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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

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negiert. Dadurch kommt die unmittelbare Kommu- 
nikation des Ornamente mit den Deckengemälden 
zustande. Gewiß ist der strukturelle Unterschied 
hinsichtlich des Schwebezustandes zur Salzburger 
Kartuschenform nicht groß. doch mit der rhythmi- 
schen Variabilität der Girlandenform vollzieht Diego 
Francesco Carlone in Lambach den eigentlichen 
entscheidenden Schritt über seine Salzburger De- 
korationen hinaus. Mit der Einbeziehung der Gir- 
lande in die Kartuschenfcrm. die zwischen den Dek- 
kengemälden des Gewölbespiegeis erfolgt, verwirk- 
licht er den Schwebezustand in letzter Konsequenz. 
der hier mit der Bildräumlichkeit völlig identisch 
ist". Die Grundform der Kartusche mit der ge- 
schwungenen Girlande über der Binnenfläche tritt 
erstmals über den Arkadenscheiteln im Mittelschiff 
der Stiftskirche Kremsmünster. typologisch ver- 
wandt mit der Lambacher Form, auf (Abb. 4). Es ist 
höchst bezeichnend für den Einfluß Barbarinos auf 
Fischer v. Erlach. daß die Modellierung der Binnen- 
fläche die Bogenprofilierung und die Reliefschioh- 
tung der Wand in völlig übereinstimmender Weise 
wie bei den Kartuschen in den Querarmen derKblle- 
gienkirche durchschimmern läßt. Die Einbeziehung 
der Girlandenform in Kremsmünster verursacht 
aber eine stärkere Betonung der Freiräumlichkeit 
und damit eine engere strukturelle Verwandtschaft 
mit der Lambacher Kartuschenform. Auch für die 
Bedeutung der Girlande als dem auslösenden Mo- 
ment des Schwebezustandes findet sich die unmit- 
telbare Vorstufe in der Kollegienkirche. Dort er- 
scheint sie in den Kuppeln der Seitenkapellen als 
rhythmisierte Umrahmung der ovalen Scheitelöff- 
nungen (Abb. 5). Ihre Einbeziehung in die vier Kar- 
tuschen. die der Lichtöffnung zugeordnet sind und 
die Gewölbegrate überlagern. bindet sie zwar an die 
rhythmische Einteilung des Gewölbescheitels. doch 
auf den konvexen Binnenflächen der Kartuschen 
wird die Girlande in unmittelbare Beziehung zum 
Lichtraum versetzt und wird dadurch zum Lichter- 
nament von ideaiisierter Schwebekraft. Diese Ideali- 
II7 Kremsmünster. Stiftskirche. Barbarino und Colomba. 
Gewölbestukkatur am Joch vor dem Hochaltar 
Anmerkungen 1-13 
' Norbert Liab. Ottobeursn und die Barockarchltsktur Ostschwe- 
bens. Memmingen 19:42. s. 12. 
' N. Lieb. a. a. 0.. s. 20-21. 92-23. - Vgl. dazu Klaus Schwager. 01- 
tbbeuran, die Fomlwerdung einer barocken Kiosteranlage im 
Spannungsfeld von klösterlichem Aularklc-streban und überra- 
gionalem Anspruch: Jahrbuch des varains für Augsburger Bis- 
tumsgeschichte 11. 1977. s. 112-122. Abb. 7. a. 12. 
Hans scdlmayr. Johann Bernhard Fischer v. Erlach. Wien 21975 
H. Sedimayr. a. a. 0.. s. 213. 214. 
H. scdlmayr. a. a. 0.. s. 214. 
Karl Kosel. Die Stukkaturen dar Schmuzergruppe 1695-1725: zeit- 
schritt des Historischen Vereins für Schwaben 59160. 1969. 
s.1esi.- Christina Thbn, Johann Baptist Zimmermann als stuk- 
Kater. Munchen-Zürich 1977. S. 193-195. 
' Karl Feuchtmayr. Der Fall Behdl: Das Münster 10. 19s7.Abb.1a. 
' Vgl. Anm. s Chr. Thon. Joh. a. Zimmermann. 
' Rudolf Prelmesbergar. Notizen zur italienischen Stukkatur in 
Österreich. m: Arie e Artisti dei Laghi Lombardi ll. cdmo 1964. 
s. 33a. 
"' H. sadlmayr. a. a. 0.. s. 25a. 3451. 
" Llnzer Stukkateure. Ausstoilungskelalog Stadtmuseum LiVll1Q73. 
Talel 19. 
K. Kosel. Kremsmünster und die Stuckdakoratinn des Spätbarock 
m Österreich: nlte und moderne Kunsl 22. 1971. Heft 15a. Abb. 2c. 
ß Ebda. Abb 21. 
sierung des Ornamente in Beziehung zum Licht- 
raum ist ohneZweifel mit der bildräumlichen zu den 
Deckengemälden wesensverwandt. doch in der ab- 
soluten Verwirklichung des Schwebeprinzips bleibt 
ein substantieller Unterschied zu den verwandten 
Ornamentformen in Lambach. Strukturell am ehe- 
sten damit vergleichbarsind die Girlanden über den 
Oberkanten der Fensternisohen in Lambach. Durch 
ihre Lösung von der Wandfläche und die rhythmisch 
variierende Überspielung derRahmenprofiledeuten 
sie sehr subtil die Möglichkeit ihres unmittelbaren 
Eintretens in den Lichtraum anavollführen ihn aber 
nicht ganz. Ein Vergleich mit den Kartuschen in den 
Seitenschiffgewöiben von Kremsmünster. deren 
Keichblattgirlanden fast freiräumlich über den 
Jochtrennungsbögen herabhängen. führt uns die 
gemeinsame Stilquelle Fischers v. Erlach und Car- 
lones vor Augen". Die Aufgliederung des Rahmen- 
ornaments an räumlichen Übergängen wird zum 
Mittel einer schwebenden Kommunikation von Bild- 
und Lichtraum. Bis zur äußersten Konsequenz geht 
Fischer v. Erlach in den Seitenkapellen der Kolle- 
gienkirche. in diesem Zusammenhang wird nun 
auch die freiräumliche Girlande über dem Ein- 
gangsbogen zum Altarraum im Ehrenhausener 
Mausoleum als das unmittelbare Bindeglied zu die- 
sen Ornamentmotiven Barbarinos in Kremsmünster 
erkennbar". Ihre Stellung am Übergang vorn dunk- 
len Altarraum zum lichterfüllten Kuppelraum und als 
räumlich verselbständigter Bestandteil des Rahmen- 
ornaments für ein geplantes Wandgemälde macht 
durch die strukturelle Identität den Einfluß Barbari- 
nos offenkundig. Aus diesen bei Barbarino und Fi- 
scher v. Erlach vorgebildeten Ornamentstrukturen 
vollzieht Diego Francesco Carlone in Lambach die 
Synthese derart. daß er mittels des Schwebezustan- 
des die Bildräumlichkeit und die Lichtbezogenheit 
des Ornamentszur Identität führt. DieGirlanden. die 
als Fensterurrlrahmungen und in den Kartuschen 
des Gewölbescheitels die stärkste lichtbezogene 
Schwebekraft erreichen, treten in den Gewölbeab- 
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