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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

i einer Rampe gleichsam mit dem Charakter 
iehaltens auftretenW. Auf Walters Entwurf 
z architektonische Gliederung der alles be- 
ende Rahmen, der den Reliefs mitsamt den 
rulpturen davor den Platz zuwies. Nunmehr 
t die Zone über dem Gebälk äußerst locker 
rn unteren Portalteil verbunden. Das Herr- 
aar - vordem in Vollfigur - erscheint nun 
rtretend als Medaillons in gleicher Würde 
2 aus Nischenbüsten ins Relief verflachten 
ilder der Kinder (Abb. 4). Spürbar zeigt sich 
irsichtige Umformulierung barocker Aus- 
mittel dadurch, daß die symmetrisch auf- 
ide Scheitelhöhe einem diagonalen Grund- 
wichen ist. 
gt man, ausgehend von der aufschauenden 
iifikation der Providenz, die Blickbahn in der 
e, so wird der Blick nach oben gezogen, hin- 
jene Unendlichkeit, die nunmehr unseren 
himmlisch entzogen ist und die das Ba- 
urch die Ewigkeitspyramide als Gedanken- 
der Allegorien sichtbarlich fixiert hatteiß. 
Eindruck des Gekappten und zugleich ins 
iäre Verflüchtigten erscheint dann bei der 
zhen Gruppe (Abb. 5) ins Rudimentare ge- 
il. Sie ist die spiegelverkehrte Entsprechung 
irderseite. Hier halt ein Genius der Unsterb- 
it gesenkten Blicks den Sternenreif über das 
llonprofil des Kaisers, über den die Zeit kei- 
cht mehr besitzt. Chronos hat den Blick re- 
rt zur Seite nach unten abgewendet, seine 
in der ermatteten Hand ist gesenkt, fest 
rt das Herrscherbild neben der sichelförmi- 
ehwinge, die den Kaiser nicht mehr streifen 
3. Die akute Bitterkeit ist in eine gedämpfte 
ision des Triumphes überführt worden. Die- 
'riumph sind aber durchaus noch Möglich- 
barocker Dialektik zu eigen. Während auf 
alten Triumphbogen zu Seiten des Kaisers 
Jtto das Augszepter der Providenz empor- 
sitzt auf dem Memorialbau die Providentia 
an an Rücken zu Chronos. Dabei teilt sich der 
es erhobenen Szepters bzw. der gesenkten 
r dem Grundcharakter der jeweiligen Figu- 
mposition entscheidend mit - die Provi- 
soll sich gerade in ihrer spiegelbildlichen 
hrung zu Chronos als eine Modalität über- 
her Bestimmung erweisen. 
Wendung hat ihre geistige Wurzel noch in 
I Denkstil, dem das scheinbar Unversehene 
voll geheimer Bestimmung als vlnopinataw 
rOenipontetr widerscheintzo. Die völlig neu 
pierte und auch ausgeführte Hochzeitsin- 
t auf der Südseite stimmt mit der auf dem 
Jrfsstlch Molls überein, während auf der 
rrseite zunächst das Motiv der alten Inschrift 
Bogen (vARCVMu) als einem Zeugnis der öf- 
chen Freude, Treue, Liebe variiert wieder auf- 
nmen wird. Auf das nunmehr doppelsinnige 
erungsdatum 1765 folgt in der Ausführung: 
ITVM LVCTVS MONVMENTVMtr; auf dem 
urf steht dagegen der Ausruf irHEV QVAM 
TI LVCTVS ARGVMENTVM-i. Damit unter- 
det sich das jeweilige Sinnverhältnis zwi- 
1 Inschrift und Architektur ganz wesentlich. 
auf dem Entwurf stellt das zentrale "DEDI- 
Tu über dem Bogenscheitel die sinnfällige 
netrieachse einer "Wendung" dar; man hätte 
Ifl "ARCVMM am Ende zum "ARGVMENTVM" 
andelt gesehen, so wie auch der vLAETlTlAu 
nLVCTVSr- geantwortet hätte. Bis in den 
jlichen Umschlag des nARCVMu zum nARGV- 
TVMu ist die Rhetorik des Entwurfes ein 
ihall des Barocks, wobei den Schwerpunkt 
Umschlages das Pathos der lnterjektion 
fr- markiertzl, Diese Wendung der architekto- 
len Setzung in die rhetorische Argumentation 
l in die Architektur den ephemer-transitori- 
n Charakter eines Castrum doloris gebracht. 
1 Triumphbogen in Vac (Waitzen), Ungarn. Erbaut 1764 
von lsidore Canevale. Detail der Attika mit dem 
"AETERNAE DOMVM. (Aufnahme Ulrich Nefzger) 
Dagegen wurde dann in der Ausführung der archi- 
tektonische Memorialgedanke herausgestellt, wo- 
durch der wARCVSu in sich als nMONVMENTVMu 
verharrtzz. Hier zeigt sich wirklich r-kritischu jener 
Ansatz, wonach die Architektur per se "monumen- 
talu bedeutsam und nmemorialr- sein soll - sie 
kann der Einbindung in den allegorisch-rhetorisch 
argumentierenden Zusammenhang zur Sinnver- 
mittlung entraten. Zwar bleibt diese ldee in Inns- 
bruck noch fast unmerklich - aber als eindeuti- 
ger Sinngehalt einer dahingehenden "Reduktionu 
trat diese neue Architekturidee schon ein Jahr vor 
dem ersten lnnsbrucker Triumphtor, 1764, im 
Weichbild des ungarischen Städtchens Waitzen 
(Vac) auf den PIanZJ (Abb. 6). 
Dadurch, daß bei den Triumphtoren in Florenz und 
Innsbruck die Zeit, über die einmalige Überhöhung 
durch festIich-ephemere Triumphplorten hinaus, 
durch wFest-Haltenu in tektonischen Formen zur 
"bleibendem: Bedeutung angehalten werden soll- 
te, projizierte sich in das allegorische Sinnfeld 
festlicher Einmaligkeit die Zeitlichkeit des irdi- 
schen Schauplatzes. Aus der tektonischen Zeu- 
genschaft erwächst der triumphalen Zeitüberhö- 
hung ein anderes Bedeutungspathos, das aus der 
geschichtlichen Zeitdirnension hervorgeht. Der Er- 
zeigung des einmaligen rrJetZlu soll das 
doppelsinnig-janusköpfige "Einst" im Widerhall 
2 Triumphpforte in Innsbruck. Grund und Aufriß der Süd- 
seile im Zustand zwischen 1765-1774. Kupferstich. 
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck 
(Dip. 1370) 
fernerer Zeiträume antworten - und fallt damit 
auch der Bedingtheit im irdischen Wechsel an- 
heim. Doch solch einer bewegenden Polarität aus 
Zeitverfallenheit und Zeitüberhöhung sucht der 
Waitzener Triumphbogen sich zu entheben - 
durch die Manifestation der ldee der Dauer, der 
unveränderlichen Ewigkeit. Nicht momentane 
Zeitüberhöhung, sondern unbedingte Zeitent- 
hobenheit sollte mit seiner Erscheinungsform zu 
unverbrüchlicher Identität gebracht werden. Sein 
Ziel ist es, unbewegt von der Wechselwirkung aus 
Allegorie und Zeitmodalitat in architektonischer 
Unmittelbarkeit das vorzutragen, was Alois Riegl 
als Begriff des modernen Denkmals erkannt hat: 
"einen Moment gewissermaßen niemals zur Ver- 
gangenheit werden lassen, im Bewußtsein der 
Nachlebenden stets gegenwärtig und lebendig zu 
erhaltenu, im "Anspruch auf Unvergänglichkeit, 
ewige Gegenwart, unaufhörlichen Werdezustandu 
vorzutragenzß. 
Den historischen Beginn zu dieser zeitüberdau- 
ernden Gültigkeit setzte ebenfalls die Anwesen- 
heit des kaiserlichen Hofes, doch hatte sie mehr 
den Charakter einer freundschaftlichen Visite; we- 
der eine dynastische Eheverbindung noch die In- 
augurierung einer neuen Herrschaft stand bevor. 
Vielmehr stand hinter dem Anlaß USS BESUChES _ 
der Hochzeit der Nichte des Kardinals und Bi- 
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