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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

na, welcher der auferstandene Christus er- 
scheintz. Auf welche Weise das wohl im Jahre 
1858 von seinem ursprünglichen Ort entfernte Ai- 
tarblatt in die Klosterkirche von Frauenchiemsee 
gelangte. bedarf noch der Aufklärung; den Hin- 
weis auf dessen gegenwärtigen Verbleib verdan- 
ken wir jedenfalls Sigmund Benker vom Bayeri- 
schen Landesamt für Denkmalpflege? Dagegen 
befindet sich die zugehörige Predella von der 
Hand Amigonis mit einer Darstellung des bethle- 
hemitischen Kindermordes im Besitz des Freisin- 
ger Diözesanmuseums und wurde ebenfalls erst 
kürzlich durch Peter Steiner bekannt gemacht". Es 
genügt ein Blick auf dieses Altarwerk, um die hier 
noch ganz unmittelbar fortbestehenden Beziehun- 
gen zu dem von durchaus kiassizistischer Diszi- 
plin beherrschten Figurenstll Antonio Baiestras 
festzustellen. 
Stärker noch auf die auch für Balestra verbindli- 
che Vorstellungswelt Marattas verweist das im 
Jahre 1807 aus einer der damals abgebrochenen 
Freisinger Stiftskirchen nach München überführte 
Altarbild von der Hand Amig0nis5 mit einer Pre 
digt Johannes des Täufers (Abb. 1). Ein Widerhall 
römischer Erinnerungen aus des Künstlers Früh- 
zeit wird hier nicht nur angesichts der auf wenige 
Einzelfiguren beschrankten, klar gegliederten 
Komposition vernehmbar, ein solcher klingt deut- 
licher noch an mit dem beherrschenden Motiv der 
statuarisch behandelten Gestalt des Täufers. 
großzügig umfangen von einem für die zeichneri- 
 
na, welcher der auferstandene Christus er- 
scheint? Auf welche Weise das wohl im Jahre 
1858 von seinem ursprünglichen Ort entfernte Al- 
tarblatt in die Klosterkirche von Frauenchiemsee 
gelangte. bedarf noch der Aufklärung; den Hin- 
weis auf dessen gegenwärtigen Verbleib verdan- 
ken wir jedenfalls Sigmund Benker vom Bayeri- 
schen Landesamt für Denkmalpflegeß. Dagegen 
befindet sich die zugehörige Predella von der 
Hand Amigonis mit einer Darstellung des bethle- 
hemitischen Kindermordes im Besitz des Freisin- 
ger Diözesanmuseums und wurde ebenfalls erst 
kürzlich durch Peter Steiner bekannt gemacht4. Es 
genügt ein Blick auf dieses Altarwerk. um die hier 
noch ganz unmittelbar fortbestehenden Beziehun- 
gen zu dem von durchaus klassizistischer Diszi- 
plin beherrschten Figurenstil Antonio Balestras 
festzustellen. 
Stärker noch auf die auch für Balestra verbindli- 
che Vorstellungswelt Marattas verweist das im 
Jahre 1807 aus einer der damals abgebrochenen 
Freisinger Stiftskirchen nach München überführte 
Altarbild von der Hand Amigonis5 mit einer Pre- 
digt Johannes des Täufers (Abb. 1). Ein Widerhall 
römischer Erinnerungen aus des Künstlers Früh- 
zeit wird hier nicht nur angesichts der auf wenige 
Einzelfiguren beschrankten, klar gegliederten 
Komposition vernehmbar, ein solcher klingt deut- 
licher noch an mit dem beherrschenden Motiv der 
statuarisch behandelten Gestalt des Täufers, 
großzügig umfangen von einem für die zeichneri- 
2 
Jacopo Amigoni. Johanriispredigt. OllLeinwand. 
B3 x 56 cm, Bayerische Staatsgemaldesammlungen 
Jacopo Amigoni, Taufe Christi, OlILeinwand, 
27Bx 172 cm, Bayerische Staalsgemäldesammlungen 
Jacopo Amrgoni, Taufe Christi (Detail). Bayerische 
Slaatsgemäldesammlungen 
Giovanni Antonio Pellegrini. 
Fussen, St. Mang 
Jacopo Amigoni, Engel mit Schriftband, Fresko, Otto- 
beuern, Abtei 
Rosenkrarizmadorina, 
Anmerkungen 2.4 
" A Meyer, Die Dnrrlkirchezu U L Frau in Muncrlen Murictran 1558, 
S 252 
l Angaben über den Auftraggeber und die ursprüngliche Herkunft 
des Gamaldes fehlen bislang. 
' Peter Stelriar, Baracke Bildwerke aus der MünchnarLiebfrauenkir- 
che, in. irAlte und moderne kunst", 221150, 1977, s. s u. Abb. 11 
20 
sche Gesamtauffassung des Bildes exemplari- 
schen Kontur, Eine entsprechend ausgewogene 
Farbigkeit bringt daneben Eindrücke von seiten 
der Kunst Solimenas mit ins Spiel, dessen Vorbild 
auch in den von Amigoni verwendeten Kopftypen 
erkennbare Spuren hinterlassen hat. 
Ein wenn nicht dieser, so doch einer vergleichba- 
ren Darstellung zugrunde liegender Modello Ami- 
gonis für eine Johannispredigt (Abb. 2) aus dem 
Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlun- 
gen faßt das Thema ungleich lebhafter in einem 
von unten links dynamisch ansteigenden Ablau 
der nach oben mit dem gleichen Puttentrio wie in 
_dern ausgeführten Bilde verklingts. Während im 
letzteren Falle aus der spiegelverkehrten Anwen- 
dung des malerisch locker skizzierten Münchner 
Entwurfes die monumentale Auffassung eines 
spätbarocken Kirchenbildes römischer Observanz 
resultiert, folgt ein erst kürzlich der Vergessenheit 
entrissenes, weiteres Altargemälde aus Amigonis 
Münchner Zeit eher der jenem Modello innewoh- 
nenden, szenischen Intensität. . 
Diesmal handelt es sich um ein Altarblatt milder 
Taufe Christi (Abb. 3), das nach dem Jahre 1802 
als Säkularisationsgut aus dem Kloster Benedikt- 
beuern nach München überwiesen wurde und zu- 
nächst im Augsburger Katharinenkloster Aufnah- 
me fand. Von dort gelangte es bereits im Jahre 
1833 als Leihgabe in die evangelische Pfarrkirche 
der bei Ulm gelegenen Ortschaft Holzschwang. 
wo das Bild seither jeder weiteren Beachtung ent- 
zogen blieb7. Eine im vergangenen Jahr vorgenom- 
mene Untersuchung desselben ermöglicht es nun- 
mehr, das Stück an dieser Stelle erstmals öffent- 
lich vorzuführen. 
Im Gegensatz zu den bisher betrachteten Beispie
	        
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