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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 171)

Einen ungeheuerlichen Rückschlag brachte das 
Jahr 1846, als die Aufgabe der neuen Stadt bereits 
beschlossen und der Teil des Districtes, der ehe- 
mals zu Virginia gehörte, wieder an den Staat zu- 
rückgegeben wurde. Erst 1863, während des Bür- 
gerkrieges, empfing die Stadt neue Impulse. 1887 
entdeckte man des längst verstorbenen L'Enfants 
Plan, begeisterte sich neu an dieser idealen und 
genialen Konstruktion und stellte sie ab 1900 wie- 
der her. 
Es entspricht dem großartigen Aufstieg der USA 
ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, so sehr das 
römische Imperium zum Vorbild zu nehmen. Dar- 
aus folgt auch, daß man für die äußere Gestalt der 
nun innerhalb dieses Bezirkes zu erbauenden Ge- 
bäude und Memoiren bei allen Planungen im Sin- 
ne römischer Provinzialstädte vorging. Denn die 
entscheidende Vervollständigung des alten Pla- 
nes war durch die Errichtung dreier Memorien ge- 
geben: An erster Stelle der große Obelisk für Geor- 
ge Washington, der von 1848-85 am Schnitt- 
punkt der beiden Achsen, vom Capitol in Richtung 
zum Fiuß und vom Weißen Haus nach Süden, er- 
richtet wurde, wodurch ein vollständiges Dreieck 
entstand. Zweitens das Lincoln Memorial in Form 
eines griechischen Tempels, weit am Ende der 
"Malta, der großen breiten Hauptlinie vom Con- 
gress gegen den Potomac, als Abschlußpunkt ei- 
nes großes Konzeptes; 1867 beschlossen, aber 
erst 1922 vollendet. Drittens aber das 1943 fertig- 
gestellte Jefferson Memorial in der Gestalt des ro- 
mischen Pantheons, über den Washington Obe- 
lisk hinaus als äußerster Endpunkt im Süden, dem 
 
11 Der dorische Tempel des Lincoln-Denkmals, Für den 
1865 in Washington ermordeten Präsidenten. Als End- 
pol der 3 km langen Achse errichtet von Henry Bacon 
von 1914 bis 1924 
12 Lincoln-Monumentalligur im Inneren des Denkmals 
von Daniel Chester French 
13 Das Jefferson-Denkmal. Dem Weißen Haus als südli- 
cher Abschluß des Flepräsentationsbezirkes gegen- 
über. In Anlehnung an das hadrianische römische 
Pagtheon von John Ftussell Pope entworfen; 1943 voll- 
en et. 
14 Das hellenistische Gebäude des Staatsarchivs arn 
westlichsten Punkt des nFederal Triangleu 
15 Das im modernsten sachlichen Stil eines traditionel- 
len Klassizismus, der stark an Gebäude der Zelt um 
1800 anschließt, 1937 errichtete Federal Reserve 
Building 
 
Weißen Haus gegenüber. Der große Gründer 
und "Erstem des neuen Staatenbundes erhielt 
einen ägyptischen Obelisk als Memorie, wie 
schon von Augustus an viele Kaiser solche auf- 
stellen ließen. Lincoln erhielt einen griechischen 
Tempel, in dessen Inneren sein Denkmal wie eine 
Götterfigur thront, und Jefferson ein neues Pan- 
theon. Über allem aber steht das Capitol, das mit 
seinem Namen das antike, durch seine Gestalt 
das neue Rom beschwört; bildet es schließlich 
weitgehend St. Peter nach, das selbst die Summe 
der Wiederaufnahme römisch-kaiserzeitlicher Ar- 
chitektur darstellt. Das Haus des Präsidenten 
folgt den englischen Bauten des späten Klassizis- 
mus. In alledem geht es um bewußte Tradition und 
Summe: Vom ägyptischen Pharao über die grie- 
chischen Götter zum römischen Imperium, der ba- 
rocken katholischen Idee bis zur Konkurrenz zur 
englischen Aristokratie des 18. Jahrhunderts. 
Vorn ägyptischen Götter-und Herrschersymbol, 
der Königsstadt Persepolis, der Akropolis von 
Athen, über die kaiserliche hadrianlsche Villa in 
Tivoli und die Neugründung Konstantinopels ist 
hier alles an repräsentativen Kräften europäischer 
Architektur zusammengefaßt, um einem neuen 
und ursprünglich unbekannten Staat sein äußerli- 
ches Gepräge zu geben. 
In diese großartige Planung ließ sich nun alles ein- 
bauen, was notwendig war, um die Regierung des 
Staates zu ermöglichen. Daß man bei der Vielzahl 
der Bauten bis in unsere Zeit hinein bei der ur- 
sprünglichen Idee des "Klassizismus-i, das heißt 
der anitk-römischen Tradition geblieben ist, ist ei- 

	        

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