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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

Philibert Pocabellos. Neuerdings wird auch das 
Epitaph des Adam von Prankh (T1591) in der 
Schloßkapelle Pux (BH Murau) Philibert Pocabello 
zugeschrieben." 
Auf Grund eigener Forschungen können wir das 
Werkverzeichnis des Philibert Pocabello wesent- 
lich über die bisher bekannten Arbeiten des Bild- 
hauers hinaus erweitern. Ein Vergleich mit seinen 
oben genannten gesicherten Werken zeigt, daß 
das große Epitaph" des Wolf von Lengheim 
(T 1601) und dessen Frau Sophia, einer geborenen 
von Saurau (T1600), in der Burgkapelle zu Pertl- 
stein bei Fehring (BH Feldbach) und der Rest des 
an der Apsis der Pfarrkirche zu Piber (BH Voits- 
berg) angebrachten Grabmals eines Herrn von Kai- 
nach" ebenso aus der Hand Philibert Pocabellos 
stammen wie der aus weißem Marmor herausge- 
meißelte Grabstein der Elisabeth Haller (T27. 10. 
1601)" an der Südseite der Pfarrkirche zu Gamlitz 
(BH Leibnitz) und das kleine Grabmal des kaiserli- 
chen Mundkochs Christoph Stiglmair (T25. 11. 
1619)" im Kreuzgang des Grazer Franziskanerklo- 
sters. Im Gegensatz zu seinem Bruder Martin folg- 
te Philibert Pocabello bei der Konzeption der von 
Ihm geschaffenen monumentalen Grabmäler - 
wohl auch auf besonderen Wunsch seiner adeli- 
gen Auftraggeber - den Traditionen der einheimi- 
schen Sepulkralplastik. Dies wird besonders bei 
dem um 1600 entstandenen Epitaph des Andreas 
von Stubenberg deutlich, bei dem sich Pocabello 
offenbar an dem bereits oben erwähnten, etwa ein 
Jahrzehnt älteren und vorn Bildhauer Jeremias 
Franck geschaffenen Grabmal des Gall von Rack- 
nitz (T1588) in Pernegg orientierte. Nach 1600 ge- 
lang es Philibert Pocabello zwar, sich vor allem in 
der Ornamentik und in der Ausführung vom Vor- 
bild Francks zu lösen und einen eigenen Stil zu fin- 
den, doch blieb der Aufbau der später von ihm er- 
richteten Epitaphien im wesentlichen unverän- 
dert. 
Besonders die großen, für verschiedene steirische 
Adelige errichteten Wandgrabmaler des Philibert 
Pocabello weisen nicht nur in ihrem architektoni- 
1 Philibert Pocabello, Grabmaler des Offo von Teuffen- 
bach (T1609). Pfarrkirche Teufenbach 
2 Philibert Pocabello, Grabmal Offo von Teuffenbach 
(T1609). Detail Abb. 1. Pfarrkirche Teufenbach 
3 Philibert Pocabello, Grabmal Offo von Teuffenbach 
(T1609). Detail Abb. 1. Pfarrkirche Teufenbach 
4 Philibert Pocabello, Grabmal Offo von Teuffenbach 
(T1609). Detail Abb. 1. Pfarrkirche Teufenbach 
schen Aufbau und ihrer reichen figuralen Au 
tung, sondern auch in ihrer detailgetreuen Ai 
rung und Ornamentik viele Parallelen auf. B 
Epitaphien Trautmannsdorff und Teuffenbar 
wendete der Bildhauer außerdem noch ver 
dene Marmorsorten, um die Wirkung zu ste 
Die Sockelzone der einzelnen Wandgrat 
wird durch eine lnschrifttafel bestimmt, ai 
die biographischen Daten und die gesellsc 
chen Positionen des Verstorbenen aufgezäh 
den. Als Schrift verwendet Pocabello durcl 
die aus der Antike übernommene und in d 
naissance wiederbelebte Kapitalis. Der m 
Teil oder das "Hauptgeschoßu der großen 
maler wird von einem Bildfeld beherrscht, d: 
nahezu lebensgroß dargestellten Verstor 
entweder allein (Epitaph Trautmannsdorfi 
leicht auch Epitaph Kainach) oder zusammi 
seinen Familienangehörigen (Epitaph S 
berg, Lengheim und Teuffenbach) zeigt. Für 
auf ältere Vorbilder zurückgehende Darst 
finden sich seit etwa der Mitte des 16. Jai 
derts in der steirischen Grabplastik zahl 
Beispiele! Die fast vollplastisch herausgeai 
ten und meist im Profil wiedergegebenen F 
knien in betender Haltung vor dem Kruzifix 
wie z. B. beim Epitaph Lengheim, unter de 
stellung der Heiligen Dreifaltigkeit. Den Ab: 
der großen Epitaphien bildet ein Aufbau, d 
liefs mit verschiedenen religiösen Motiven - 
Beispiel die Auferstehung Christi (Epitapi 
benberg und Trautmannsdorff) - zeigt. 
kommen noch dekorativ angeordnete Bibe 
und Wappen sowie die bei protestantischen 
mälern (Epitaph Stubenberg und Lengheim) 
gen Personifikationen einzelner Tugenden. I 
gen befindet sich beim Grabmal des katholi 
Sigmund von Egkh über der ebenfalls im Prt 
zeigten Figur des knienden Verstorbenen eii 
riendarstellung. Bei diesen religiösen M 
stützt sich Philibert Pocabello zweifellos ai 
phische Vorlagen, die im einzelnen noch nal 
tersucht werden müssen.
	        

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