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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

che seines Vorbildes in eine körperliche und zu- 
gleich saftig-derbere Form umsetzte. Später hat 
Grimschitz sogarzur Diskussion gestelltdaßes sich 
um ein Werk aus Hildebrandts wenig bekannter er- 
ster Schaffenszeit handeln könnte und- im Hinblick 
auf die Sockelzone - damit wohl früher als dessen 
Stadtpalast Daun-Kinsky von 1713 entstanden sein 
müßte". 
Der viergeschossige Baublock mit seinen sieben 
Fensterachsen an der Hauptfront und sechs Achsen 
an der Seite ist um einen kleinen, schmucklosen Hof 
angelegt. In den risalitlosen Fassaden. die ohnetek- 
tonische Gliederung aus einer kräftig akzentuierten 
Sockelzcne emporsteigen, manifestiert sich ein äl- 
teren Vorbildern verpflichteter Zug. Dazu kommt, 
daß dieser Sockel kaum ein Zusammenspiel mit der 
geordneten Austeilung der Fenster im Fassaden- 
spiegel erkennen läßt. Die Diamantquader in der 
stark schattend ausgebildeten Nutung nehmen auf 
die Wandgliederung kaum Bezug und sind daher 
ebenso dekorative Einzelformen wie alle übrigen, 
die Fassade bestimmenden Elemente. Allein die 
kraftige plastische Dekoration der frei sitzenden 
6 
  
 
 
in..- .1! m. 67.,. 
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Fensterumrahmungen in den beiden Hauptge- 
schossen lockert mit ihrem alternierenden Rhyth- 
mus die sonst ungegliederte Fassadenfläche. Art ih- 
nen kann sich das inszenierendeTalent des Theatrai- 
ingenieurs frei entfalten; ihre voll-saftige Ornamen- 
tik zeigt, worum es dem Künstler in erster Linie geht. 
Gewiß, eine straff durchkomponierte Fassade eines 
Fischervon Erlach odereines Hildebrandt blieb zeit- 
lebens außerhalb von Beduzzis künstlerischen Mög- 
lichkeiten. Dennoch läßt sich in der Ausdeutung der 
Wand als einer optischen Fläche und in der plasti- 
schen Dekoration, die sich in üppigem Reichtum an 
den Fensterrahmen entwickelt. gerade auch die 
Nähe zu Hildebrandts untektonischer Auffassung 
feststellen. Bei ihm wird allerdings ein raffiniertes 
System von in Schichten verflochtenen Bändern 
und Lisenen zu einem graphisch durchgestalteten 
Gebilde geformt. das gleich einem optischen Netz 
der Wand aufgesetzt erscheint. so daß die nackte 
Mauer fast vollkommen verschwindet. 
Zweifellos war es die von Hildebrandt recht unbe- 
kümmert für das Palais Daun übernommene Sok- 
kelzone, die beim Palast in der Grünangergasse an 
 
Anmerkungen 10-17 (Anm 1(k13 s Text S. 37) 
"' Es sei in diesem Zusammenhang lediglich angemerkt. i 
das um m0 entstandene Palais Engelskirchner aul de 
anhand noch zu verolfenllichender Unterlagen zu den 
Werken Beduzzis zahlt nie DISDDSlllOH der Hauptraumgr 
eine orientierung sowohl am Schloß Rackeve als auch ai 
Dalais czernin erkennen 
" n P.A Heller. Augusta Carollnae virtutis Mcnumenta. w 
s 20. nennt einen Beluzzl als Planverlasser der 1718-171 
gefuhrten Klrchenerweiterung aui dem Lecpoldsberg, wi 
zu vermuten war. daß es sien wohl nicht um den Maler d 
mens. sondern um den Theateringenleui Beduzzl hanc 
wenn mangels weiterer Beispiele eine Veflflllefurig dii 
dachts ausstehen murite 
Fuv die Kenntnis dieserzeieiinung ebenso wie iurdie nac 
besprochenen Blatteraus derSammlung Grimm in derMi 
Galerie, erunn. danke ich Dozent or Zdenek Kudelka h 
herzlich 
" Nach den Ouartierbucherri des ksl Quartiermeister 
P Harrer. wien, seine Hauser. Menschen und kultur. M 
im wiener stadi- und Landesarchlv, IV, s 612 
" e erimsenitz, Wiener Barockpalaste. wien 1914. s au 
senitz. riiidetarandttzii Anm 4). s 204 
W zur Baugeschlchte des Palais Questenberg neuerdingsl 
Zl. Der wiener Barockbaurrlelster cnrisiian Alexanderi 
58m Kiels. seine Bauten. seine Auftraggeber und Seine 
len Mll Beitragen zum Werk von Hildebrandt. Prarldl 
Steini. lrt. Das Fenster, innSbYuCk 195D (in DIIACK) 
l' M Lelthe-Jasper, oas Palais Corbelli-Schoeller, versi 
Darstellung seiner Stellung innerhalb der Palaslarchit 
wiener Hochbarock und seiner Zusehrelbung an Johz 
von Hildebrandt. in Burgen und Schlosser in Cisterrelcl 
S. 17 
H Passavant, Rossl (zit Anm 7),S.123lf., besonders S 1
	        

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