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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

 
Das Österreichische Museum ist nicht aus einer 
jahrhundertealten mehr oder weniger zufälligen 
Sammlung eines Herrschers, Fürsten oder Klo- 
sters entstanden, sondern geht auf eine planmäßi- 
ge Gründung des 19. Jahrhunderts zurück. Es soll- 
te von allem Anfang an Studiensammlung für den 
historisch Interessierten sein. Das Interesse des 
Künstlers wie des Laien des 19. Jahrhunderts aber 
galt der möglichst vollständigen Übersicht über 
die künstlerische Produktion aller vergangenen 
Zeiten, um sich ihrer als Vorbilder für historische 
Nachahmungen bedienen zu können. Diese Ein- 
stellung geht Hand in Hand mit der Entwicklung 
der kunsthistorischen Disziplin der philosophi- 
schen Fakultät, die, geboren aus Geschichtswis- 
senschaft und Archäologie, ihr Interesse der Stil- 
entwicklung sowie der Erfassung der vorhande- 
nen Monumente in historischer Ordnung zuwand- 
te, Daraus wird auch verständlich, daß der erste 
Direktor des Museums für Kunst und Industrie, 
wie es damals hieß, Rudolf von Eitelberger, zu- 
gleich Ordinarius für Kunstgeschichte an der Uni- 
versität Wien war und bedeutende Theoretiker der 
Wiener Schule der Kunstgeschichte, wie Franz 
Wickhoff, Alois Fiiegl und Moritz Dreger, aus dem 
Österreichischen Museum hervorgegangen sind. 
Um den Intentionen des historistischen Künstlers 
des 19. Jahrhunderts entgegenzukommen, sam- 
melte man alle Zweige der bildenden Kunst, er- 
setzte das Nichterreichbare durch Gipsabgüsse 
und galvanische Nachbildungen und ordnete die 
Sammlung nach den Prinzipien von Material und 
Technik. Als Teil des Museums wurde eine Kunst- 
gewerbeschule gegründet, für deren Lehrer und 
Schüler die Objekte des Museums eine Art Vorbil- 
dersammlung darstellten. Die Hauptrichtung der 
Sammlertätigkeit war auf kunsthandwerkliches 
Gebiet ausgerichtet, was schließlich dazu führte, 
daß in der folgenden Zeit Werke der Plastik und 
Malerei sowie bedauerlicherweise auch die 
Sammlung antiker Kunstgegenstände abgesto- 
ßen wurden. Großen Wert legte man auf den Aus- 
bau der Bibliothek und Kunstblättersammlung, 
auch hier mit Blickrichtung auf Erwerbung von 
Vorbildern für den nachahmenden Künstler. An 
der Bibliothek wurde aber zur gleichen Zeit - 
nach dem Vorbild der antiken Bibliotheken im Sin- 
ne eines wMuseions-i e die historisch-erfassende 
Wissenschaft durch Vorträge, Vorlesungen und 
Veröffentlichungen gepflegt. 
Mit dem Ende des Historismus in der Zeit um 
verlor der Grundplan des Osterreichischen 
seums einen großen Teil seiner Zielsetzung 
cherlich, die seit Gründung mit dem Museun 
bundene Pflege des jeweils zeitgenössis 
Kunsthandwerks ging und geht weiter, abe 
Vorbildcharakter der Sammlung verschwand. 
gedrungen entstand durch diese Veränderu 
eine Isolierung der historischen Sammlunger 
dem modernen Schaifungsprozeß, was auc 
der Trennung und Verselbständigung der K: 
gewerbeschule vom Museum seinen Ausd 
fand. Dadurch verlor das Ordnungsprinzip 
Sammlungen nach Material und Technik an 
fälliger Bedeutung und das historisch-deskri 
sowie didaktische Prinzip trat konsequentem 
in den Vordergrund. So begann man bereits ir 
20er Jahren dieses Jahrhunderts die Aufstel 
der Objekte nach Mobelsaal, Eisensaal, Gold; 
Keramiksaal, Textilsammlung etc. zu durcl 
chen und die Säle nach den historischen Zr 
und der Stilabfolge, also kunsthistorisch-wis 
schaftlich zu gliedern, um in den einzelnen S 
jeweils alle Materialien einer Zeit zu zeiger 
mehr sich die zeitgenössische Kunst von 

	        

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