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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

3 Johann Bernhard Fischer von Erlach, Grabmal des 
Grafen Johann Wenzel Wratislaw von Mitrowitz in der 
SL-Jakobs-Kirche in Prag, 1714116 (Stich aus J.B. Fi- 
scher von Erlach iiEntwurH einer Historischen Archi- 
tekturii, 2. deutsche Ausgabe, Leipzig 1725, 4. Buch, 
Taf. 21) 
4, 5 Details aus dem Modell Abb. 1 
Anmerkungen 9-22 
' Skoiepovä (1957. S 1:14,Anm. 11:1) schweift auf der Suche nach 
dem Vorbild für diese verandeiung des Figurlichen unnötiger- 
weise -in die Ferne- Sie halt einen Eiriiluli der Pieta von Georg Fla- 
phael Donner im Dom zu Gurk lur maßgeblich. deren Kenntnis bei 
Platzer sie sich durch die Vermittlung einer Zeichnung oder eines 
Modells vorstellt 
Neumann. 1969, Abb. 234. Vgl. dazu auch die von Flammenvasen 
rlankierte Pyramide au1 dem Giebel der Fassade von st. Johann am 
Felsen in Prag. 1730739 lNeumann. Abb 75: Ausst Kat. Johannes 
von Nepomuk, 1971, Abb 2: 1973, Abb 13) 
" Vgl. den Apollo aus der Zeit um 1760 in der Orangerie des Schlot!- 
parks von bobrls (Blazicek, 195a. Abb. 292) oderauch die dortigen 
Nereiden der Helles-Fontäne (Neumann. 1969, Abb 231). 
U Vgl. die glatte, metallisch wirkende Oberflachsnbehandlung der 
aus Holz geschnitzten l-lauslassadanskulptur einer Madonna mit 
dem hl Simon Stock von 1755 in Prag lalazicek. 195a. Abb. 296). 
Die Figur das Nepumuk ist in Korperhaltung und Gewandariord- 
nung eine rast wörtliche Wiederholung des standbildes auf dem 
Nepomukaltar Platzers von 1752 in der Filialkirche in utery talazi- 
cek, 195a, Abb. 2ao). das beim Bregenler Werk einfach in die waag- 
rechte gebracht wurde ber quer uber den rechten Oberschenkel 
geluhrte, hochaulstehende und im Zickzack geluhrte Steg des 
chdrhemdes ist bei beiden Figuren. unabhangig von ihrer unter- 
schiedlichen Korperhaltung. volllg identisch 
" Neumann. 19s9, Abb 235 
'i ygl. die identisch gebildeten Flugel der Engel am Neoomukaltar in 
utery ißlazicek, 195a. Abb 250, ierner Abb 291 mit einem Engel 
von 1765i 
" skorepdva. Tal. LXtl. oetaiientsprechungen, etwa rtir die straffen 
Zugfalten der soutane zwischen den unierschenkeln des Bregen- 
zei Nepomuk. weisen die in den 60er Jahren entstandenen Figuren 
Platzers in St. Niklas in Frag aul tskbrapova, 1957, Tal, XLVlll: Bla- 
iiüek, 195a. Abb. 299). 
" Neumann, 1969. Abb 227. Blazicek, 195a. Abb 269 
" Blazicek, 195a, Abb. 294. Der hochaulstehende. im Zickzack ge- 
führte Steg des Chorhemdes vor dem rechten Oberschenkel des 
Hermann Joseph ist in wbrtlicher Entsprechung beim Bregenzer 
Nepomukzu finden lund auch beim Napomuk in utery, s. Anm. 13). 
Auch derMantelwurl llTt Riickan derlvladonnaantsbricntdem beim 
großen Nepomukengel des Bregenzei Modells, ferner gleicht sich 
die glatte teigige Bildung der plattgedruckteri Wolkenscheiben. 
Immerhin weist auch das ausgeiuhrte Prager Nepomukdenkmal 
einen zweistufigen Unterbau au1 (Abb -Hll'lW9lS1l'l Anm 4). 
uber andere derartige nevetionalkdpien der VDH Prag ausstrah- 
ienden und die dortigen Nepomukdenkmaler kornriierrioiierenden 
Nepbmukiraianiung, speziell die seines Grabmals und seiner Fälle 
quieri. habe icn eine eigene unraisirchung in vorbereitiing 
1' s Matsche.197slLii in Anm 2), s iis mit Anm 11a 
12 Nach o.J oiazicak, Prag und wien im soiegal der Barockplastlk, 
in: Min. d. Osterr Galerie. Jg I6 1972, Nr so. s 45, Anm s5. 
I] 
ZU 
der Durchgestaltung der Flügel sind beim Michael 
in Tepl oder beim Chronos des dortigen Hroznata- 
Grabmals, aber auch bei vielen anderen Werken 
Platzerslä direkte Prallelen zu beobachten: der 
glatte Rücken des Flügels, aus dem nach dem ge- 
rundeten Gelenkknick die oberste Schwungfeder 
wie aus einer Metallhülse hervorkommt, und die 
identische Durchbildung der Federn des Flügels. 
Die Faltenbildung der Gewänder laßt sich als cha- 
rakteristisch bei zeitlich anschließenden Werken 
Platzers genauso wiederfinden, z. B. bei den Figu- 
ren des Hochaltars der Klosterkirche von Slrahov 
von 176816, bei denen auch die typische Flügel- 
form vorkommt. Mit den iiverwehtenrr Frisuren der 
Bregenzer Engel und Putti, deren Locken in die 
plastische Form der Köpfe z. T. fast negativ einge- 
schnitten sind, stimmen die der Vasen-Putti auf 
den Chorschranken in Strahov von 1768 gut 
überein". 
Berücksichtigen wir noch, daß es sich bei den Bre- 
genzer Figuren gattungsmäßig um Bozzetti aus 
naturfarben belassenem, polierten Holz handelt, 
so haben wir für die Materialbehandlung und den 
Schnitzstil mit seinen z. T. grob und flüchtig aus- 
geführten und daher manchmal fast unbeholfen 
wirkenden Details ein völlig entsprechendes Werk 
Platzers in einem in Prag aufbewahrten Bozzetto 
mit der Madonna und dem seligen Hermann Jo- 
seph aus der Zeit zwischen 1760 und 1770m, also 
aus der Entstehungszeit des Bregenzer Modells. 
Als Fazit ergibt sich also eine ziemlich sichere Zu- 
Schreibung des Bregenzer Werkes an Platzer, das 
sich damit als sein erstes Modell für das Nepo- 
mukdenkmal am Chor des Prager Veitsdoms von 
1763 erweist. Wegen seines architektonischen 
Aufbaus wurde es aus den bereits dargelegten 
Gründen für die Ausführung verworfen. Aufgrund 
seiner sorgfältigen Ausarbeitung und seiner Auf- 
sockelung auf einen zweistufigen Untersatz, wie 
bei einem Altar(0b dies bereits in seinem i-Modell- 
5 
Stadlumrr geschah oder nachträglich, ist 
fraglichw), konnte dieses ehemalige Modell als 
ein in sich vollendetes Klein-Kunstwerk autonom 
existieren und zu einem Kult- und Devoti0nalge- 
genstand, etwa als Hausaltärchen werden, der 
das Prager Nepomukdenkmal zitiert, den Andach- 
tigen auf dieses verweist. Es konnte zu einer auf 
den Prager Nepomukkult verweisenden Devotio 
nalkopie werden. wie sie gerade in der Nepomuk- 
verehrung nicht selten sind?" und wie sie in ähnli- 
cher Weise bei einem anderen nepomuzenischen 
Kleinmodell zum Nepomukgrabmal im Prager 
Veitsdom zu beobachten ist, von dem sich ein in 
kostbarem Material ausgeführtes Exemplar in der 
bischöflichen Residenz in Passau erhalten hat, 
das aus dem Besitz des Wiener Kaiserhofes als 
Geschenk Maria Theresias dorthin gekommen 
istzl. 
Auch in dieser Hinsicht ließe sich zu Platzers 
Nepomuk-Modell eine Parallele konstruieren: 
Nachdem Platzer in den Jahren 1775 bis 1777 für 
Maria Theresia in Wien tätig gewesen war - er 
hatte für den Garten von Schloß Schönbrunn Sta- 
tuen antiker Thematik nach Entwürfen von Chri- 
stian Friedrich Wilhelm Beyer ausgeführt - über- 
reichte er vor seiner Abreise aus Wien der Kaiserin 
angeblich eine Schnitzerei mit dem hl. Johannes 
von Nepomukzz, mit der, wenn nicht das Bregen- 
zer Modell, so doch Ähnliches, vielleicht das ver- 
schollene zweite Modell zum Prager Nepomuk- 
denkmal identifiziert werden könnte. 
l Anschrift des Autors: 
Univ.-Prof. Dr. Franz Matsche 
Institut für Kunstgeschichte 
der Universi 't Murister 
Domplatz 23 
0-4400 MunsterlWf. 
  
25
	        

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