkes von issai Kulvianski hat sich dl 
deutsche der dankenswerten Aufgabe unterzogen. 
wesentlichen Anteil jüdischer Künstler innerhalb i 
modernen Kunst aufzuzeigen. 
im Museum der Stadt Regensburg ehrte man eine
	        

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