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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 170)

Anm. 4 
WiensIBecker-Glauch. Kritischer Bericht (s Anm. 7) 
 
vorhanden. Die Einbußen sind demzufolge er- 
staunlich gering: 1 schwer beschädigte, 2 fehlen- 
de Figuren und 2 fehlende Vasen. 
Im Gegensatz zu den Deckenfresken Trogers in 
der Zwettler Bibliothek, für die ein "Conceptus 
pingendirr vorliegt, haben sich für den Zwettler Ta- 
felaufsatz keine schriftlichen Aufzeichnungen 
zum Programm erhalten. 
Die Deutung allegorischer und mythologischer 
Darstellungen kann daher nur mit Einschränkun- 
gen als gesichert gelten. Da die Rechnungen der 
Wiener Porzellanmanufaktur aus dem Jahre 1768 
nur summarische Angaben enthalten, ist das 
Zwettler Museumsinventar von 1902 der erste Ver- 
such, lnventarisierung und Beschreibung zu ver- 
binden, wobei wir feststellen, daß das Wissen um 
die Bedeutung einiger dargestellter Gruppen und 
Figuren schon verlorengegangen war. 
Die heute gängige Deutung geht im Prinzip auf die 
Anmerkungen im Katalog der "Ausstellung von 
Alt-Wiener Porzellan" zurück, die 1904 im K.k. 
Österreichischen Museum für Kunst und Industrie 
(heute Österreichisches Museum für angewandte 
Kunst) stattfand": 
11648 Tafelmilieu  Das Milieu besteht aus einem 
Untersatz aus neun Teilen auf niederen Füssen 
mit Spiegeln belegt und von Porzellanlelsten in 
Rocailleformen umgeben. Darauf befindet sich ei- 
ne Mittelgruppe ,Die PorzeIlanerzeugung', ferner 
aus vier Hauptgruppen, Astronomie, Architektur, 
lyrische und dramatische Dichtung, vier Neben- 
gruppen, mythologische Szenen darstellend, vier 
Figuren der Kardinaltugenden (Gerechtigkeit, 
Stärke, Mässigkeit und Wahrheit), vierzehn Figu- 
ren der Stände und Gewerbe, zwei allegorische Fi- 
guren (Musik und ?), siebzehn Figürchen, Amoret- 
ten in verschiedenen Beschäftigungen ...(( Die 
Porzellanspezialisten des Museums versuchten in 
der Folge weitergehende Deutungen der Porzel- 
lanfiguren, so daß heute das nachstehende Pro- 
gramm überliefert ist: 
t. Mittelgruppe: Porzellanerzeugung (Puttengrup- 
P9) 
2. Vier Kardinaltugenden: Fortitudo, Temperantia, 
Justitia und Prudentia 
3. Vier Puttengruppen (Astronomie, Architektur, ly- 
rische und dramatische Dichtung) 
4. Vier kleinere Gruppen: mythologische Götter- 
paare, die auch als Symbole der 4 Elemente ange- 
sehen werden. 
Die Einzelfiguren sind als Kaufrufe, Jahreszeiten- 
figuren, Amoretten etc. relativ einfach zu identifi- 
zieren. 
Bemerkenswert ist, daß die Darstellung der vier 
Kardinaltugenden in Zwettl in einem größeren Zu- 
sammenhang gesehen werden muß. 
in dem von Joseph Haydn zum Anlaß des ProfeB- 
jubiläums komponierten nApplaususrr finden wir 
folgende nPersonae Cantantesrr: 
Temperantia , . . . , . . . . . . . . . , . . . . .Soprano 
Prudentia . . . . . . . . . . . . . . . . , . . , ..Alto 
Justitia . , . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..Tenore 
Fortitudo . . . . . . . , . . . . . . , . . . . . . . .Basso 
Theologia .... . . . . . . . . ..Basso 
Die ursprüngliche Bezeichnung Theologia wurde 
in den heute noch vorhandenen Libretti durch uSa- 
pientiarr ersetztl5. 
Die Darstellung der r-Sapientiarr in Verbindung mit 
Tugendfiguren wird im "Conceptus pingendirr der 
Zwettler Bibliothek (vom 28.11. 1732) ebenfalls er- 
wähnt; sie hat dort eine besondere Stellung inne, 
die sie gegenüber den Tugenden hervorhebt: 
nErstesfeldtNo.1.AlIhier wirdt Sapientia in ihren 
triumph vorgestellt,  werden untersohidliche tu- 
5 
Anm. 4 
WiensIBscker-Glauch. Kritischer Berinhl (s. Anm. 7)
	        

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