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Full text: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 171)

1916 veranstaiteter Wettbewerb für einfachen 
Hausrat sollte nder armen Bevölkerung in den 
kriegsbetroffenen Gebieten gute, gefällige, 
brauchbare und preiswürdige Typen für neu anzu- 
fertigenden Hausrat-t bieten." Zum ersten Mal 
wurden hier von offizieller Seite Richtlinien für ein 
nArbeitermöbei-r erstellt, das realistischen Gege- 
benheiten Rechnung trug. Der leitende Grundsatz 
des Wettbewerbes erstrebte ndie Schaffung be- 
stimmter, einzelner Möbeltypen, nicht zusammen- 
hängender Möbeigruppen, welche ein Einrich- 
tungsganzes schaffen-r. Den hauptsächlich aus 
der Wiener Kunstgewerbeschuie stammenden 
Entwürfen war eine bestimmte Art der Ausführung 
vorgeschrieben: "Eine für das verwendete Mate- 
rial und Werkzeug charakteristische Behand- 
lungsweise ist Bedingung. Jeder nicht im Charak- 
ter der Sache gelegene Schmuck war zu vermei- 
den. Großer Wert wurde darauf gelegt, das gezim- 
merte Möbel in seinen Verbindungen wirken zu 
lassen und dem massiven Holz die Eigenart durch 
die Bearbeitung mit dem Messer beziehungsweise 
mit dem Hobel nicht zu nehmen. Derartige Möbel 
sollen nicht geschliffen, nicht pclitiert werden-r" 
(Abb. 7.) Dadurch war eine größtmögliche Flexibili- 
tat für die Gruppierung der Möbel und somit auch 
der Zimmeriunktionen gegeben. Wohnschlafzim- 
mer oder Eiiwohnzimmer sowie Wohnküchen soli- 
ten zum Ausdruck einer neuen Gesellschaftsord- 
nung werden. Bei der Entwicklung neuer Sitzmo- 
beltypen orientierte man sich an englischen Bei- 
spielen (Abb. 6). 
Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-un- 
garischen Monarchie und der darauf folgenden 
Stärkung der Sozialdemokratie wurde die Lösung 
des Wiener Wohnungsproblems von der Gemein- 
deverwaltung gezieit in Angriff genommen. Die da- 
für notwendigen Geldmittel konnten, nach der 
Umwandlung Wiens in ein eigenes Bundesland, 
aus zweckgebundenen Steuergeldern beschafft 
werden. So entstand 1923 das Wohnbaupro- 
gramm der Gemeinde Wien, in dessen Rahmen bis 
zum Jahre 1927 beinahe 30.000 neue Voikswoh- 
nungen bereitstanden. 
Bereits 1920 wurden mit der Ausstellung "Einfacher 
Hausrat" vom Österreichischen Museum klare so- 
zialkritische Akzente gesetzt, wie sie von dieser 
Seite her bis dahin nicht bekannt waren (Abb. 8). 
Das Ziel der Ausstellung sollte es sein, den 
Arbeiter- und Kleinbürgerstand, der im besonde- 
ren unter der katastrophalen wirtschaftlichen 
Nachkriegssituation zu leiden hatte, mit dem Not- 
wendigsten in ansprechender, menschenwürdiger 
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Form zu versorgen." Die mit dem Wettbewerb von 
1916 eingeleitete Entwicklung einer mobilen 
Wohnform (gleichbedeutend mit einer Absage an 
die Möbelgarnitur) wurden nun wiederum fast 
gänzlich rückgängig gemacht. Außer einem vom 
Architekten Hugo Gorge entworfenen Wohnraum 
und Schlafzimmer waren alle anderen Einrich- 
tungsvorschiäge von der Möbeigarnitur dominiert 
(Abb. 9). Neben der eigentlichen Wohnungsein- 
richtung wurde auch der architektonischen Lö- 
sung des Wohnungsproblems Rechnung getra- 
gen, wobei dem Gedanken des Siedlungsbaus der 
klare Vorrang vor dem Miethaus eingeräumt wur- 
de; "Seit zwei, drei Generationen wurden die ein- 
zelnen, die Familien in stets wachsender Zahl der 
Möglichkeit beraubt, im eigenen Hause zu leben. 
Dafür wurden sie zu Hunderten, ja zu Tausenden 
in Hauser gepfercht, die nur der Funktion nach als 
SOICHE bezeichnet wurden, aber gewiß hiChl FISCH 
Ihrer WesenheiL-tß 
Diesem klaren Bekenntnis der Fachleute zum 
Siedlungsbau wurde von offizieller Seite nur in we- 
nigen Fällen entsprochen (Siedlung nAm Wasser- 
turmu, "Neustraßäckern, "Flötzersteign, wWeissen-
	        

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