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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 168)

schiede feststellen. Vorn westlichen Frühlatene- 
bereich mit Zentrum im Mittelrheingebiet hebt 
sich deutlich eine östliche Stilprovinz ab, die Süd- 
böhmen, die Oberpfalz und das nördliche Öster- 
reich umfaßt. Kennzeichnend fürdiesen Stil ist die 
bevorzugte Verwendung von Bogenornamenten 
sowie die naturnahe Darstellung von Tieren und in 
einigen wenigen Fällen auch des Menschen. 
Nach Ansicht einiger Wissenschafter sei die Wie- 
ge der lrühkeltischen Kunst ausschließlich in der 
westlichen Fürstengräberzone am Mittelrhein zu 
suchen. Durch Wanderbewegungen sei dieser Stil 
vom westlichen Mitteleuropa nach Südböhmen 
und ins österreichische Donaugebiet verpflanzt 
worden. Diese Auffassung kann nach dem Stand 
der neuesten Forschung nicht mehr aufrechter- 
halten werden. Auch im ostkeltischen Bereich er- 
wächst die Frühlatenekultur aus einheimischer, 
späthallstättischer Tradition. Dieser neue Stil 
setzt im gesamten Verbreitungsgebiet annähernd 
gleichzeitig ein. Übereinstimmung im Kunstschaf- 
fen beider Regionen ist vermutlich durch den Aus- 
tausch von kunsthandwerklichen Erzeugnissen 
sowie den Austausch von Handwerkern herbeige- 
führt worden. 
Innerhalb des östlichen Frühlatenebereiches neh- 
men die beiden Salzorte Hallstatt und Hallein mit 
dem Dürrnberg eine besondere Stellung ein. Die- 
5 
10 
se Siedlungszentren liegen am äußersten Rand 
des Verbreitungsgebietes keltischer Kultur und 
standen damit in unmittelbarem Kontakt zu be- 
nachbarten Völkerschaften. Auf Grund ihres Salz- 
reichtums waren diese beiden Salzmetropolen 
Zentren des Handels und der handwerklichen Pro- 
duktion. 
Schon in der vorangehenden Hallstattzeit bestan- 
den enge Beziehungen zwischen der Salzbergbau- 
zone und dem südalpinen Raum, vor allem zum 
Volk der Veneter, das im Gebiet zwischen Alpen 
und Adria siedelte. Erzeugnisse aus venetischen 
Werkstätten gelangten in großer Zahl in unseren 
Raum. Die Kontakte beschränkten sich jedoch 
nicht nur auf den Austausch von Gütern, sondern 
es waren hier auch venetische Handwerker im 
Auftrage keltischer Salzherren tätig. Eine aus 
Hallstatt stammende Schwertscheide läßt dies 
deutlich erkennen. Sie verdankt ihre Herstellung 
einem im venetischen Bereich geschulten Gra- 
veur, der auf diesem Stück im Situlenslil keltische 
Krieger aus dem nordalpinen Bereich bis ins klein- 
ste Detail abbildete. Eine aus jüngsten Grabungen 
vom Dürrnberg stammende, mit Jagdszenen ver- 
zierte Bronzeschale läßt ebenfalls auf die Anwe- 
senheit eines venetischen Handwerkers schlie- 
Ben. Aus diesen engen Kontakten zum Süden er- 
klärt sich die Ähnlichkeit frühkeltischer Tierdar- 
 
4 Scheibenfibel mit palmettenförmiger Durchbru 
namentik aus einem Grab vorn Dürrnberg. Zirl 
v. Chr. Durchmesser 4,8 cm. Keltenmuseum, Hal 
5 Slandgefäß in Form einer Feldflasche aus derr 
stengrabii Nr. 44 vom Dürrnberg. 2. Hälfte 5. Ja 
dert v. Chr. Höhe 51,8 cm, Durchmesser 39 cr 
scheibenlörmige Gefäßkörper faßt ca. 17 Liter u 
steht auszwei getriebenen Bronzeblechhällten, d 
tels Bortelung entlang des größten Umfanges 2 
mengelügt sind. Die Flasche steht aul vier mei 
chen Füßen. Kellenmuseum, Hallein 
6 Bronzener Ausguß einer holzernen Flohrenkanr 
Grab Nr. 46 vom Dürrnberg. Um 400 v. Chr. C 
Ausschmelzverfahren hergestellte Werkstück w 
tels kleiner Nägel am Kannenkorper belestigl. 
stellt ist ein krokodilähnlicher Tierkopl, unmiilel 
hinter sind Wulstaugen eines weiteren ruc 
blickenden Tierkopfes angedeutet. Kellenmi 
Hallein 
7 Schnabelkanne vom Dürrnberg. Um 400 v. Chr. Hr 
Schnabelspitze 45,8 cm. Kannenkörper aus E 
blech getrieben, Ausguß und Henkeiteil sepa 
Ausschmelzverfahren gegossen. Salzburger M 
Carolino Augusieum 
8 Schnabelkanne, Abb. 7, Detail mit einer der bek 
Mündungsrand aufsitzenden Tiertiguren. Der F 
am Maul ist nicht als Flüsse! oder dergleichen: 
ten, sondern als Schwanz eines eben verschlur 
Tieres; leicht geschwungen hängt dieser noch ai 
Maul heraus. 
9 Fibel in Form einer männlichen Gestalt, bekleir 
Wams, Pluderhose und Schnabelschuhen. Dürr 
um 400 v. Ohr. Bronze, Höhe 4,5 cm. Keltenmi 
Hallein
	        

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