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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

 im: auaäx.  niilim?  I . 
B Kreuztragung Christi. Ausschnitt aus dem Antepen- 
dium von Königsfelden. Leinen, Stickerei in Seide. 
Gold-und Sllbertäden, teilweise Applikationen. Ge- 
samtgröße 90x318 cm, Wien um 1340l50. Histori- 
sches Museum Bern. Das Antependium mit 7 Szenen 
aus der Passion und Verklärung Chrlstl ist eine Stif- 
tung Herzog Albrechts li. für das Hauskloster Königs- 
felden. Das Stück, dessen Stil sich eindeutig von der 
Wiener Malerei der Zeit herleitet (vgl. Abb. 14), ist zwei- 
fellos in Wlen entstanden. 
Der kunsthistorische Teil der Ausstellung führt 
den Besucher kontinuierlich durch die Stilentwick- 
lung eines Jahrhunderts. Diese Entwicklung be 
ginnt mit dem späten wZackenstil-r im letzten Vier- 
tel des 13. Jahrhunderts, der bisher oft zu Unrecht 
noch der romanischen Epoche zugerechnet wurde 
(Abb. 3 und 4). Um die Jahrhundertwende erfolgt 
der Übergang zum eigentlich gotischen Linienstil. 
Ein Buchmaler-Atelier, dessen Arbeiten fast 
lückenlos gezeigt werden können, markiert diesen 
Übergang am deutlichsten. lhr berühmtestes 
Werk ist die Weltchronik des Rudolf von Ems in 
der Münchener Staatsbibliothek. Aus derselben 
Werkstätte stammt die Prachthandschrift der Hi- 
storia Scholastica des Petrus Comestor aus der 
Sammlung Ludwig in Aachen. Im ersten Viertel 
des 14. Jahrhunderts erfolgt die entscheidende 
Begegnung zwischen dem Oberrhein und Öster- 
reich. Bezeichnenderweise ist in dieser Epoche 
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noch gar nicht der herzogliche Hof die führende 
Kunstmacht. In Klosterwerkstätten des Donaulan- 
des - vor allem in St. Florian und Klosterneuburg 
- werden zuerst die westlichen Anregungen 
künstlerisch verarbeitet (Abb. 10 und 11). Im zwei- 
ten Viertel des Jahrhunderts kommen neben den 
westlichen auch italienische Einflüsse zur Gel- 
tung: das Genie Giottos schlagt auch die österrei- 
chischen Künstler In seinen Bann (Abb. 14 und 15). 
Es ist zugleich die Zeit, in der Mystik die Künstler 
zu packenden und ergreifenden Werken inspiriert. 
Das schdnste Beispiel dafür mag das Friesacher 
Mystikerkreuz bieten. Auch Werke von geringerem 
Rang geben Zeugnis dafür, wie stark die Kunst 
von der Mystik beeinflußt war. In der Literatur fin- 
den sich ja in Österreich bedeutend weniger Bele- 
ge dafür als im Westen - waren in unseren Lan- 
den wirklich nur die Künstler sensibel genug, um 
diese neue Geistlgkelt zu verstehen und zu ver- 
breiten? Die monumentalsten und kostbarsten 
Werke dieses Abschnittes sind die vier Tafelbilder 
von der Rückseite des Verduner Altars in Kloster- 
neuburg, die gleichermaßen westliche und italie 
nische Einflüsse verarbeiten und stark von der My- 
stik geprägt sind. Die Glasmalereien aus Kloster- 
neuburg und Königsfelden beweisen, wie sehr um 
1330 bereits österreichische Einflüsse im Westen 
wirksam sind. 
Eines der kostbarsten Stücke dieser Ausstellung 
stellt das berühmte Antependium aus dem Kloster 
Künigsfelden dar (heute im Bernischen Histori- 
schen Museum), das zum ersten Mal in Österreich 
gezeigt wird. Es entstand um 1340150 in einer Wie- 
ner Klosterwerkstätte (Abb. 8). Andere textile Wer- 
ke dieser Zeit sind wohl literarisch überliefert, 
aber nicht im Original erhalten. Den gleichen ver- 
feinerten, preziösen Stil zeigt die Kaufmannsche 
Kreuzigung aus Berlin, die entgegen der herr-
	        

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