MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 174 und 175)

iannskrug, Melsterzeichen wKJBu. Augsburg, 
ite 17. Jahrhundert. Silber, vergoldet, getrieben, 
alzgegossen. Hohe 20 cm. OMAK, Inv. Nr. 
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kanne von Joh. H. Manniich. Augsburg, 3. Viertel 
ihrhundert. Silber, teilvergoldet. Henkel und Fi- 
igossen. Hohe 30 cm. OMAK, Inv. Nr. KHM 444 
ilvase von Nikolaus Ostertag. Augsburg, um 
Silber, teilvergeldei, getrieben; A piikation ge- 
n, Henkel Hohlguß. Hohe 62 cm. MAK, Inv. Nr. 
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Weinikonographie durchaus profaner Art und ge 
hören seit dem 15. Jahrhundert zum Tafelgeschirr 
weinseliger Feste und Umtrunke und sind - wie 
auch in diesem Beispiel - meist mit BacchusfIgu- 
ren in irgendeiner Weise kombiniert. 
Das hervorragendste Stück der hiesigen Samm- 
lung aus der Gruppe der Weinallegorien ist der 
große Tafelaufsatz von Meichior Gelb aus Augs- 
burg, 2. Hälfte 17. Jahrhundert (Abb. 1). Hier tritt 
die Brauchbarkeit hinter Allegorie und Dekoration 
völlig zurück. Der große Aufbau, der handwerklich 
in vorzüglicher Weise gearbeitet ist, wird von ei- 
nem merkwürdigen mythologischen Programm 
beherrscht: Die vollplastische Figur des Neptun 
trägt eine große Muschel, in der eine Nereide ein 
Faß trägt, auf dem ein kleiner Bacchus mit der 
Weintraube auf einem Stab reitet. Darüber als Be- 
kronung steht Merkur in einer zweiten Muschel. 
Man darf sicherlich nicht meinen, daß hinter die- 
ser Abfolge ein tieferer Sinn liegt als der des be- 
rauschenden Festes und der Handelstüchtigkeit 
einer reichen Zunft. Gedacht ist so ein Gegen- 
stand als dekorativer Höhepunkt einer festlichen 
Tafel zur Freude der daran Teilnehmenden. Be- 
zeichnend für die Herkunft aller dieser Objekte 
von einem Gebrauch, ohne diesen möglich zu ma- 
chen, ist, daß das Faß einen Ausfiuß hat, mit ei- 
nem Hahn verschließbar, aber ohne Möglichkeit, 
das Faß zu füllen. in Komposition und Durchfüh- 
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rung gehört das Stück zweifellos zu den hervorra- 
gendsten Werken der Augsburger bürgerlichen 
Goidschmiedekunst des 17. Jahrhunderts. 
Der aus Hamburg stammende Buckelpokai aus 
der Mitte des 17. Jahrhunderts (Abb. 9) zeigt eine 
besonders starke Tradition viel älterer Formen, 
die sich in den Hansestädten erhalten haben. Der 
kieinteiiige und vielteiiige Aufbau, bei dem das ei- 
gentliche TrinkgefäB den kleinsten Flaum ein- 
nimmt, geht typenmäßig auf die zweite Hälfte des 
15. Jahrhunderts zurück und erhält sich bis an das 
Ende des 17. Jahrhunderts. Wohl hauptsächlich 
als Ehrengeschenk oder nZunftheiiigtum-r verwen- 
det, steht auch bei dieser Gefäßgruppe die deko- 
rative Absicht im Vordergrund. Mit unglaublicher 
Mühe sind für das Gefäß alle Möglichkeiten der 
Silberschmiedearbeit eingesetzt. Jede freie Stelle 
der Oberfläche ist durch kleine getriebene und zi- 
seiierte Bilder wie Ornamente bedeckt, mit der Ab- 
sicht, vom Vollplastischen bis zu leicht Gravier- 
tem die ornamentale Einheitlichkeit an dem Gefäß 
durchzuführen. Typus und Stil der Ornamente ent- 
stammen dabei dem Manierismus in Weiterfüh- 
rung zur Groteske des Barock. 
Zwei Gefäße aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, 
das eine aus Hamburg (Abb. 2), das andere aus Ri- 
ga (Abb. 5), sind ganz besonders hervorragende 
Beispiele für die Ambivalenz kunstgewerblicher 
Objekte. Das erste eine Schale, das zweite ein Be 
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