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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

 
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Carry Hauser 
 
Zu Carry Hausers expressionistischem Frühwerk aus An- 
IaB seines 85. Geburtstages, 
Laute der Zeit alle verlustig gingen, drei gemalte und ge- 
zeichnete Bücher: das selbstanalytische r-Die große 
Nacht des Bruders Dominikusr- (1920), das gesellschafts- 
kritische r-Buch von der Sladtr (1921) und das sogenannte 
itNachtebuch-i, eine tagebuchartige Aufzeichnung seiner 
Träume, das heißt eine Bewußtseinsmachung des Seell- 
schen, des eigenen Unterbewußtseins und eine Selbst- 
darstellung im Sinne einer wWlrklichkeitrt jenseits der äu- 
ßeren Realität. 
Diese drel Bücher, von denen nur das letztere ein gewis- 
ses Echo gelunden hat, während die beiden anderen bis- 
her unpubliziert geblieben sind, verdienen wegen des 
gänzlichen Verlustes des malerischen Frühwerkes aus 
dieser Zeit eine besondere Aufmerksamkeit. Sie stellen 
doch eine bemerkenswerte österreichische Spielform des 
Expressionismus dar. In diesen vom Künstler getexteten, 
geschriebenen und gemalten Büchern kommt der öster- 
reichische Expressionismus zwar in einer Kleinlorm, aber 
dennoch in nicht weniger charakteristischen Weise zur 
Darstellung, In den beiden Varianten, in den farbig 
aquarellierten Kompositionen, die die expressionistische 
Farbenskala Blau-Rot-Gelb bevorzugen, sowie in den gra- 
phischen schwarzweißen Federzeichnungen, bedient sich 
Carry Hauser einer ornamental-kalligraphischen Aus- 
druckskunst, die neben sparsamen Figuralem vorwiegend 
abstrakte, nicht figurative Strukturelemente verwendet, 
deren Zeichenhaftigkeit und Linearität-Rundungen, rech- 
te Winkel und Brechungen mlt dynamisch-aggressiven 
Spitzen In engstem Zusammenhang mit der rhythmisch _ 
hineingesetzten Bewegtheit der Schrift stehen. Ohne den 
poetischen Wert der von Hauser stammenden Texte zu 
beurteilen, die Hausers Doppelbegabung als Maler und 
Poet verraten, ergibt alles zusammen in seiner neuartigen 
Durchdringung von Schrift und Bild einen Aulbau, der 
stark durch die Betonung seiner inneren Gesetzlichkeit 
strukturiert ist und über eine bloß dekorative Bindung 
weit hinausgeht. Diese Hauserschen Strukturen, die au- 
Berliche Ähnlichkeit mit Arbeiten von Georg Grosz besit- 
zen, scheinen uns jedoch völlig gegensätzlich und von un- 
verkennbarer rrmusikalischeni Qualität zu sein. Sie lassen 
sich auch am besten mit musikalischen Begriffen um- 
schreiben und lassen die synasthetischen Tendenzen des 
Expressionismus hin zur Musik erkennen. Diese wie eine 
Partitur zu lesenden Kompositionen zeigen trotz ihrer 
emotionalen, existentiellen Problematik 7 Triebe, Eros 
und Sexus, Einsamkeit, Klage, Anklage, Mord, Tod, Sehn- 
sucht und Erlösung r eine uliedhüflßu, lyrisch gestimmte 
Melodik, die stark im heimatlichen Boden verwurzelt ist 
und eher an Franz Schuberts Liedwerk erinnert. In der dü- 
stersten und schicksalschwersten Zeit Österreichs stel- 
len sie eine individuelle Sonderlorm des Expressionis- 
mus dar, bei der das Erleben durch Melodik und bewegte 
Rhythmik in lineare Schwingungen umgesetzt wird, die 
durch harmonikale Strukturen zusammengehalten wer- 
den. 
Carry Hausers frühe Arbeiten sind somit Zeugen für das 
rrLeben im Erleben-r, die in ihrer menschlichen Allgemein- 
gültigkeit auch als eine Botschaft vom rlch zum DUu sein 
wollen. Als "Stück seines Lebens: sind sie nicht nur für 
die Kenntnis der Phasen des österreichischen Expressio- 
nismus am Beginn der zwanziger Jahre von Bedeutung, 
sondern darüber hinaus für unsere Gegenwart eine tröstll- 
che Botschaft für den Mut zum Leben und Überleben in 
schwerer Zeit. Wilhelm Mrazek 
1 Carry Hauser, Nächtebuch, 1920121 
nlch lehre mlt einer überfüllten Stlaßenbahnuur 
c. H., Nachtebuch (s. o. ff.) 
r-Burgerkrleg. Straßenkämpfe . ... 
c. H., Nltchteouch 
"Der Traum vom Frieden. ES I5! Krlegmu 
c. H., Nächtebuch 
"Traum von der guten toten Frau..." 
C. H., Buch "Die große Nacht des Bruders Dominikusu, 192D. 
nlCh sehe die Sonne sinken...- 
C.H.. Buch r-Die große Nachtm-t (s. o. ll.) 
i-Stithle hespririgen sich", 
O.H., Buch r-Die große Nacht...- 
xMBlflB Beine sind leicht...- 
Carry Hauser 
C. H., Buch von der Stadt, 1921 
aus Stelnegewlrr und elektrischen Lampen...u 
10 011., Buch von der Stadt, 1921 
"Gleich einer Wunde lrißt . . .01 
11 c. H., Buch von der Stadt, 1921 
wFettlge Kopfe, aufgeblahte Körper...- 
12 c. H., Buch von der Stadt, 1921 
"Familien. Quadratisch umengte Gemelnschaftum 
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