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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

I Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
 
Wien 
Museum moderner Kunst 20er Haus - Das Mu- 
seum of Modern Art zu Gast in Wien 
Der ganze Museumsbau im Schweizergarten wurde sehr 
zu Recht dieser Ausstellung zur Verfügung gestellt. im 
Erdgeschoß sind die großen Bilder, hauptsächlich der ab 
strakten Expressionisten, gewesen. Der Raum ließ sie be- 
sonders gut wirken, und man konnte feststellen, daß die 
Bilder, die fast alle eine frühe Entstehungszeit hatten 
(Poliock 1946, 1947), nichts von ihrer Kraft verloren haben. 
Motherweiis wElegie auf die Spanische Repubiiku mit den 
dunkel-schweren Balken und Malen setzte in dem großen 
Raum starke Zeichen. Auch die Farbgerinnsel des späten 
Poiiock, etwa vWeißes Licht-i, 1954, oder Tobeys vEnde 
ÄUQUStu, 1953, waren sehr gute Beispiele einer Epoche. 
Ihre reiiefartigen Gestaltungen lassen den Reichtum ei- 
nes Farbauftrages erkennen, der mehr als nüchterne Wie- 
dergabe von Geschautem einschließt. Aus diesem Gewirr 
von Farben leuchtet ein fernes Licht wie aus dem Gewirr 
eines brennenden Dornbuschs. Andere ngegenstandsnä- 
here-r Arbeiten, wie etwa Rothkos wOhne Titeln, um 1948, 
strahlen mit ihren zarten Couleurs unglaublich viel Stim- 
mung aus. Mit James Rosenquist kündigt sich schon sehr 
intensiv die Pop-art an. Auch diese Richtung war mit den 
wichtigsten Namen und Werken vertreten. Außerordent- 
iich schwach war die Plastik der Epoche gezeigt. Hier ist 
als eines der wenigen bedeutenden Objekte, die zu sehen 
waren, Seymour Llptons hHeiligtumlx, 1953, eine ver- 
nickelte und versilberte Stahiplastik, zu nennen. im ersten 
Stock des Hauses waren die Graphik, die Fotografie, Pla- 
kate und Möbel untergebracht. Die Grafikschau war sehr 
reich, unglaublich exakt und sauber. Wir fanden alle be- 
kannten Namen, den frühen M. Tobey (!), Oldenburg, Rau- 
schenberg, Segal u.v.a. Die Fotografie war mit einer sehr 
kleinen, aber außerordentlich erlesenen Schau vertreten. 
Es waren durchwegs bedeutende Namen, und Immer wie- 
der mußte man das frühe Entstehungsdatum der ausge- 
stellten Werke bewundern. Ausgesprochen dürftig warje- 
doch die Schau der Möbel. Einzig beachtenswert das Ent- 
stehungsdatum eines Wohnzimmersesseis von Chair 
Lounge um 1914 (!). Ausgesprochen dürftig auch die 
Video-Gestaltungen. im ganzen jedoch eine sehr gute und 
wichtige Ausstellung. Eine Ausstellung, die für Wien au- 
ßerordentlich informlerend war und die erfreulicherweise 
auch dementsprechend gut besucht wurde. Der Katalog 
(238 Seiten) mit vielen Schwarzweißabbiidungen, zahlrei- 
chen Aufsätzen über die Sammlungen des Museums of 
Modern Art und ihre Entstehungen ist ein wichtiges Nach- 
schiagewerk. (12. 12. 1979 - 20. 1. 1980) - (Abb. 1) 
Wiener Secession 
Hildegard Joos - Malerei und Graphik 1959 - 1979 
Die Schau war ein Rechenschaftsbericht der Künstlerin 
zu ihrem siebzigsten Geburtstag. Und man konnte fest- 
stellen, daß dieser Bericht durchaus positiv ausfiel. 
Schon bei den Beispielen ihrer frühen Arbeiten, abstrak- 
ten Gestaltungen aus den fünfziger Jahren, konnte man 
bei den Reduzierungen nGebetteppich in Rot-r und i-Ge- 
betteppich in Blau. ein starkes Farb- und Formgefühl 
feststellen. Beide Bilder haben etwas Magisches. Die in 
den sechziger Jahren entstandenen Kompositionen in 
Weiß, die wir schon aniaßiich ihrer damaligen Ausstei- 
iung in der Galerie wModern am positiv besprechen ha- 
ben, können sich auch heute noch behaupten. Es folgt 
dann bereits eine sehr geometrische Phase mit op-art- 
ähnlichen Bildern. Hier wird der Einfiuß des Konstrukti- 
ven sehr deutlich, einer Arbeitsweise, der sich die Künst- 
lerin immer mehr zuwendet. in ihren letzten Bildern und 
Blättern zeigt sie eine exakte Gestaltung und starken 
Ausdruck in diesem Bereich. Ein sehr schöner Katalog 
mit vielen Biidbeispleien und einer sehr guten Einführung 
von Dr. Dieter Bogner ergänzt die Schau (12. 2. - 9. 3. 
1980) - (Abb. 2) 
Gotthard Muhr - Radierungen 
Es sind 47 Arbeiten, die in der Galerie im ersten Stock ge- 
zeigt werden. Alle durchwegs zeichenhaft, oft scheinen 
sie wie Totems gestaltet. Muhr ist in der Linie klarer, viel- 
leicht bestimmter geworden. Es hat den Anschein, daß 
der Künstler aus einer suchenden in eine mehr bekennen- 
de Phase eingetreten ist. Die Hintergründe sind oft vergit- 
tert, was freilich wieder auf eine gewisse Verschiossen- 
heit deutet. Die neueren Arbeiten sind großtelis durch 
Themenzykien bestimmt. Mit wenigen Ausnahmen han- 
delt es sich um Aquatinta- und Kaitnadelradierungen. In- 
teressant ist, daß ab 10. Mai eine Auswahl der Radierun- 
gen in Passau im Scharfrichterhaus vorgestellt wird. 
(12. 2. - 9. 3. 1980) - (Abb. 3) 
Wiener Künstlerhaus - Ars Medica 
Es handelt sich hier um eine Stiftung des amerikanischen 
Pharmakonzerns Smith Kiine St French Corporation an 
das Philadeiphia Museum of Art und beinhaltet Kupiersti- 
che, Holzschnitte und Lithographien aus dem Themenbe- 
reich der Medizin aus der Zeit um 1500 bis in die Gegen- 
An 
wart. Es waren hervorragende Blätter von Schongauer, 
Dürer, Hoibeln, Raffael, Rembrandt, Goya, Hogarth, Dau- 
mier, Toulouse-Lautrec, Heckel, Munch, Paul Klee u.il.a. 
zu sehen. Die wertvollen Blätter wurden von überraschend 
viel Besuchern betrachtet. Ein Katalog von 90 Seiten mit 
ergänzenden Bildtexten (engi.) und sehr vielen Abbildun- 
gen lag auf (22. 1. - 29. 2. 1980) - (Abb. 4) 
Anfänge polnischer Städte 
Die Anfänge der polnischen Städte im Lichte der Boden- 
forschung. Unter diesem Titel war im großen Saal eine 
kleine Ausstellung. Sie zeichnete sich durch sehr saubere 
Präsentation aus. Neben kleinen Vitrinen mit Bodenfun- 
den, neben einem Abguß des Bronzetors der romanischen 
Kathedrale von Gniezno (12. Jh.), Modellen erster befe- 
stigter Siedlungen dieses Raumes waren sehr übersichtli- 
che Tafeln mit Hinweisen auf Besiedlung, auf Entste- 
hungsarten der Städte u. dgi. Ein wissenschaftlich bear- 
beiteter Katalog, der aber durchaus auch für den Laien 
verständlich ist, war eine willkommene Ergänzung. Der 
Besuch zeigte jedoch, daß für ein solches Thema der in- 
teressenkreis eher beschränkt ist. (16. 1. - 24. 2. 1980) - 
(Abb. 5) 
Peppino Wieternik 
Es ist eine Gedächtnisaussteiiung für den am 22. 12. v.J. 
unerwartet gestorbenen Maler, der in diesen Tagen sein 
60. Lebensjahrvoiiendet hätte. Die Bilder zeigen deutlich, 
was wir an diesen in der Stille, ohne Eigenwerbung arbei- 
tenden Künstler verloren haben. im Gemälde geht er bis 
zur Aufiosung in die Aktion, wobei diese in wenigen Far- 
ben (Schwarz, Weiß und wenige Rottbne) gehaltenen Bil- 
der besonders stark in der Wirkung sind. immer ist die Li- 
nie vorherrschend. Es ist daher sicher auch kein Zufall, 
daß die Graphik in dieser Ausstellung besonders wichtig 
ist. Hier ist einerseits die gleichsam aus dem Handgelenk 
kommende abstrakte Linienführung, die mit ihren kno- 
chenartlgen Formen, mit ihren dunklen Konzentraten z. T. 
an Malta erinnern, hier sind aber auch die rein gegen- 
ständiichen Akt- und Portratzeichnungen, die von Wieter- 
nlks rein technischem Kcnnen Zeugnis ablegen. Eine 
Schau, die uns den Verlust des Künstlers besonders 
schwer empfinden laBt. (31. 1. - 29. 2. 1980) 
Giseia Beinrücker - Materiaiblider 
im Künstierhausklno war eine Folge von sehr zarten, von 
der Figur ausgehenden Gestaltungen aus verschiedenen 
Stoffteilen, die auf großen Flachen montiert sind, zu se- 
hen. Alle machen eher einen fragllen Eindruck, erinnern 
oft an den feinen Schmelz von Schmetteriingsfiügeln. Be- 
sonders starke Aussagen haben jene feinen Gebilde mit 
eingearbeiteten Stickereien, die wohl auch im Formaten 
die besten sind. Die dunklen Formen bei etlichen lassen 
mit ihrem auf der Kippe stehenden Gleichgewicht eine 
Bedrohung ahnen. (4. 2. -26. 2. 1980) - (Abb. 6) 
Galerie Würthie I Linde Weber - Zeichnungen, 
Aquarelle 
Die aus dem Waldviertei kommende, in aller Weit viel ge- 
reiste Künstlerin legte hier großformatige Blätter vor, die 
fast ausschließlich in der letzten Zeit entstanden sind. in 
die sehr expressiven und in Grautönen gehaltenen Waid- 
viertler Arbeiten kommt ein in den vielen vorangegange- 
nen Arbeiten zurückgehaltener und gebandigter Bewe- 
gungsdrang. Es ist wie ein Ausbruch von elementaren 
Kräften, der sich über diese Flächen ergießt, der Straßen, 
Felder, Baumreihen, Hügeiketten, Wiesenraine ergreift 
und ausbreiten oder aufbaumen iäßt. Hier bahnt sich ein 
Opus an, setzt mit vollem Akkord ein, vergleichbar den Ar- 
beiten, mit denen Moidovan einst aufgehört hat. Kein un- 
befangener Betrachter würde diese kraftvollen Pinselstri- 
che, -hiebe, -kieckse für die Gestaltung einer Frau halten. 
Mit wenigen Tupfern, Wellen, Wischern wird hier eine 
Menge ausgesagt. Der umfangreiche und gut gestaltete 
Katalog wird von einem sinnreichan Text von K. Sotriifer 
und einem eher geschmackierischen von 0. Breicha ein- 
geleitet und dokumentiert eine reiche Biidauswahi. (7. 2. 
bis 1. 3. 1980) - (Abb. 7, 7a) 
Armin Pramstaiier - Uriandschaften 
Der in Vorarlberg geborene und dort lebende Künstler er- 
gänzt mit seinen sehr dichten Radierungen die vorher be- 
sprochene Ausstellung sehr glücklich. Auch bei ihm ist 
ein starkes dynamisches Element spürbar. Doch sind sei- 
ne Blätter schon durch die Technik der Radierung be- 
dingt, die Pramstailer - sicher ein seltener Fall - an Ort 
und Stelle, also vor der Natur durchführt, nicht so eruptiv, 
sondern eher rhythmisch, gleich einem poetischen Text, 
weithin schwingend. Die Formationen werden durch Ver- 
tikale bestimmt, die bis zu einem sehr hochgezogenen. 
manchmal über dem Biidrand liegenden Horizont dem Bea 
trachter große Räume erschließen. (7. 2. - 1. 3. 1950) - 
(Abb. B, 88) 
Galerie auf der Stubenbastei I Herbert Albrecht - 
Skulpturen und Zeichnungen 
Auch Albrecht kommt aus Vorarlberg, wo er 1927 geboren 
wurde. Er ist Wotrubaschüier (1949 - 1955). Sein gi 
Werk ist bis jetzt eine Monumentalfigur in der Zistt 
serabtei Mehrerau am Bodensee. Er stellt seit 197 
Jahre in Basel aus. in Wien waren 42 Exponate zu s 
davon 21 plastische Arbeiten, der Rest Zeichnunge 
Lithographien. Albrecht ist, wie fast alle Bildhauer 
Generation, dem Erscheinungsbild des Menscher 
tiefste verbunden. Auch kann er, wenn auch sehr w 
iich Eigenes und Persönliches dazukam, die Schui 
trubas nicht verleugnen. Alle Elemente sind bei i 
Rund- und Haibrundiormen umgewandelt. Die Tor 
Mutterfiguren, die Doppeifiguren, alle geben eine: 
haptischen Impuls. Albrechts Werk macht einen hat 
schen und ausgewogenen Eindruck und ist saubert 
gearbeitet. Die Graphiken zeigen ähnliche Tendi 
(10. 1. - 2. 2. 1939) - (Abb. 9) 
Galerie Ariadne! Walter Weer - Arbeiten ai 
pler 
Der Maler, der sich lange mit der Erfassung von Ge: 
tem und Empfundenem im Zusammenhang mit den 
ser beschäftigte, ist nun einen Schritt weitergegi 
Wohl finden wir auch bei den neuen Gestaltungen h 
wie nZwei Flüsse nach Nordenu oder -Dunkier Flu 
oder nur wDurchtrankt-t, die uns an Weers i-Wasser: 
erinnern, doch die meisten Blätter weisen mehr a 
Konsistenz des Elementes als auf dieses selbst, aui 
Transparenz! Weer bearbeitet ein Papier und ie 
zweites, sehr dünnes, transparentes und wieder bei 
darüber. Die beiden Ebenen ergeben ein Gemeins 
Risse, Kiebespuren, besonders aber Falten im d 
Deckpapier werden in die Gestaltung einbezogen. n 
so entstandenen Arbeiten sind Ausdruck einer 
nach Klärung von Um- und innenweltit, sagt der Kt 
dazu. (12. 2. - 8. 3. 1980) 7 (Abb. 10) 
Galerie am Graben l Veronika Schwarzinger 
Die 1953 im niederosterreichischen Meik Geboren 
d.ierte an der Hochschule für angewandte Kunst ir 
und hat seit 1976 eine eigene Werkstätte. Sie steil" 
Arbeiten bereits im in- und Ausland sehr oft und i 
guten Galerien aus. Hier waren in sechs Vitrinen i 
der Auslage die außerordentlich sauber gearbs 
Schmuckstücke zu sehen. Es handelte sich fas 
schließlich um Anstecknadeln, Broschen u.ä. D 
stecknadeln der zarten Objekte werden durch S; 
dern, die in das Schmuckstück organisch einkomp 
sind, in den jeweiligen Verschiußteii gepreßt. 
Silber- oder Kupferpiättchen in geometrischen F1 
geben Akzente. Es sind sehr strenge, ja nüchtern 
men. (25. 1. - 16. 2. 1980) - (Abb. 11) 
Galerie Christian Brandstätter 8t Cie I Franz 
cho 
Der 1951 in Seckau Geborene studierte bei Prof. 
an der Akademie in Wien und beteiligte sich an z 
chen Ausstellungen im in- und Ausland. Die meist g 
in Mischtechnik gehaltenen Blätter zeigen uns häu 
eigenartiges Gewirr von Farbgekröse, dann wiede 
Liniierung von fiimmerndem Duktus, geordnete Ne 
peln und bedrohliche geometrische Flächen. Hier 
man Flugbiider, dort Röntgenaufnahmen vor sich 
ben. Immer tritt etwas sehr Erregendes an den Besr 
heran. (22. 11. - 2D. 12. 1979) - (Abb. 12) Aiois 
Salzburg 
Galerie Academia I Leo Zogmayer 
Der 1949 in Krems geborene Maler besticht hier dul 
konnte Federzeichnungen, deren fast ausschiieß 
Thema stille und nbescheideneu Landschaften sind 
nen die Wechselwirkung von Natur und baulicher C 
tung eine überzeugende Harmonie findet (31. 1. - 
198D) 7 (Abb. 13) 
Galerie Weiz I Aiois Riedl 
Werner Thuswaidner hat im Zusammenhang mit dt 
fik und der Malerei des 45jährigen, zurückgezog 
Schärding lebenden Künstlers auf analoge Tenden 
der experimentellen Literatur hingewiesen: Wird eii 
beharrlich immer wieder wiederholt, verliert es sei 
deutung und nur mehr der Klang bleibt übrig; wird d 
zeß weiter fortgesetzt, wird das Wort ganz aus seir 
sammenhängen gelost, gewinnt es eine sonderbar: 
standigkeii. Riedls Bilder sind stets Darsteiiungt 
Poistermöbeln, dynamisch und kraftvoll, in den jÜl 
Arbeiten zu Zeichen verdichtet. (8, - 27. 1. 1980) 
Kunstverein I Max Weiler 
-Arbeiten auf Papiere aus den Jahren 193i -1975 
eindrucksvoll den Entwickiungsweg des großen il 
der sich heuer von seiner Lehrtätigkeit an der Wieni 
demie zurückziehen wird. Peter Weiermair hat in s 
Katalogtext für die Entwicklung eine Wende im Jal 
festgestellt: ab diesem Zeitpunkt arbeitet Weile: 
mehr nach der Natur, sondern hat sozusagen den E 
so schöpferisch zu sein wie sie. (14. 1. - 16. 2. 19
	        

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