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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 171)

 
liesjährige Messe, welche das Wiener Lan- 
"emium des Kunsthandels zusammen mit 
Veranstalter, der ARGE für Fachausstellun- 
Wien, veranstaltet, ist aus verschiedenen 
den eine echte Premiere. Premiere, weil an- 
- des bisher üblichen Rahmens, des Messe- 
tes, nunmehr die Neue Hofburg tritt mit ih- 
iechselvollen, im Historismus in verschiede- 
Stilen ausgestatteten prunkvollen Räumen, 
ie einerseits den Ausstellern viel Anpas- 
sgeschick abverlangen werden, anderseits 
auch manches Ambiente zu steigern vermö- 
i Premiere, welche In einem nunmehr vergrö- 
n Rahmen stattfindet, wird für einige Firmen 
ersten Auftritt auf dem Messeparkett bedeu- 
ury, welche dem Gefertigten als Vorsitzen- 
anvertraut wurde und in den einzelnen Berei- 
mit fünfzehn hervorragenden Fachleuten be- 
wurde, hat die Absicht, strenge alles nicht 
Die 12. Wiener Kunst- und 
Antiquitätenmesse in der 
Neuen Hofburg vom 
22. - 30. November 1980 
Einwandfreie auszumerzen und - ein Novum - 
auch echte Gegenstände auszuscheiden, welche 
wnicht messewürdigii sind. 
Der schöne Gedanke, ausgeschiedene Objekte in 
einem Happening zu Beginn der Messe in der Ver- 
anstaltung einer "Kunstzertrümmerungu zu zer- 
stören, kann aus technischen Gründen nicht aus- 
geführt werden, so genußreich eine solche Unter- 
nehmung auch wäre. Zugleich würde sie den Wil- 
len der Veranstalter zur Qualität dokumentieren. 
Diese Messe soll nunmehr nur einmal jährlich im 
Herbst in Wien stattfinden. Sie findet ihre österrei- 
chische Entsprechung in der Salzburger Kunst- 
und Antiquitätenmesse, welche jährlich vor der 
Karwoche in den Prunkräumen der Salzburger Re- 
sidenz veranstaltet wird. 
Daneben mag es in Österreich noch mancherlei 
messeähnliche Ausstellungen und Märkte geben. 
Es sind jedoch nur diese beiden von den Kammer- 
organisationen unterstützten Messen in Wien und 
in Salzburg als echte Leistungsschau des gesamt- 
uuu 
österreichischen Kunst- und Antiquitatenha 
anzusehen. Die besten Firmen Österreichs 
fast ausnahmslos bei diesen beiden Messe 
treten. 
Den Ausstellern, welche mit größtem per 
chem Einsatz und finanziellem Risiko die kc 
ren Objekte teils auf den internationalen Mä 
im Wettstreit mit Händlern aus aller Welt ZL 
mengetragen haben, sei ein voller Erfolg geg 
Wie die Voranmeldungen zeigen, werden Wi 
um bedeutende österreichische Objekte, dar 
schöne Viennensien, angeboten, die auf ausi 
schen Märkten gefunden wurden. Die Mess 
füllt durch die Auffindung und Restaurierung 
chen Kunstgutes eine wertvolle kulturpolit 
Aufgabe, leistet einen Dienst für Österreich: 
tur,'der nicht zu überschätzen ist. 
Wir wünschen der neuen, alten Wiener Kunst 
Antiquitätenmesse im neuen Rahmen der N 
Hofburg ein gutes Gelingen. 
Kurt Ross: 
itsammier und Schatzzwerge 
e und falsche Kunstfreunde 
jahrzehntelangem Verkehr lernte ich die ein- 
n Typen der Kunstkonsumenten einzuteiien 
schiedene Spezies, und zwar: 1. den reinen 
nier, 2. den Ansammler, 3. den Geldsammler 
t. den Schatzzwerg. 
eine Sammler, collecfor cummunis, ist gege- 
wenn der Betreffende trachtet, seine Räume 
oll mit Kunstwerken oder historischem 
rat auszustatten. Unbeschadet des Wertes 
ler Seltenheit entscheidet bei ihm allein der 
wmack. Seine Seele ist rein. Er liebt, sei es ei- 
nfache Graphik oder ein teures Meisterge- 
a. Er ist der Liebhaber, der Liebende. 
ii kann sich sein Interesse verdichten, er 
in einem Gebiete eine Sammlung auf, kultur- 
ische oder künstlerische Bezüge verfoigend. 
iibt immer noch ein Liebender, Anima candi- 
l jedoch die Besitzfreude überwiegt und die 
tltät des Gesammelten die Qualität überwu- 
chert, wenn gieriger Eifer sich nicht mehr auf ein 
Gebiet spezialisiert, sondern wenn alles gehäuft 
wird, bloß weil es alt ist und Wert hat, dann fällt 
dieser Sammler zum niedrigen Range des An- 
sammlers ab. So entstehen wahre Alpträume und 
Ambiente von pantagruelischer Greuiichkeit. Statt 
des Feinschmeckers, des Gourmets, haben wir 
sein Zerrbiid vor uns, den Gourmand, den Vieifraß, 
den Ansammier. - Diese Spezies ist im übrigen 
harmlos und für den Handel umsatzfördernd, er ist 
eine unappetitliche Spielart des Nebbochanten. 
Weniger harmlos ist und noch tiefer steht der 
Sammiergrad des vGeldsammlersu, des Kunstspe- 
kulanten. Ihm zählt nicht das Kunstwerk, sondern 
die lukrative Geldanlage. Jederzeit ist er zum Ver- 
kauf mit Gewinnmitnahme bereit. Ein Zuhälter der 
Künste. Kein Liebhaber, nur ein kaufiiches Sub- 
jekt. Er brüstet sich gerne gegenüber dem "schnö- 
den Händler, der sich an der edlen Kunst berei- 
chertu, als edelmütiger Kunstfreund und erhabe- 
ner Sammler. Und er wird oft richtig reich dabei. 
im Gegensatz zu dieser tief rangierenden Spezies 
des Geldsammlers verkauft der kaum besser zu 
beurteilende Sammlertyp des "Schaizzwe. 
seine Kunstwerke nie. Er genießt sie auch I 
gönnt ihren Anblick auch niemandem an 
Wohlverpackt und in Knoten verschnürt, h: 
sie in Pappschachtein gefangen in Schräi 
Safes oder gar unter dem Bette. An Feiert 
liebt er es, eine Kerze in der Hand, die versc 
ten Schachteln liebend zu mustern und sici 
Inhalt zu imaginieren. Und einmal im Jahre 
er es zitternd, wenn niemand zugegen, Knote 
Knoten zu öffnen und einige Werke schlie 
verklärt zu betrachten. Schatzzwerge leben 
scheiden, kleiden sich ärmiich, hüten den S: 
für die lachenden Erben, die ihn dann versa 
die ihn dann verjubeln mit leichten Mädchen 
So wandert die Kunst in ewigem Wandel. 
Sammler, Ansammler, Geidsammier und Sc 
zwerge sind die Kategorien der Kunstkonsu 
ten. Sie sind auch die Kunstlieferanten im 
gen Wandel, zumindest posthum. 
In diesem Reigen hat der Händler mal gebend 
nehmend seine Funktion.
	        

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