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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 163)

Emil Jakob Schindlers Leben und Werk bedeutete 
für das Österreich des ausgehenden 19. Jahrhun- 
derts gewissermaßen den Kristallisationspunkt je 
ner Bestrebungen in der Landschaftsmalerei, die 
darauf abzielten, die Natur nicht nur in ihrer äuße 
reri Erscheinungsform, unter besonderer, epoche 
bedingter Berücksichtigung der Phänomene von 
Licht und Luft "richtig" wiederzugeben, sondern 
durch die momentanen atmosphärischen Gege 
benheiten hindurch das allgemein Wesensmäßige 
der Natur sicht- und fühlbar zu machen. 
Die Geschichte der österreichischen Landschafts- 
malerei im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts 
wird - Einzelgänger wie Carl Schuch und Theo 
dor von Hörmann ausgenommen - von den Ma- 
lern bestimmt, die in den sechziger Jahren des vo 
rigen Jahrhunderts die Landschaftsschule der 
Wiener Akademie der bildenden Künste unter der 
Leitung Albert Zimmermanns besuchten. 
3 
 
Die wichtigsten nahezu gleichaltrigen Zimmer- 
mann-Schüler waren Emil Jakob Schindler (1842 
bis 1892), Eugen Jettel (1845-1901), Adolf Dit- 
scheiner (1846-1904), Robert Russ (1847-1922) 
und Rudolf Ribarz (1848- 1904). 
In engem künstlerischen wie menschlichen Zu- 
sammenhang mit diesen stehen jene Maler und 
Malerinnen, die nach 1874 zu Schindlers privatem 
Schülerkreis zählten, nämlich Tina Blau (1845 bis 
1916), Olga Wlsinger-Florian (1844-1926), Maria 
Egner (1850-1940), Marie von Parmentier (1846 
bis 1879), Eduard Zetsche (1844-1927) und der 
um eine Generation jüngere Carl Moll (1861 bis 
1945). 
Das Verbindende zwischen diesen sehr individuel- 
len Malern ist, nach äußerlichen Gesichtspunkten 
betrachtet, einerseits die Persönlichkeit Schind- 
lers, sei es als Mitschüler, sei es als Lehrer, und 
andrerseits die nicht zu unterschätzende Zugehö- 
 
 
irgendein anderer Kunstler der bandigenden 
Kunsllorm Meister. aber auch mehr wie ieder 
andere der Nalurerscheinung völlig untertan 
sein, Der Landschalter kommt - als Künst- 
ler 7 nie in die Lage, die Natur abzuschrei- 
ben, er muß sie aber durchaus erkennen... 
Seine Pflanze steht in keinem botanischen 
Werke, seln Stein in keiner Mineralogre, er 
hat es bei allen Dingen nur mit jenem 
Extrakte zu tun, den sein Auge aus ihrem 
Dasein sehen soll." 
 
Emil Jakob Schindler 
rigkeit zur gleichen Generation der in den vierziger 
Jahren Geborenen. 
Das gemeinsame fundamentale Hauptmerkmal ih- 
rer Malerei ist ein "poetischer Realismus", der mit 
den Mitteln des Pleinarismus und der Stimmungs- 
malerei die "wirkliche Wirklichkeitrr (wie es Adal- 
bert Stifter in seiner Malernovelle "Nachkommen- 
schaftenu geradezu programmatisch formulierte), 
also die Natur in ihrer ganzen Breite und Tiefe 
bildlich zu erfassen suchte. Diese spezifisch 
österreichische Form der Wirklichkeitsdarstel- 
lung wird im allgemeinen als "Stimmungsimpres- 
sionismusrr bezeichnet, wobei eine inhaltliche wie 
formale Abgrenzung zum französischen Impres- 
sionismus zu ziehen ist. 
Die Werke aus Schindlers Akademiezeit von 1861 
bis 1869 weisen traditionsbedingt noch deutlich 
biedermeierlich-romantische Züge aufi. Schon in 
den Naturstudien von der Flamsauer Ache und 
2 Emil Jakob Schindler, "Mühle in Plankenberg-r, 1885 
bis 1892. OllLeinwand, 94x 124cm. Historisches Mu- 
seum der Siadl Wien, lnv. Nr. 59892 
3 Robert Fluss, iiSüdliche Dorlstraßeri, um 1885. Oll 
Leinwand. 118x153cm, bez. r. u. nFtobert Fluss-r. 
Privatbesitz, Wien 
4 Emil Jakob Schindler, iiHolzläller im Walde 7 Fe- 
DHJEVSlImmUTIQM, 1883184. 0llLeinwand, 120x94cm. 
Osterreichische Galerie. lnv. Nr. 5228 
Anmerkungen 1-9 
t Als repräsentatives Frunwerk kann das große Olgemalde nWald- 
trauleirls Gebum von lasrlss gelten (Gemaldegalerie der Akade- 
rnie der bildenden Künste. Wien). dessen Thema Joseph Christian 
Zedlitz" romantisch-epischer Dichtung i-Das Waldfräulelnk ent- 
nornrnen ist 
1 Carl Moll EmilJakob Schindler, Wien 1930, p.9fl. (Zitat Schind- 
ch gestehe. daii mirein mitGeschrrlack srrangierterGar- 
Ein zopflger Park, lieber isi. als der schonste rwildei 
 
7 Klaus Dernus. Ernll Jakob Schlndlers Zyklus "Die Monate-r und der 
Stimmungsimpresslontsmus, lrl' Mitteilungen der Österreichi- 
schert Galerie, wien 1959 
Carl Moll op cli, p a5 
S -Muhle in Fisnkerlberge. OllLwrL, 25 : 315cm, Österr Galerie, 
Wien lnv Nr 2440 
' Heinrich Schwarz, Kuristlerdokumenie. Wien 192a 
' Alois Riegl, Die Stimmung als Inhalt der modernen Kunst, in' DIE 
graphischen Kunste, XXll. lass 
' Klaus Demus, Op Cll 
g Hartwlg Ftscrtal, J E Schindier uber die Landschaftsmalerei. a0 
Beilage zu den Monatsblattern des wissenschaftlichen Clubs in 
Wien. Nr 6. 1893
	        

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