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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

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gen zusammenfassen: 1. Brunellesco hat in 
en Sakristei die erste nachantike Säulenord- 
wand errichtet, und 2.. er tat dies an dem er- 
lonumentalbau, den die Medici in Florenz in 
g gaben. Die Alte Sakristei ist also in zweifa- 
linsicht ein Gründungsbau. Kunstgeschicht- 
td - wenn man so sagen darf - dynastisch. 
man von Säulenordnungswand spricht, so 
diesem Begriff etwas leicht Mißverständliches 
wir bei dem Wort Säule an ein rundes und 
in ein eckiges Gebilde denken. Die Betonung 
ber auf Säulenordnung, das heißt, auf einer 
en Trennung von dorischen. ionischen, korin- 
en oder kompositen Ordnungssystemen, die 
alle ihreigenes Proportionsmaß. ihreeigenen Basen 
und Kapitelle und ihr spezifisches Bauornament ha- 
ben. ln der Architektursprache des 15. und 16. Jh.s 
wurde nicht zwischen Säule und Pilaster unter- 
schieden; der Pilaster galt als viereckige Säule. In 
diesem Sinne sprechen wir auch heute von einer 
Säulenordnungs- oder Kolonnadenwand, wenn es 
sich nur um eine Pilastergliederung in einerderSäu- 
lengattungen handelt. 
Brunellesco wurde von allen Kunstschriftstellern, 
von Manetti, seinem ersten Biographen in der zwei- 
ten Hälfte des 15. Jh.s bis zu Vasari nach der Mitte 
des 16. Jh.s, als der Wiederentdecker und Neube- 
gründer der Säulenordnung, als der Begründer der 
wahren Architektur und der guten Art zu bauen 
schlechthin gefeiert. Es war eben jene, wie man sag- 
te, nantikeu Art. die in den langen Jahrhunderten des 
Mittelalters gleichsam verschüttet und in Vergesv 
senheit geraten war. 
Nun gibt es allerdings auch mittelalterliche Archia 
tekturen in Florenz, die wie das Baptisterium aus 
dem 11. Jh. pilastergegliederte Wände zeigen. doch 
genoß bekanntlich gerade dieser Bau bis weit über 
die Renaissance hinaus das Ansehen eines antiken 
Tempels. Es soll uns hier nicht beschäftigen, daB 
das Florentiner Baptisterium eben keine Saulen- 
ordnungswand im neuzeitlichen oderantiken Sinne. 
sondern eine lnkrustationsgliederung in einem pfei-
	        

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