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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

1350 und 1374 wurde den Zisterzienser- 
xlogiestudenten das St-Bernhard-Kolleg im 
s "Jerusalemu in der Bartholomausgasse in 
I eingerichtet." Frater Michael de Zwetl hat 
im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts stu- 
: Nota, quod Iratri Michaeli accomodavimus 
tudium Pragense Iibros et volumina que sub- 
ntur, primo Iibrum physicorum in pergamena. 
(Cod. Zwetl. 361, fol. 98V) (Abb. 13)." Das Kol- 
iestand nur 35 Jahre. Nach der Auseinander- 
Jng zwischen den tschechischen und 
schsprachigen Professoren, Magistern und 
enten bezüglich des nationalen Stimmenan- 
. wobei Wenzel IV. die Forderungen von Jan 
nach gleichberechtigtem Anteil unterstützte, 
es zum Auszug der deutschen Professoren 
Studenten, die fortan an der Leipziger Univer- 
tätig waren (Ordenskolleg seit 1427). Der 
eiber der Zwettler Codices 177, 178, Nikolaus 
Brunn, schrieb die beiden Bände 1383 und 
in Prag, da er dort kanonisches Recht stu- 
e." Das Schriftbild ist kennzeichnend für die 
geschriebene sägezahnartige böhmische 
arda (Gebrauchsschrift), die im 15. Jahrhun- 
m österreichischen Flaum abgewandelt über- 
11en wird. 
aben angedeutet, ist ein Teil der böhmischen 
lschriften in österreichischen Stiftsbibliothe- 
Fluchtgut oder geht auf eine Schenkung zu- 
Die illuminierte böhmische Prachthand- 
ft der Stiftsbibliothek von Herzogenburg, 
9411 (Gregor der Große: Moralia in lob) von 
397, wurde in der Kartause von Mauerbach 
ilien geschrieben, von der Prager Hotminiato- 
erkstatt illuminiert und kam während der 
iitenwirren in das Augustiner-Chorherrenstift 
Jerzogenburg." Ein weiteres Beispiel bildet 
on einem Prager Hofminiator ausgestattete 
adus-de-Brundelsheim-Handschrift von 1383 
sbibliothek Kremsmtlnster, CC 355)," die 
Abt Jacob Treutlkover um 1432, vermutlich 
iluchtgut, erworben wurde. Das vierbändige 
albuch der Kollegiatsbibliothek zu Vysehrad 
I- 1361), ein Geschenk des Propstes und 
lers Dietrich von Portice, wurde um 1435 vom 
st Andreas Braunbeck in Wien für das Chor- 
Instift Vorau (Steiermark) gekauft." Ein Groß- 
on böhmischen Handschriften aus den etwa 
ig erhaltenen Exemplaren Im Prämonstraten- 
ift Schlägl (Oberösterreich) stammt aus dem 
z des Johannes Rabenstein, Bischof von Vy- 
ld, den er mit Handschriften anderer Prove- 
: nach seinem Tod 1470 dem Stift vermach- 
Wahrend der Kriegswirren in Böhmen hatte 
11 
issitenschiacht, 2. Vier- 
15. Jahrhundert. Prag, 
iversitätsbibliothek I 
'll A 34,foI.115r 
issitenschlacht, um 
30. Paris Louvre, Samm- 
ig E. de Rothschild I 
'. P. ll. 286. 12 
naer Kodex, Ende 
Jahrhundert. vSchlacht 
ischen Kreuzrittern und 
issiten." Prag, National- 
iseum I Cod. IV B 24, 
. 56r 
hannes Hartlieb, Kriegs- 
ch, Mitte 15. Jahrhun- 
rt. "Kampf zwischen 
ssiten und __ 
zuzrittern." Wien, Oster- 
chische Nationalbiblio- 
zk l Cod. 3062, fol. 
riegs- und Pixenwerku, 
. 1437. Wien, Kunsthi- 
irisches Museum, 
mmlung für Plastik und 
nstgewerbe I P 5014, 
. 35r 
chtbuch, um 1430. 
en, Kunsthlstorisches 
iseum, Sammlung fur 
istik und Kunstgewerbe 
5013, IOI. 1v 
 
 
ihm einst das Stift großzügig Zuflucht gewahrt. Es 
handelt sich um den umfangreichsten böhmi- 
schen Handschriftenbestand in einer österreichi- 
chen Stiftsbiblicthek. Eine weitere Prachthand- 
schritt, die Taboritenbibel (New York, Pierpont 
Morgan Library, M 752, 1456), befand sich einst im 
Zisterzienserstift Neukloster in Wiener Neu- 
stadt." 
Ein folgender Schwerpunkt ist die inhaltliche Be- 
zogenheit von Texten zu Böhmen im Zuge der reli- 
giösen Erneuerung. Es handelt sich hierbei um 
Texte mystischen Inhalts (Devitio moderna) und 
um solche reformkrltischen Ursprungs, die haupt- 
sachlich in Latein geschrieben waren. Der 
Augustiner-Chorherr Konrad von Waldhausen 
(T1396), Johannes Milfö von Kremsier (T1374) und 
sein Schüler Matthias Janov waren die nennens- 
wertesten Vorkämpfer der hussitischen Bewe- 
gung in Pragßl In Cod. Zwetl. 108 und 185 sind 
Predigten des Konrad von Waldhausen," in Cod. 
Zwetl. 170, 173 des Johannes Milic von Kremsierß 
enthalten. In der weiteren Verbreitung solcher 
Texte in österreichischen Stiftsbibliotheken ist et- 
wa ersterer Autor in CC 245 (Prag, 1375) der Stifts- 
bibliothek Kremsmünstersi mit tschechischen 
Randglossen und Federzeichnungen sowie in Cpl 
der Stiftsbibliothek Schlägl und in Cod. 165 (1394) 
 
 
der Stiftsbibliothek Gottweig vertreten. Johannes 
Millc ist z. B. in Cpl 137 von 1432 (?) erfaßt. 
Eng verbunden mit der religiösen Erneuerung war 
die Entstehung der deutschen und tschechischen 
Bibelredaktion. Als Beispiele werden die Wenzels- 
bibel, die Paderov- und die Taboritenbibel heran- 
gezogen. Das Torsowerk der sechs Bande der 
Wenzelsbibelu ist eine Abschrift einer verloren- 
gegangenen deutschen Übersetzung der lateini- 
schon Vorlage. Initiator der Übersetzung war ein 
gewisser Martin Rotlev aus einer wohlhabenden 
deutschen Patrizierfamllie der Prager Altstadt 
(T1395). Als Donator und Besitzer kommen Wen- 
zel IV. und seine Frau Sophie von Bayern in Frage, 
die am Prologende des ersten Bandes erwähnt 
und durch ihre Wappen auf lol. 2v (Abb. 14) bestä- 
tigt werden. Die in Prachttextura geschriebenen 
Bände waren für das Spätmittelalter wegen der 
Sprachgewandlheit in der Übersetzung von großer 
Bedeutung. Die Illuminationen der Bände stam- 
men von der Prager Hofminiatorenwerkstatt, die 
Zierseite mit der Schöpfungsdarstellung auf fol. 
2v von Cod. 2759 der ÖNB Wien hat der sogenann- 
te Willehalmmeister ausgestattet, jene Malerper- 
sönlichkeit, die einen Großteil des Willehalm, Cod. 
Ser. nov. 2643 der ÖNB Wien, mit Miniaturen ver- 
ziert hat. Wesentliches Moment der biblischen 
12 
  
 
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