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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

die Konfiguration der tabernakelgeschmückten 
Mensa mit dem (anscheinend) freischwebenden 
Altar-vBildß der lmmaculata-Statue ohne eine be 
stimmende Einwirkung jenes von Bernini begrün- 
deten Altartyps denkbar ist, bei dem Engel das Al- 
tarbild schwebend über der Mensa tragenzß. (Fast 
alle Altäre Berninis sind Beispiele des Hereinbre 
chens der Transzendenz in den konkreten Kirchen- 
raum.) 
Zum andern stellte Filippo Juvarra 1708 - eigen- 
tümlich fast gleichzeitig, aber gewiB völlig unab- 
hängig von Fischer - in seinem einzigen römi- 
schen Werk, der Ausstattung der Cappella Anta- 
moro in San Girolamo della Carita, die Glorie des 
hl. Filippo Neri in das Licht des hochovalen 
Fensterszg und bestätigte damit, darin völlig Ober- 
einstimmend mit Fischer, nla sua vasta cultura, la 
sua raffinata eleganza e la sua serieta protes- 
sionaleßßtt. 
Ein weiterer Vergleich drängt sich auf, der mit 
Asams in die Kirche einreitenden hl. Georg am 
Hochaltar von Weltenburg von 17213lz Asams frü- 
her römischer Aufenthalt hatte ihm hier letztlich 
"die Möglichkeit erschlossen, seine eigene. glut- 
voll ekstatische und den Prunk himmlischer Palä- 
ste schauende Bildphantasie zu gestalten... 
Durch die offene Triumphpforte des Altares bricht 
die Lichtfülle einer überirdischen Welt, die den 
himmlischen Fleiter umglänzt - göttliches Licht, 
das wie ein Unterpfand des Sieges in der Lanze 
zur Flamme geworden istßzw. Die architektonische 
Anordnung ist hier anders als in der Kollegienkir- 
che. Die Fleiterstatue steht anstelle eines Altarge 
mäldes in der (oben rundbogig geschlossenen) 
Rahmung des Hochaltaraufbaus etwas vor dem 
Mittelpunkt der halbkreisförmigen Apsis und ist 
durch seitliche, vom Beschauer nicht einzusehen- 
de Fenster be-vleuchtetii. Die lichterfttllte Folie 
aber, vor der die Skulptur steht, die helle Apsis- 
wand also, erweist sich bei näherem Zusehen - 
ist das Thema nur Zufall? - als monumentales 
Fresko mit der Darstellung der Verherrlichung der 
lmmaculata. 
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3 Filippo Juvarra, Entwurfsskizze (r-Pensierou) für den Fi- 
lippoNeri-Altar in der Cappella Antamoro in S. Girola- 
mo Ia Caritä, Rom; Turin, Biblioteca Nazionale. 
4 Weltenburg, Benediktinerabteikirche, Hochaltar: Ent- 
wurf Cosmas Damian Asam, 1721!24 
5 Fotomontage der Rekonstruktion des Glorienlensters 
über dem Altar der Cattedra Petri im Petersdom. Rom, 
durch Kurt Rossacher (vgl. Anm. 45) 
Von den angeführten Lösungen unterscl 
sich Fischers Hochaltar der Kollegienkirche 
das (wesentliche) Aufreißen der Chor- 
Altar-!)Wand mittels großer Fensterflä 
Hagen-Dempfs Hinweis, daß dabei für F 
"der Salzburger Dom vorbildlich geweser 
mag, dessen Apsis durch ie drei Fenster i 
Stockwerken hell beleuchtet istuu, kann n 
den Raum und nicht für den Hochaltar si 
sein. Und über dem "Hochaltarbildii schuf C1 
"in dem Gwelb umb das Ovalfensteru - bei - 
linormalenii Barockaltar wäre hier das Aufsa 
angebracht - "nach des Herrn Fischers . 
gung eine Glori mit Engeln und Cherubim 
Wenn aber Licht von einer Engelsglorie um- 
wird, dann muß doch diesem Licht ein ti 
Sinn eigen sein. 
Ernst Benz, der vor einem Jahr verstorben: 
burger Theologe, schrieb 1969: nDie Scha 
Lichts stellt wohl die ursprünglichste FOHTH 
fahrung Gottes, der Erfahrung der transzenc 
Welt überhaupt dar. Das Licht ist mehr als e 
Bes Symbol Gottes: es manifestiert das lt 
Gottes selbst... Unter den Phänomene 
christlichen Vision ist die Schau des gött 
Lichts die beherrschende Form der visionär 
fahrung. So erscheint zum Beispiel vor Dam 
dem Saulus der auferstandene Herr in Gesl 
nes starken Lichtes vom Himmel, das ihn st 
det, daß er drei Tage lang das Augenlicht v 
(Apg. 9,3). Derartige Lichtvisionen setzer 
durch die ganze Geschichte der christliche 
che bis in unsere Tage hinein fort... Unte 
überwältigenden Einfluß ihrer Schauunger 
den die Lichtvisionare nicht müde, den 
schied zwischen dem himmlischen und der 
schert Licht immer aufs neue hervorzut 
1. Das göttliche Licht ist kein totes Licht, sr: 
ein lebendiges, schöpferisches, lebenssch 
des Licht. ,Licht aber zeugt Licht in allen 
82,6). 2. Das göttliche Licht ist die Liebe, c 
Liebe im Menschen weckt. 3. Das göttliche 
verweilt nicht in seiner himmlischen Trai
	        

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