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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

Wilhelm UGOTQ HlZZl 
Antonio Beduzzi und Johann 
Lucas von Hildebrandt 
Zu den noch gänzlich unbeschriebenen Blättern aus 
der Künstlergeschichte des österreichischen Hoch- 
barock zählt der 1675 in Bologna geborene Archi- 
tekt, Maler und Theatralingenieur Antonio Maria Ni- 
colao Beduzzi. Eine Tatsache, die um so mehr ver- 
wundert. als zu den wenigen bekannten Werken des 
Künstlers gerade so bedeutende Arbeiten wie die 
Fresken im Wiener Landhaussaal oder die Altäre 
und große Teile der Innenausstattung der Melker 
Stiftskirche gezählt werden. Als Garant für die Höhe 
von Beduzzis Kunst darf weiters dessen Anstellung 
als Theatralingenieur beim kaiserlichen Hof 1708, in 
der Nachfolge des verstorbenen Burnacini. gesehen 
werden. 
Dennoch gibt es bis heute keine zusammenfassende 
Darstellung über den Künstler, wenn man von jenem 
kleinen Aufsatz absieht, den Albert llg noch zur Pio- 
nierzeit der heimischen Barockforschung verfaßt 
hat'. Dann und wann scheint Beduzzis Name in der 
einschlägigen Fachliteraturauf, ohne mangelseiner 
grundlegenden Bearbeitungjedoch mehrzu sein als 
ein undefinierter Begriff. 
Eine mehrjährige, der Architektur des österreichi- 
schen Hoch- und Spätbarock gewidmete For- 
schungsarbeit konnte unter anderem gerade für die 
Kenntnis von Breite und Umfang des Beduzzischen 
Schaffens fruchtbar werden. so daß seine Tätigkeit 
nunmehr im wesentlichen archivalisch und in erhal- 
tenen Werken faßbar erscheint. Es zeigt sich ein 
Bild, dem eine viel größere Bedeutung fürdie heimi- 
sche Szene beigemessen werden muß, als bisher 
angenommen wurde. so daß über das Ergebnis an 
anderer Stelle ausführlich berichtet werden sollz. 
Ein Teilaspekt, der Zusammenarbeit und künstleri- 
sche Wechselwirkungen zwischen dem Theatralin- 
genieur Beduzzi und dern Ingenieur-Architekten 
Hildebrandt beleuchtet, ist Gegenstand der nach- 
folgenden Darstellung, die damit auch thematisch 
an die von Manfred Koller 1973 in dieser Zeitschrift 
veröffentlichte Untersuchung über den Künstler- 
kreisvon Hildebrandts Frühwerk anschließen kann". 
EineZusammenarbeit Antonio Beduzzis mitdem um 
sieben Jahre älteren Johann Lucas Hildebrandt ist 
seit dem Jahr 1705 faßbar, muß aber schon früher 
begonnen haben und wurzelt wohl in einer persönli- 
chen und künstlerischen Affinität, wie sie Koller 
auch zwischen dem Architekten und dem vielseiti- 
gen Maler und Akademiegründer Peter Strudel fest- 
stellen konnte. Im nämlichen Jahr war der im Ge- 
gensatz zu Hildebrandt damals noch nicht in Hof- 
diensten stehende Beduzzi. nso ein feiner und ver- 
ständiger Mensch-A, von Hildebrandt waufsein aigen 
Plaisiert- zur Leistung von Malerarbeiten an dem Ca- 
strum doloris für Kaiser Leopold l. in der Augusti- 
nerkirche herangezogen worden'. Zum gleichen 
Anlaß hatte Beduzzi damals im Auftrag der Spani- 
schen Bruderschaft das Trauergerüst bei St. Mi- 
chael zu gestalten? Inwieweit sich nun Hildebrandt 
bei dem nominell an ihn ergangenen Hofauftrag tat- 
sächlich des Theatralarchitekten bedient hat, läßt 
sich anhand der Stichabbildungen beiderTrauerge- 
rüste deutlicher erkennen. Hinsichtlich des archi- 
tektonischen Grundkonzepts des ephemeren Pom- 
pes hat Pühringerzu Flechtauf dieälteren Lösungen 
des Lodovico Burnacini verwiesen. deren Transfor- 
mierung wohl allein auf Hildebrandts Konto zu ver- 
buchen ist, während die Aufsatzgruppe mit der Dar- 
stellung der das Bildnis des Kaisers vor dem Zutritt 
der Zeit schützenden Ewigkeit gleichzeitig bei Be- 
duzzi in St. Michael auf einem Volutensockel als 
Hauptgruppe Anwendung findet. Für Beduzzis Prio- 
rität scheint weiters die Tatsache zu sprechen, daß 
36 
" 34.Mai" 
dieser noch Jahre später bei der von Lorenzo Mat- 
tielli ausgeführten Engelssturzgruppe am Portalbau 
der Michaelerkirche auf diese Darstellung zurück- 
greift. die letztlich ebenso - nach Koller- von Paul 
Strudels Glauben-Pest-Gruppe an der Wiener Gra- 
bensäule und von PeterStrudels Triumphallegorien 
für die Hofburg inspiriert erscheints. 
Hildebrandts hohe Wertschätzung für den Men- 
schen und den Künstler Beduzzi, die seine zitierte 
Schrift an das Hofbauamt offenbart, muß ihre kon- 
kreten Wurzeln zweifellos in einer frühen Zusam- 
menarbeit haben, über die wirallerdings nurVermu- 
tungen anstellen können. Es liegt jedoch nahe, daß 
der bekanntermaßen um eine im Sinne des Gesamt- 
kunstwerkes reiche Dekoration gerade auch im in- 
neren seiner Bauten besonders bemühte Hilde- 
brandt sich schon sehr bald der Mitarbeit eines De- 
korationskünstlers versichert haben mag. Die ober- 
italienische Schulung beider hat wohl dazu beige- 
tragen, daß Hildebrandts Wahl auf Beduzzi fiel. der 
bereits ein Jahr vor Hildebrandts Einstand in der 
Reichsmetropole nachzuweisen ist. 
Als Trauzeuge seines bolognesischen Landsmanns 
und Künstlerkollegen Domenico Egidio Ftc 
damals als Hausingenieur in Czerninschen E 
stand, scheint Beduzzi im Oktober 1695 hi 
mals auf. Wenige Monate später werden die 
vorn Grafen Hermann Jakob Czernin mit der 
lung des Gartensaales im Palais in der Leopi 
betraut, welche Arbeit Beduzzi 1699 schliei 
lein übernehmen muß7. Auch für Entwürfe z 
ßen Saal des Prager Czernin-Palastes, di 
ebenfalls schuldig geblieben war, ist Beduzz 
spräch. Es läßt sich daher mit einiger Wahl 
lichkeit Beduzzi auch bei der lnnenausstatt 
um 1700 entstandenen Czerninschen Garti 
auf der Wieden vermuten, an dessen archi 
schem Konzept vielleicht wiederum Hildeb 
der letzten Planungsstufe Anteil hatte, so da 
erstmals zu einer Zusammenarbeit unserei 
Künstler gekommen sein könnte. 
Die von Manfred Leithe-Jasper zur Diskus 
stellte Zuweisung des Ganenpalais Czernir 
Wieden an Hildebrandt geht von der z 
Raumgruppe aus, die dem 1701 vom selbe 
tekten begonnenen Prinz-Eugen-Schloß in
	        

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