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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 171)

 
das Siedlungshaus eingebaut werden. Sie besaß 
eine Wanne, die mittels eines Brettes zugedeckt 
werden konnte und somit zur Arbeitsfläche wurde, 
einen Waschkessel, einen Herd, eine Abwasch 
und Einbauschränke (Abb. 11). Die erste und einzi- 
ge eingebaute beziehungsweise verwandlungsfä- 
hige Einrichtung für ein Volkswohnhaus schuf An- 
ton Brenner 1924 in der Flauchfangkehrergasse 16 
(Abb. 12). Statt Trennwände benutzte er Kästen 
zur Raumteilung. Die Betten verschwanden tags- 
über in Bettnischen, die mit aufgespannten farbi- 
gen Geweben verdeckt waren. Am Abend wurden 
die leicht transportablen Wandteile entfernt, die 
Betten aufgeklappt und das Wohnzimmer wurde 
zum Schlafzimmer. Eine ähnliche Lösung zeigte 
Ernst Lichtblau 1931132 anläßiich der Ausstellung 
"Der gute billige Gegenstand" (Abb. 19). Sie war 
ganz im Sinne der vEinraumwohnung-vß gehalten 
und hatte somit fließende Grenzen zwischen den 
einzelnen Wohnbereichen. 
im Bereich der Siediungsanlagen scheinen die 
Einrichtungsvorschläge der Architekten eher Auf- 
nahme gefunden zu haben als bei den Bewohnern 
der Volkswohnungen im Miethausverband. Durch 
die Architekten Franz Schuster und Franz Scha- 
cherl wurde der von Heinrich Tessenow aus Hel- 
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lerau nach Wien gebrachte Gedanke der Garten- 
stadt aufgenommen. In ihren Einrichtungsvor- 
schlagen und Möbelentwürfen setzen sie den ein- 
geschlagenen Weg Tessenows zu einem einfa- 
chen, funktionsgerechten, ubeseeltenu Möbel fort 
(Abb. 14, 15, 17, 18). 
Die Frage nach der geeigneten Wohnungsausstat- 
tung für den Arbeiter spielte beim Aufbau seines 
eigenen kulturellen Selbstbewußtseins eine wich- 
tige Rolle. Die sozialdemokratische Bewegung 
war bemüht, mittels Beratungsstellen den Arbei- 
ter davon zu überzeugen, nicht dem Bürger mit 
seiner großen Wohnung und den dazugehörigen 
repräsentativen Möbeln in einem dafür ungeeigne- 
ten, zu kleinen Rahmen nacheifern zu wollen. Man 
mußte ihm beweisen, daß seine Wohnung genau- 
so gut und schön wie die des Bürgers war; aber 
eben einen anderen, eigenständigen Charakter 
hatte. In diesem Zusammenhang wurden von den 
Architekten F. Janeba, F. Schacherl und F. Schu- 
ster Musterwohnungen in einigen Volkswohnhäu- 
sern eingerichtet (Abb. 13). Diese aber waren be- 
wohnt, um dem Arbeiterstand das Angebot eines 
eigenen, den gegebenen Umständen passenderen 
Einrichtungsstiles auf natürlichem Weg näher- 
bringen zu können (Abb. 21). Der Siedlerverband 
war bemüht, seinen Mitgliedern mit dem Verkauf
	        

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