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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

ahmung früherer Zeiten befreite und eigene 
a zu beschreiten begann, desto mehr wurde 
nteresse nach möglichst ganzheitlicher Er- 
ing und Darstellung früherer Zeiten. Der da- 
ieschrittene Weg ist der einzig richtige und 
z nun konsequent bis zu Ende durchgeführt 
en; d.h. eine Präsentation kunstgewerblicher 
(te vom frühen Mittelalter bis zur heutigen 
nach Stil und Landschaft gegliedert, in klarer 
inanderfolge und im harmonischen Zusam- 
tlang der einzelnen Materialien und Aufga- 
ebiete. Sicherlich hat dieses Aufsteilungs- 
ip keinen unmittelbaren Zusammenhang 
'mlt der heutigen Produktion, außer dem, daß 
diese immer wieder neu an die dargebotene 
entation anschließen läßt. 
r Betrachter der ausgestellten Objekte soll 
liese Weise die einheitliche lntention der je- 
gen Zeit kennenlernen und die Unterordnung 
einzelnen Gegenstandes unter ein Stilprinzip 
ssen können. Die Erarbeitung eines Zeitbildes 
ill seinen kulturellen und sozialen Hintergrün- 
für jede Periode unserer Geschichte in chro- 
gischer Abfolge, dargestellt an lnnenraumge- 
 
tung, kunstgewerblichen Gegenständen und 
jenständen des täglichen Lebens, ist dabei 
Ziel. Mit der Ordnung nach diesem Prinzip 
de, wie gesagt, bereits vor etwa 50 Jahren be- 
inen, nur ist sie aus verschiedenen Gründen 
konsequent durchgeführt worden. Um diese 
isequenz nunmehr zu erreichen, sind umfang- 
:he Umstellungen notwendig. Die Anlage des 
izwei Häusern bestehenden Museums, von de- 
i das ältere ein bedeutender Bau des Historis- 
s im Stil der italienischen Hochrenaissance mit 
r stark zwingendem Charakter der einzelnen 
ime ist, eignet sich - abgesehen davon, daß 
ganzen für die sehr stark angewachsenen 
nmlungen letzten Endes nicht genügend Platz 
Verfügung steht - zur Durchführung einer 
onologischen Ordnung gut. Die 8 Säle im Erd- 
iChOß des walten" Hauses können der Reihe 
:h frühes und hohes Mittelalter, Gotik, Renais- 
ice, Manierismus-Frühbarock, Barock des frü- 
i 18. Jahrhunderts, Rokoko und Louis-seize, 
pire und Biedermeier sowie den Historismus 
nehmen. im 1. Stpck des gleichen Hauses kann 
Saal für Jugendstil und Wiener Werkstätte und 
im folgenden ein Saal für das weitere 20. Jahrhun- 
dert bis herauf in unsere Tage eingerichtet wer- 
den. Das "neue- Haus bietet im Erdgeschoß Raum 
für den Vorderen Orient und im 1. Stock 3 völlig 
neu einzurichtende Säle für Ostasien. In allen Sä- 
len geht es, wie gesagt, im wesentlichen darum, 
alle zu einem Stil gehörigen Materialien in ihrer 
Zusammenwirkung zu präsentieren. Die großen 
Vorteile dieser Ordnung sind, neben der genann- 
ten Zusammenwirkung, daß etwa die früher völlig 
gesondert aufgestellte Gruppe der mittelalterli- 
chen Glasfenster - die, nebenbei gesagt, seit 12 
Jahren nicht mehr zu sehen waren - nunmehr mit 
den übrigen mittelalterlichen Objekten - auch 
diese, darunter der weltberühmte Gösser Ornat, 
ein Hauptstück der Sammlung, waren seit 12 Jah- 
ren dem Publikum nicht zugänglich - zusammen 
ausgestellt werden können. Weiters sollen Kera- 
mik, Pcrzellan und Glas zu einem großen Teil aus 
ihrer Isolierung hervorgeholt werden; weiters wird 
die Ostasiatische Abteilung nicht mehr an zwei 
weit voneinander entfernt liegenden Orten, son- 
dern in einem geschlossenen Bereich von drei Sä- 
len zu sehen sein, was auch die Möglichkeit bie- 
 
1 Saal lll. Renaissance, 16. Jahrhundert. Vitrine mit astro- 
nomischen Geräten im Vordergrund 
Saal lll, Vitrine mit astronomischen Geräten 
Saal lV, Manierismus, 17. Jahrhundert 
Saal lV, vorne Steinschneidegefäße und Bergkristall 
Saal V. Fruhbarock 
Teilansicht des neugestalteten Saulenhots 
Saal IX - Jugendstil während der Neuaufstellung 
staunen-zu 
tet, das noch nie gezeigte japanische Kunstgewer- 
be zur Geltung zu bringen. Ein ganz besonderer 
Vorteil der Neuaufstellung liegt aber darin, daß 
die Möglichkeit geboten wird, das ebenso noch 
nie gezeigte spätere 19. Jahrhundert, den Historis- 
mus und das 20. Jahrhundert, vor allem Jugendstil 
und Wiener Werkstätte wie einen besonderen 
Schatz des Museums: die Entwürfe Gustav Klimts 
für den Mosaikfries im Palais Stoclet, den Schau- 
sammlungen anzuschließen. Durch alles das kann 
die ständige Präsentation wesentlich erweitert 
werden, da der bisher mit 1830 gesetzte Schluß- 
punkt bis in unsere Tage hinauf verlegt werden 
soll. 
So einfach und logisch diese Ordnung klingt. so 
ergeben sich doch an vielen Stellen erhebliche 
Schwierigkeiten in der Durchführung. Das Haupt- 
problem liegt in der Unausgewogenheit der 
Sammlungen gegeneinander, denn auch bei plan- 
mäßiger Anlage eines Museums ist es nie mög- 
lich, von allen Materialien und allen Zeiten gleich 
viel und gleich bedeutende Gegenstände zu erwer- 
ben. Das heißt, daß in manchen Sälen eine Mate- 
rialgruppe so weit überwiegen kann, daß sie einen 
bestimmenden Eindruck macht; wie etwa in den 
Sälen des Vorderen Orients die Teppiche so domi- 
nierend sind, daß man den Eindruck eines Textil- 
saales bekommen kann und die anderen Objekte 
untergehen. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich 
daraus, daß auf einigen Gebieten - ich meine 
hier vor allem Glas und Porzellan - so viele be- 
deutende Objekte im Museum existieren, daß man 
auch bei strengster Auswahl nicht alles, was ge- 
zeigt werden muß, dort unterbringen kann, wo es 
nach der Chronologie hingehört. In diesem Fall 
muß zu dem Kompromiß eines "Ergänzungs- bzw. 
Studiensaalesii gegriffen werden. Das dritte große 
Problem besteht darin, daß die einzelnen Säle ei- 
nen optisch guten Eindruck machen sollen und 
sehr oft die Kombination von Vitrinen für kleine 
Objekte und frei stehend große Stücke, vor allem 
Möbel, diesen Eindruck stören können. Obwohl es 
trotz dieser Schwierigkeiten notwendig ist, die 
Konsequenz des Gesamtplanes zu halten, sind 
Kompromisse eben notwendig, die die Ordnung 
an einigen Stellen durchbrechen. Diese betreffen 
vor allem die etwas Llbergewichtige Sammlung 
von Glas und Keramik. Da jede Epoche gleichwer- 
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