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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

Stuckdekorationen der Barbarinoschuie und die 
Frühwerke Fischers v. Erlach umfaßt; andererseits 
jene um 1700110 mitden Salzburger und Lambacher 
Stuckdekorationen Fischers v. Erlach und Carlones. 
Beide Stiiebenen werden von einer übergreifenden 
räumlich-rhythmischen Struktur zusammengefaßt. 
deren Bildräumlichkeit das Ergebnis aus der struk- 
turellen Konvergenz dieser stilbildenden Kompo- 
nenten ist. Die italienischen Stukkatoren in Ottobeu- 
ren und Ludwigsburg erreichen den Abschluß die- 
ser konvergierenden Entwicklung genau gleichzei- 
tig um 1723. Dieses Zusammentreffen mit dem To- 
desiahr Fischers v. Erlach kennzeichnet die spät- 
zeitliche Situation dieser Stuckdekorationen. Cha- 
rakteristisch hierfür ist voraliem die Art, wie die Syn- 
these der generationell verschiedenartigen Stilrich- 
tungen vollzogen wird. Die klare Unterscheidung 
der verschiedenen stilbildenden Komponenten bei 
den behandelten Stuckdekorationen in Ludwigs- 
burg und Ottobeuren, die nochmals die gesamte 
Entwicklung seit 1680 zusammenfassen, ist nur am 
Ende einer Stilepoche möglich. Diese strukturelle 
und motivische Differenzierung ist typisch für eine 
Stilerzeugung durch Kreuzung. die Motive und Stil- 
16 
züge zur Synthese bringt". Diesen Kreuzungspro- 
zeß kann man bei allen hier behandelten Werken 
verfolgen. Die Integration borrominesker Orna- 
mentstrukturen in der Stukkatur der Kremsmünste- 
rer Schatzkammer besitzt hierfür modellhaften Cha- 
rakter. Barbarino, Colomba und die Carlone prägen 
durch ihre Auseinandersetzung mit dem Ornament- 
stil des römischen Hochbarocks in einer ungemein 
konzentrierten und genialen Schaffensperiodewäh- 
rend der siebziger und achtzigerJahre des 17. Jahr- 
hunderts das Gesicht des österreichischen Hochba- 
rocks, die mit ihren Spitzenwerken die Entwicklung 
in Italien ein- und überholt. Das Auftreten Fischers 
v. Erlach in diesem schicksaihatten geschichtlichen 
Augenblick bedeutet auch auf dem Gebiet der 
Stuckdekoration die Verwirklichung der umfassen- 
den Synthese, die eine letzte Steigerung des römi- 
schen Hochbarocks und ihre Verschmelzung mit 
dem italienisch geprägten österreichischen Hoch- 
barcck mit sich bringt. Die Steigerung der bei Ber- 
nini und Cortona vorgebildeten Dekorationsmotive 
durch die Kreuzung mit der ganzheitlichen räum- 
iich-rhythmischen Drnamentstruktur Barbarinos in 
der Kuppelstukkatur der oberen Gruftkapelle des 
14 Stift Ottobet 
A. Maini und W 
statt, Stuckdetail 
Puttc an der Deck 
Raum Nr. 189 
16 Stilt Ottobeuren, A. Maini und Werkstatt. Stuckdet: 
Treppenhaus 
17 Wien, Servitenkirche. G. B. Barbarino. Siuckdetai 
Kuppel 
Anmerkungen 30. 31 
I" H. Sedlmayr, a. a. 0.. s. 221. 
1' n. Sedlmayl. 110., s 21a. 
 
34
	        

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