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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

KUNöTTRANS 
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Wien 1, Franziskanerplatz 1, 
Tel. 528468, 522712. 
Telex 01-2199 termar a_ 
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Arttransport 
Varia, Buchbesprechungen 
i 
Bundesministerium für Wissensche 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
Museen und Kunstsammlungen 
197811979 
Das Bundesministerium lur Wissenschait 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen in den Monaten 
 
November 111 
Dezember 109 
Jänner 100 
Februar 116 
März 120 
Besucher gezählt wurden. 
Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich (Nachtrag) 
Oberösterreich 
Linz Stadtmuseum, Nordico 
Naive Malerei und Kohleskuipturen 
Als ein Besonderes diese Schau von reinen Laien- 
künstiern. Fünfzehn Aussteller mit Bildern und Plasti- 
ken, die wohl aus einem volkstümlichen Bereich kom- 
men, vielfach aber auch die unterschiedlichsten Einflüs- 
se der professionellen Malerei aufnahmen. Der Werk- 
stoff der Bildhauer ist neben dem herkömmlichen Holz 
und Ton nun auch die Steinkohle. immer wieder greifen 
diese Laien, selbst Bergarbeiter, auf das Geschehen in 
den Gruben zurück, stellen Situationen und Landschaf- 
ten des Kohienpotts dar. (10. 11.- 3. 12. 1978) ' 
Ed Kienholz - The Nativity 
Edward Kienholz gehört zu den bekanntesten amerikani- 
schen Objektkünstlern, und The Nativity ist eines seiner 
großen wTableaux-i. Es ist eine Weihnachtskrippendar- 
steiiung mit gefundenen und verfremdeten Gegenstan- 
den. So liegt etwa statt des i-Jesuskindesu eine Signal- 
biinkiampe, wie sie Autofahrer als Warnung bei Pannen 
aufstellen. in der nKrippeu. Die kniende Maria ist ein Ge 
fäß. Die drei Weisen aus dem Morgeniande sind Gestel- 
le, die Fiimbeieuchtungskbrpern nicht unähnlich sind. 
Ein Klelderständerengsl ist sehr transparent, graphisch 
konturiert. Darüber der mächtige fünfzackige Stern wie 
iener des amerikanischen Hoheitszeichens. Das ganze 
Gebilde wird manche zum Denken angeregt haben. Ein 
nKunstwerk-i, das gerade in seiner isolierten Präsenta- 
tion mehr wirkt als ein Exponat unter anderen Expona- 
ten in einer Ausstellung moderner Kunst. (1. 12. 1978 bis 
28. 1. 1979) 
Egon Hofmann 
Der 1884 geborene und 1972 in Linz verstorbene Maler 
war fast zwei Jahrzehnte Präsident der Künstlerverelni- 
gung MAERZ. Eine sehr denkenswerte Schau. die des 
wichtige, außerordentlich kultivierte Schaffen dieses für 
die Linzer Kunstszene unentbehrlichen Malers wieder 
der Öffentlichkeit nahebringt. Eine Schau, die zeigte, 
daß nicht Immer nur der letzte Schrei zu diskutieren sei, 
daß eine Treppe sich Stute für Stufe aufbauen muB. 
(7. 121978-5. 1. 1979) 
Norbert Stieger 
Es ist Stiegers erste Ausstellung. Der 1956 geborene 
Linzer ist Autodidakt. Er hat eine Anzahl guter Motive 
getroffen. Doch die unter dem Titel i-Fotos und Foto 
lyriku laufende Schau tragt schon in der Bezeichnung 
das Kennzeichen des Zuviels. Fotos können sicher sehr 
lyrisch sein, dieses aber noch zu sagen, ist ein Ab- 
stumpten einer Spitze. Die betexteten Fotoserien erhd 
hen nicht ihre Anschaulichkeit im wahrsten Sinne des 
Wortes, sondern mindern den poetischen Reiz der Bil- 
der. Hiebei und bei einigen anderen Erscheinungen die- 
ser Kollektion ist noch manch Anfängerhaftes zu spü- 
ren. (24. FebruarIMärz) 
46 
Club der Begegnung 
Robert Schmitt 
Der Wiener Maler zeigte Aquarelle und Graphiken. 
Schmitt ist ein Meister im Aquarellieren. Mit hauchfei- 
nen Variationen in den fließenden Übergängen von einer 
Farbe in die andere, von der Zurücknahme einer Lasur 
zu einer weißen Flache und zu den Bailungen gewisser 
Ansätze bewies er auch im Kulturzentrum Ursulinenhof, 
daß es nicht so sehr auf das Was, als auf das Wie an- 
kommt, um ein gutes Bild zu machen. (28. 3. - 26. 4. 
1979) 
Maria Egner 1850- 1940 
Es ist eine sehr umfangreiche Schau mit 193 Werken, 
davon allein 123 Ölbiider. Auch die Aquarelle und Zeich- 
nungen sind wichtige und gute Beispiele der Zeit. Maria 
Egner war eine Schülerin von E. J. Schindler, ihr Werk 
könnte dem wStimmungsimpressionismusv zugeordnet 
werden, und wir konnten bei den Bildern viele Parallelen 
zu den anderen Schülern Schindlers, zu Carl Moll, zu 
Theodor Hörmann, zu Tina Blau feststellen. Maria Eg- 
ners Malweise ist exzellent, und die Motivwahl bzw. Per- 
spektive lst viel iimodernerii als bei Tina Blau. Es ist da- 
her nur zu verwundern, daB diese gute Malerin von 1904 
bis 1977 nicht mehr ausgestellt und auch sonst nicht 
sehr zur Kenntnis genommen wurde. (22. 2. - 25. 3. 1979) 
TiroilVomperbach 
Galerie in der Schule 
Reny Lohner 
Die Malerin, die sehr viel für das Theater arbeitet (Büh- 
nenbild und Kostümausstattungl, ist auch seit vielen 
Jahren als Vertreterin einer phantastischen Malerei be- 
kannt, die, auch wenn sie von manchem Schirmherrn 
dieser Richtung nicht beachtet wird, doch auf viele eine 
Faszination ausübt. Die kraftvollen Farbtöne, die die 
Künstlerin dabei anschiägt, immer wieder ist es ein 
beunruhigendes Rot und ein in der Tiefe aufleuchtendes 
Grün, haben Signalwirkung. Die Bilder sind exzellent ge- 
malt und finden ihre Liebhaber. (15. 2. - 4. 3. 1979) 
Aiois Vogel 
I7] 
Kunsthaus am Museum, Köln 
Das Auktionshaus macht es sich zur Aufgabe, neben 
seinen Auktionen auch Kunst und Künstler der Gegen- 
wart zu Wort kommen zu lassen. So wird seit 29. Juni 
1979 noch bis 18. August 1979 die Verkaufsausstellung 
nGlaskunsi der Gegenwart" gezeigt. redln 
Bill Holm and Bill Reid, indian Art oft 
Northwest Coast. A Diaiogue on Craft 
manship and Aesthetics. Seattie-Lond 
University of Washington Press 1978 
Nordamerikanische indianerkunst ist in den letzti 
ren zu einem wichtigen Artikel auf dem amerikan 
und internationalen Kunstmarkt geworden. Damit 
sammenhang steht ein wachsendes Angebot an 
tur, von weicher ein Großteil im Hinblick auf den 
tischen Charakter indianischen Kunsthandwerks 
befriedigende Aussagen enthält, Zu den Ausnahr 
von dieser Verallgemeinerung zählt gewiß das hil 
zusteliende Werk. 
Es besteht aus der Transkription eines Gespräch 
vor vier Jahren im Rahmen der Schausteiiung von 
nerkunst der pazifischen Nordwestküste Nordam 
aus Beständen einer bedeutenden Privatsammlui 
Institute for the Arts der Fiice University in Housi 
xas, stattfand. Gesprächspartner waren Bill Holn 
selbst Künstler und Autor des wichtigsten Buchs 
Nordwestküstenkunst der Gegenwart, und Bill Rr 
bedeutendste Künstler der Haida-lndianer unsere 
dessen Werk beste und lebendige Tradition des l 
Schaffens der Nordwestkllste repräsentiert. 
Holm und Fieid sprechen über 102 Objekte (vorwi 
Holzskulpturen, aber auch Malerei, Textilien, Koi 
und andere Arten von Kunsthandwerk) in ungezvi 
ner Reihenfolge. Sie sprechen als eminente Ther 
und Praktiker der wohl charakteristischesten um 
gleich abweichendsten regionalen Kunsttraditior 
eingeborenen Nordamerika. Der Leser, dem nich 
ie besprochenen Werke (vielfach in Farbe, manci 
aus mehreren Blickwinkeln), sondern immer wier 
auch Vergieichsstücke in Abbildungen vorgestel 
den, gewinnt dem Gespräch folgende außerst nü 
Anleitungen zur Betrachtung von Kunstwerken, c 
ungewohnten ästhetischen Prinzipien folgen. 
Das Gespräch ersetzt nicht die systematische B 
sung mit dem Thema. Es ist ein gewinnbringend 
mierbares Seminar für den. der den Stoff der Ha 
lesung bereits verdaut hat. Zwei Kenner unterhai 
sich auf der Grundlage der Gleichberechtigung] 
des Niveaus einer Einführung, aber sie tun dies 
anregende Weise, daß man notgedrungen zur eig 
digen Vertiefung herausgefordert wird. 
Ein dritter Kenner, Edmund Carpenter, steuert ei 
20 Seiten lange Einleitung bei, die (wie immer in 
Schriften) eine Fülle von neuen und wichtigen in 
tionen - hier zur Sammlungs- und Rezeplionsge 
te und zum Selbstverständnis der Nordwestküsti 
- in betont subjektiver Verpackung in den vor S 
weit offenen Mund des Lesers stopft. Auch sie i; 
nicht die notwendige ordnende Ubersicht uber d 
ma, verleiht dem Gesprachsinhait ledoch weiten 
mensionen. 
Das Buch ist ein unabdingberes Muß für ernste 
senten an Nordwestküstenkunst. Darüber hinaus 
es geeignet sein, diesem wachsenden Zirkel net 
glieder zuzuführen. Christian
	        

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